Dreimal ausverkauft

Eine erfolgreiche Japan-Tour haben Kissin Dynamite absolviert. Sänger Hannes Braun führte Tourtagebuch, das wir auszugsweise veröffentlichen.

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    Ausverkaufte Clubs, ausflippende Fans: Kissin Dynamite starteten in Japan durch. Fotos: Privat
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    Immer für einen Spaß zu haben: Drummer Andi Schnitzer in Tokyo.
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Unsere Reise startet am 7. Februar morgens am Frankfurter Flughafen. Erleichterung zeichnet sich in den Gesichtern ab, denn es sind alle Bandmitglieder anwesend, was keine Selbstverständlichkeit ist. Im Jumbo-Jet, der uns nach Osaka bringen soll, feiern alle Bands in der Stewardess-Area. Der Grund: Free Drinks bis zum Umfallen. Entsprechend angenehm kurz fühlen sich die knapp zehn Stunden bis zur Ankunft an.

Erster Schock: Ein Gepäckstück mit technischen Equipment fehlt. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend laufen wir mit Taschen voller "Merch" am Zoll vorbei, unangemeldet natürlich. Ein Polizist ruft uns zu sich her und wir denken, "Scheiße, das wars nun mit zollfreiem Merch!" Freudig begrüßt er uns mit: "Oh you are that young german band, what"s your name again?" Ich erwidere "Kissin Dynamite". Der Mann: "Oh right, I always listen to your CD with Udo Dirkschneider". Er meinte unsere 2. Platte "Addicted to Metal". Er lotst uns an der Menschenschlange vorbei und wir entern unseren Reisebus nach Osaka.

Der Club, in dem wir auftreten, befindet sich direkt unter unserem Hotel. Doch erstmal ein Day-Off! Der Tag wird verbracht mit Shoppen, den Kater auskurieren und sich an den grinsenden Gesichtern der Japaner erfreuen. Am Abend dinieren wir noch in einer Hawaiianischen Bar mit japanisch/europäischem Essen und feiern in einer HipHop-Kneipe.

Am nächsten Morgen dann eine Stimmungsbremse. Das verlorene Gepäckstück ist nicht geliefert worden und man weiß auch nicht, wo es abgeblieben ist. Etwa 20 höfliche Japaner stehen vor dem Hoteleingang und warten auf Autogramme. Wir sind völlig verdutzt, dass wir hier überhaupt richtige Fans haben und erfüllen ihnen den Wunsch natürlich gerne. Nach dem Soundcheck liegen wir alle keine zehn Minuten später in den Betten und schlafen für die kommende Party vor. Showtime in Osaka! Wir fahren im Gig-Dress mit dem Fahrstuhl nach unten ins Backstage. Der erste Blick fällt auf einen Flatscreen im Dressing Room mit Blick in den Club! Row, etwa 100 Leute stehen dicht gepackt. Das lässt noch mehr Vorfreude aufkommen.

Wir stürmen die Bühne und die japanische Meute empfängt uns springend und jubelnd. Sie singen jeden Song mit. Nach 70-minütiger energiegeladener Show treten wir glücklich und ausgepowert von der Bühne. Zeit mit den Leuten draußen zu quatschen. Bilder werden mit uns geschossen, Geschenke überreicht und CDs signiert. Wir sind sprachlos. Auch heute Abend gehen alle Bands gemeinsam essen und treffen sich für einen ausgiebigen Umtrunk in einer Karaoke-Bar.

Es ist 7 Uhr am 10. Februar, manche von uns haben gerade mal eine halbe Stunde geschlafen. Manche gar nicht. Wir werden von der Promoterin hastig in den Bus gerufen. Die Reise geht nach Nagoya mit etwa vier Stunden Fahrt. In dem viel zu kleinen Bus stinkt es erbärmlich. Um so glücklicher sind alle, als wir unser Hotel erreichen. Heute muss es noch schneller gehen. Frühere Showtime, kurzer Soundcheck. Das fehlende Gepäckstück ist immer noch nicht geschickt worden.

Nachdem der japanische Support "Dreamstoria" das Publikum mit einem schrecklich gecoverten "Born to be my baby" von Bon Jovi genug gequält hat, wird es nun Zeit für uns. Gleiches Bild wie am Vortag. Etwa 130 Mann füllen den kleinen Club aus und empfangen uns hysterisch. Beim Versuch, mich in die Meute über den Zaun zu lehnen, werde ich fast ins Publikum gerissen. Begeisterung. Eine Ehre wird uns direkt nach der Show und der Autogramm-Session zu teil, als der Sponsor der Konzertreihe uns exklusiv in ein schickes Japanisches Restaurant einlädt. Der Anblick ist skurril. Alle mit Stage Outfit, teils oben ohne, zwischen Schlipsträgern. Es wird fürstlich diniert. Wir entschließen uns, die heutige Party auf ein Minimum zu reduzieren, da morgen der wichtigste der drei Gigs ansteht. Alle gehen brav ins Bett.

Ein Blick auf die Uhr verheißt am nächsten Morgen nichts Gutes. 5 Uhr. Auf nach Tokyo. Nach sechs Stunden Fahrt den Fujiyama immer im Blick kommen wir schließlich an der Venue in Tokyo an. Die Promoterin Aiko empfängt uns bestens gelaunt: "Boys the club will be packed tonight. The presales are over 250 tickets!" Leider bleibt uns wieder mal keine Zeit auch nur irgendwas von Tokyo zu sehen. Nachmittags wird es Zeit für einige Promo-Termine. Unser Verlag Sony ATV nimmt uns in Empfang, wir treffen die CD-Ladenbetreiber Tokyos in den Megastores. Smalltalk. Zurück in der Venue erfahren wir, dass der Club nun bis auf die letze Karte ausverkauft ist. Die Laune steigt ins Unermessliche, trotz Übelkeit. Um 21 Uhr ist es dann soweit. Die letzte Show! Unser Intro "Girls, girls girls" von Mötley Crüe wird lauthals mitgegröhlt! Wir nehmen die Bühne in Beschlag, der Vorhang fällt und was uns da draußen abfeiert können wir selbst kaum glauben. 350 tobende Fans! Fantastische Stimmung! Meine Ansage: "Good evening Tokyo", dabei bekomme ich Gänsehaut. Zu "I will be king" hole ich unsere japanische Queen auf die Bühne, die tanzend die Meute mit uns anfeuert. Ein letztes unvorhergesehenes Highlight kommt schließlich bei unserer finalen Zugabe "Money, Sex & Power". Alle Bands, Crew, Promoter, etc. feiern mit uns das Finale der Tour vor einem enthusiastischen Publikum!

Auf dem Weg von der Bühne steht unser Tourmanager Jomi grinsend im Gang und wartet mit dem nun aufgetauchten Gepäckstück vor sich. Der Absender: Hong Kong! Ein halbe Stunde nach unserer Show sind wir dann auch am Merch komplett ausverkauft und die Party kann steigen.

Es wird noch einmal gemeinsam gegessen und daraufhin versacken ausnahmslos alle bis zur Abfahrt zum Flughafen am nächsten morgen um 7 Uhr. Wehmütig verlassen wir das Land der aufgehenden Sonne, dass uns so herzlich empfangen und uns unzählige schöne Momente beschert hat.

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