Ein wandelndes Lexikon

Eintauchen in die Geschichte des Militärs von vor über 100 Jahren: Die Traditionsgemeinschaft führte durch das Alte Lager.

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Norbert Herrmann kennt sich aus im Alten Lager. 26 Jahre lang war er Bezirksverwalter des Truppenübungsplatzes und sah zahlreiche Offiziere und Soldaten kommen und gehen. Er weiß enorm viel über die Entstehung der Kaserne und des Schießplatzes zu erzählen, er kennt Geschichten über Gebäude und Militärangehörige, die hier gelebt und gearbeitet haben. Dieses Wissen gibt er gerne weiter, so wie gestern im Rahmen von zwei Führungen, die am Vormittag und am Nachmittag durchs Alte Lager und durchs Museum angeboten wurden.

1895 kam Münsingen zum ersten Mal als möglicher Standort für einen Truppenübungsplatz ins Gespräch, bereits ein Jahr später wurde das Alte Lager errichtet. „Zuerst wohnten die Soldaten in Zelten, später waren sie in einfachen Baracken untergebracht“, erzählte Herrmann. Innerhalb von eineinhalb Jahren wurden 150 Gebäude gebaut, die meisten eingeschossig. Das Baumaterial dafür wurde laut Herrmann überwiegend mit Ochsenkarren von Urach nach Münsingen transportiert, darunter auch der Tuffstein aus Seeburg, der heute noch an vielen Gebäuden zu erkennen ist. Die Führungen starteten am Biosphärenzentrum, führten an der ehemaligen königlich-württembergischen Post und am Casino vorbei in Richtung Lazarett, zum Place de France und zum Mannschaftsgebäude BT 34, in das ebenfalls ein Blick geworfen werden konnte. Herrmann berichtete von der Art der Belegung und Nutzung und flocht immer wieder einige Anekdoten in seine Beschreibungen ein. So gab es zum Beispiel für die Offiziere eine eigene Waschanstalt, die einfachen Soldaten hingegen mussten ihre Wäsche selber in Eimern waschen. Heute verleihen die Ruhe und die Nähe zur Natur dem Lager einen idyllischen Charakter, davon war unter dem Regiment der Franzosen jedoch nichts zu spüren. „Viele hohe Persönlichkeiten waren hier schon zu Besuch. Charles des Gaulle, Gustav Heinemann, Benito Mussolini, Heinrich Himmler und auch Adolf Hitler“, erzählte Herrmann. Und ganz früh sogar König Wilhelm II. von Württemberg, der einen kleinen Bub dazu einlud, gemeinsam mit ihm an eine Hauswand zu pinkeln.

Heute steht das komplette Alte Lager unter Denkmalschutz: „Schließlich ist es das einzige Lager, das in dieser Form erhalten geblieben ist“. Es wurde nie durch militärische Ereignisse beschädigt oder durch Abriss und grundlegende Modernisierungen in der Nachkriegszeit verändert, deshalb repräsentiert es die Architektur aus der Zeit vor 1900. Immer wieder wurde kräftig investiert, so wie etwa in die Renovierung des Casinos zwischen 1998 und 2000, als offiziell zwei Millionen D-Mark, tatsächlich aber 3,6 Millionen DM für die Verschönerungsmaßnahmen aufgebracht wurden. „Die nächsten zwei bis drei Jahre wird es wohl noch Führungen geben. Dann jedoch sollen Besucher selbstständig mit Kopfhörern auf den Ohren umherlaufen können“, informierte Herrmann, für den dieser Ort zur zweiten Heimat geworden ist. Auf jede Frage weiß er eine Antwort, zu fast jedem Gebäude kennt er eine Geschichte. Herrmann bedauert, dass es diese Form der Informationsvermittlung dann wohl nicht mehr geben wird. Auch durch das Museum der Traditionsgemeinschaft im früheren königlich-württembergischen Postamt, das bald an einem anderen Standort zu finden sein wird, fanden Führungen statt. Stefan Bader stellte die umfangreiche geschichtliche Dokumentation der militärischen Geschichte des Alten Lagers vor und streifte gemeinsam mit den Besuchern an den über 1000 Ausstellungsstücken vorbei.

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