Eintauchen in die Engelwelten

|
Die Dottinger Künstlerin Marjan Eva Witteveen und ihr Bild „Erzengel Gabriel mit dem Botenstab“.  Foto: 

Sie verkörpern die Göttliche Weisheit. Ein himmelweiter Unterschied trennt sie von diesem Heer, das für Kitsch und Konsum in Massen produziert wird. Die wirklichen Engel heißen Michael, Gabriel, Uriel, Metatron, Jophiel, Zadkiel und Chamuel. Jedem wird ein Wirkungskreis, eine Persönlichkeit zugeschrieben. Sie sind jenseits von Raum und Zeit, den Menschen aber zugetan – als Boten, als Begleiter, als Beschützer. Ihre Gegenwart ist für die Künstlerin Marjan Eva Witteveen eine unumstößliche Tatsache. „Sie sind da.“ Nun setzt sich diese Frau schon seit vielen Jahren mit religiösen Themen auseinander. Ihr Talent als Malerin bezeichnet sie als „Gottesgabe“, ihr künstlerisches Schaffen als spirituelle Arbeit. Kunst ist für sie eine Herzensangelegenheit. Sie geht ganz in ihr auf. Ohne ihre tiefen Empfindungen würde sie sich an der Oberfläche bewegen. Das wäre die Mühe nicht wert. So aber drückt sie das aus, was sie fühlt, eine Ergriffenheit, ein Staunen und Liebe zu diesen mächtigen Geistgeschöpfen, die sie studiert („ich lese mich in die Person rein“), bevor sie sich mit Farben und Pinsel an sie herantraut.

Es ist eine Mischung aus Ehrfurcht und Bewunderung, wenn sie über ihre Motive spricht. Engel, sagt sie, „sind der Erde und den Menschen nahe“. Raphael werden heilende Kräfte nachgesagt, Gabriel gilt als die „Kraft Gottes“, der die Botschaften überbringt, Michael ist der Engelsfürst, der für Gerechtigkeit, Schutz, Mut und Glaube steht.

Im nächsten Jahr wird im Verlag Wolfgang Wiedemann ein Buch erscheinen, das vierzig Engel versammelt, die in Texten vorgestellt werden. Marjan Eva Witteveen freut sich und geht voller Elan ans Werk. Wer vorab einen Eindruck gewinnen möchte, hat jetzt eine gute Gelegenheit, denn eine erste Bildauswahl wird in einer Ausstellung in der Schorndorfer Versöhnungskirche gezeigt.  Sie trägt den Titel „Engelwelten“ und wird am Sonntag, 8. Oktober, um 11.40 im Anschluss an den Gottesdienst eröffnet.

Warum Schorndorf? Neben Dr. Matthias Schiebe, Steingebronn, war es der dortige Pfarrer Thomas Fuchsloch, der sie ermutigt hat, die Ikonenmalerei, die sie bei namhaften Lehrern erlernt hat, um das spannende Thema Engel zu erweitern.  Damit ist sie in einen Bereich gelangt, der immer schon da war und nun vom Rand in den Mittelpunkt gerückt ist.

 Dieses Umschwenken ist ihr nicht fremd. Marjan Eva Witteveen ist in den Niederlanden geboren. Sie hat als Textildesignerin gearbeitet,  in den USA ein Sprachstudium absolviert, sie war Inhaberin eines Übersetzungsbüros mit zuletzt zwölf Mitarbeitern und Sitz in einem rustikalen Holzhaus auf der Alb. Hier wohnt sie immer noch. Der Arbeitsplatz ist seit ihrer Pensionierung jetzt vollständig Lebensraum. In ihrem Atelier liest sie hebräische Schriften, die Bibel liegt aufgeschlagen neben dem Koran. Indische Götter schauen auf die Besucher hinab, Ikonenmalerei zeigt Jesus als Erlöser am Kreuz, als Sohn Gottes mit goldenem Heiligenschein, Maria ist Königin und tröstende Mutter. Auch gemalte Erinnerungen an ihr Leben in den Niederlanden, ihre vielen Reisen sind Hingucker, vom Stil ganz anders, mehr modern und experimentell.

Die Bilder zeigen ihre Vielseitigkeit. Sie sind allesamt sehr persönlich. „Meine Malerei entsteht durch Emotionen“, schreibt sie über sich. „Bei mir ist das nicht planbar. Es entsteht einfach. Die Farbe brennt mir in den Fingern und ruft danach, sich zu offenbaren. Ein Seelenstückchen wandert in das Bild. Es kommt einfach alles von oben.“

Die  Ausstellung in Schorndorf geht bis 27. Oktober. Öffnungszeiten:  werktags von 10 bis 12  und von 15 bis 18 Uhr sowie vor und nach den Gottesdiensten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Alle Kinder profitieren

Vor mehr als zehn Jahren hat die Stadt Münsingen die Organisation der Schulsozialarbeit an die Bruderhaus-Diakonie übertragen – Wandel in der Einstellung. weiter lesen