Dynamisch, tastend, hymnisch

Gemessen an der Ewigkeit, ist das evangelische Gesangbuch, mit erst zehn Jahren auf dem Buckel, geradezu jung. Es ist während Gottesdiensten im Einsatz und bereichert dort mit seinen Liedern die Liturgien.

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Unter der Leitung von Wolfgang Stierle und in Begleitung einer vielseitig besetzten Band wurden in Trailfingen neue Kirchenlieder vorgestellt. Foto: Simon Wagner

Währenddessen, spülen zeitgeistige Wellen unablässig neue Musikstile und -gattungen an die Strände der Kirchen. Bereits 2005 nahm sich die Evangelische Landeskirche ihrer an und brachte die Liedersammlung "Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder" heraus. In ihr finden sich 94 neue Beiträge zur musikalischen Gottesdienstgestaltung.

Am Samstagabend nun, stellte der Kirchenchor Trailfingen und der eigens gebildete, über 15-köpfige Projektchor, die funkelndsten Perlen in einer "Stunde der Kirchenmusik" vor. Rund 100 Gäste konnte Pfarrer Joachim Sperfeld hierzu in der Andreaskirche begrüßen. Seine Eingangsfrage: "Wer ist Gott für uns?" beantwortete der Chor im Folgenden facettenreich und musikalisch. Unter der Leitung von Wolfgang Stierle und in Begleitung einer vielseitig besetzten Band, erklang so "das Lob Gottes immer wieder neu".

Die Bandbreite der Lieder, samt ihrer innewohnenden Aura, ist tatsächlich breit gefächert. Mal aufrüttelnd und dynamisch, mal tastend und ins hymnische gleitend, bieten sie vielfältige Anknüpfungspunkte, um sich einzulassen, sich zu finden oder aber um sich einfach mitreißen zu lassen. Mitunter erinnert ihr dramatischer Aufbau an den eines Musicals-Klassikers ("Bis ans Ende der Welt"), mal kommt der Lobgesang geradezu jazzig daher ("Heilig, heilig") - durchgängig aber der Anspruch, neue Wege in die Moderne zu finden. Wobei modern in diesem Zusammenhang nicht gleichzusetzen ist mit fehlender Eingängigkeit. Immer wieder bot sich für die Gäste die Gelegenheit mit einzustimmen und sich auf ungewohntem, musikalischem Terrain zu bewegen.

Durchsetzt mit anspruchsvollen, instrumentalen Vor-, Zwischenspielen der Band, griff ansonsten der Chor nach dem musikalischen Zepter. Engagiert nahmen sie auch Kurs auf allfällige musikalische Klippen und meisterten sie schwungvoll und zupackend. An der ein oder anderen Stelle hätte man sich zwar noch etwas mehr Druck von den hinteren (Männer-)Reihen gewünscht, doch der Blick auf die (vornehmlich weibliche) Zusammensetzung des Ensembles, versöhnte mit diesem kleinen Makel. Derart gelangen auch die eingeschobenen Chorsätze des englischen Komponisten John Rutter. Jene vielstimmige Innigkeit und Kunstfertigkeit erklang, die ihn weit bekannt gemacht haben.

Doch schon alleine mit dem Unterfangen, die neuen Liedmelodien während eines festlich gestalteten Abends einem breiten Publikum vorzustellen, haben sich die Akteure den herzlichen Applaus der Gäste verdient. Er galt insbesondere auch der Gesangssolistin des Abends: Ursel Krehl.

Zur Unterstützung des Trailfinger Kirchenchors, fanden sich seit Ende September, Sänger jeden Alters aus Trailfingen und Umgebung zusammen, um in einem offenen Chorprojekt das üppig bestückte Konzertprogramm des Abends einzustudieren.

Der ein oder andere Besucher könnte so vielleicht bald ein Aha-Erlebnis haben, wenn er sonntags in der Kirche sitzt. Und mit etwas Übung gelingen dann auch die ungewohnten Passagen - der Projektchor hat"s vorgemacht.

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