Die Wasserqualität stimmt, jetzt kommt das Abwasser dran

|
Seit Anfang des Jahres gibt es fließend Wasser im Kinderheim „Springs of Hope“ im kenianischen Maralal, sehr zur Freude vor allem der Kinder.  Foto: 

In den vergangenen Jahren hat der Münsinger Arbeitskreis Maralal unglaubliche Erfolge erzielt auf dem Weg, Kindern in der kenianischen Provinz die Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Die Spenden aus Münsingen und Umgebung ermöglichten es zuletzt, eine eigene Trinkwasserversorgung für das Kinderheim „Springs of Hope“ aufzubauen (wir berichteten). Dass die Arbeit in Maralal, das etwa 250 Kilometer nördlich von Nairobi liegt, noch längst kein Ende gefunden hat, das verdeutlichten Marit Wiest und Stefanie Fischer in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Doch zunächst hatten sie gute Nachrichten parat. Die Wasserversorgung, die ja erst seit Anfang des Jahres durch einen eigens gebohrten Brunnen realisiert ist, erfolgt mit guter Wasserqualität. Nach den ersten Hiobsbotschaften, wonach zu viel Fluorid und Mangan im Wasser enthalten sei, haben weitere Messungen jetzt aber ergeben, dass die Grenzwerte unterschritten werden. Damit entfällt der befürchtete Einbau einer Osmose-Filteranlage, die laut Marit Wiest rund 5000 Euro gekostet hätte.

Stattdessen werden jetzt dieser Tage zwei Solarzellen auf das Dach des Kinderheims montiert, die dafür sorgen sollen, dass das Wasser in einem 300-Liter-Tank aufgeheizt wird und so für die Duschen nicht mehr das kalte Wasser aus dem Untergrund zur Verfügung steht. Weitere Investitionen würden fällig für einen Abwassertank, da es an der Schule weder Kläranlage noch Kanalisation gibt. „Die Behörden machen Druck, dass endlich Sickergruben angelegt werden“.

Wasser sorgt für Nahrung

Erfreulich sei es, betonte Marit Wiest, dass durch die Wasserversorgung jetzt auch die Ernährung der Kinder und Lehrer gewährleistet sei, könne jetzt doch der große Garten des Kinderheims bewässert werden. Dass dort Kraut, Spinat, Bananen, Papayas und vieles mehr bestens gedeihen, davon konnten sich im August diesen Jahres bei einem Besuch die Arbeitskreis-Mitstreiter Margret Röhrle und Adolf Wagner überzeugen. Vor allem die Krauternte sei üppig ausgefallen, so dass viele der Kohlköpfe auf dem Markt in Maralal verkauft und damit kleine Einnahmen für das Heim erzielt werden konnten. Auch der heimeigene Fischteich sorgt für Abwechslung auf dem Speisezettel.

Aber es gibt auch traurige, ja tragische Nachrichten aus Maralal. Das Gesundheitswesen des Landes liegt derzeit am Boden. Das erfuhren Röhrle und Wagner bei einer Vorstandssitzung des von Grace Kiboi und ihrem Mann Joseph aufgebauten Kinderheims mit dem neuen Vorsitzenden Stephen Gichohi. Die deutschen Gäste erfuhren, dass nach monatelangem Ärztestreik nahtlos die Krankenschwerstern weitergemacht hätten. Wer kein Geld für eine Privatklinik habe, müsse warten. Betroffene sind auch die Kinder in Maralal. Das Mädchen Naboo bedürfe einer dringenden Ohrenoperation, weil es sonst ihr Hörvermögen verlieren wird. Den Kampf gegen ihre Leukämie verloren hat indessen die 11-jährige Susan. Sie, die sich ganz besonders für die gleichaltrigen und jüngeren Kinder im Heim kümmerte, könnte jetzt noch leben, wenn nicht gestreikt würde, wenn rasch genug Geld geflossen wäre und wenn nicht Überschwemmungen die Straße nach Eldoret, wohin sie gebracht werden sollte, unpassierbar gemacht hätten.

Mehr als 40 Kinder leben derzeit im Kinderheim, 50 Kinder stehen auf der Warteliste. Es sind Kinder, die misshandelt wurden, auf der Straße leben, Waisen sind. „Grace Kiboi will ihr Heim ausbauen, so dass künftig 60 Kinder ein Zuhause finden“, erklärt Marit Wiest. Um das zu verwirklichen, ist der Bau eines weiteren Schlafsaals nötig. Damit könnten dann auch Jungen und Mädchen getrennt unterbracht werden, zudem ältere und jüngere Kinder.

Marit Wiest wird Ende Januar wieder nach Maralal reisen, um zu recherchieren, wie groß dimensioniert die Abwassergruben sein müssen und wie das Projekt Schlafsäle angepackt werden kann. Für das Abwasser rechnet sie mit bis zu 25 000 Euro an Kosten, für die Schlafsäle je Stockwerk mit bis zu 80 000 Euro.

Stephanie Fischer freut sich, dass die Unterstützung für die Arbeit des Arbeitskreises in der Region nach wie vor groß ist. So arbeiten die Frauen in der Kreativgruppe von Heike Göpfert weiter unermüdlich und verkaufen ihre Näharbeiten unter anderem zuletzt beim Basar in Buttenhausen. Es hat eine Kooperation mit der Schillerschule gegeben. Schüler arbeiteten zugunsten des Kinderheims, „eine tolle Sache“. Beim Afrikafest im nächsten Jahr wird der AK Maralal wieder beteiligt sein. Beim Stadtfest verkaufen AK-Mitglieder Getränke am Eine-Welt-Stand. Und doch ist man dringend auf zusätzliche Spendengelder angewiesen.

Info Spenden bitte auf folgendes Konto: IAS Germany Bank: EKK Stuttgart, IBAN: DE48520604100000414786.

Kinder sind derzeit im Kinderheim „Springs of Hope“ im kenianischen Maralal untergebracht. Längst gibt es eine lange Warteliste und die Pläne für eine Erweiterung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Alle Kinder profitieren

Vor mehr als zehn Jahren hat die Stadt Münsingen die Organisation der Schulsozialarbeit an die Bruderhaus-Diakonie übertragen – Wandel in der Einstellung. weiter lesen