Die Sigrid mit dem Traktor

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Büffel Casting, 157,6 x 100,3, Loka 01  Foto: 

JOACHIM LENK

„Casting im ersten Stock“ steht auf einem Blatt Papier, das an der Eingangstüre zur Zehntscheuer in Münsingen klebt. Droben sitzt Linus Herbig-Matten, zweiter Regieassistent bei dem Spielfilm „Die Büffel sind los“, der von Mitte des Monats bis in den Oktober hinein in Münsingen, Mehrstetten, in Hohenstein und im Lautertal gedreht wird (wir berichteten).

„Das ist ja nur ein Katzensprung von uns entfernt, deshalb bewerben wir uns“, sagen zwei Männer, die im Haupt- und Landgestüt Marbach arbeiten. Ihnen geht es „um den Spaß und die Abwechslung“, einmal in einem Film mitzumachen. Und reiten können sie natürlich auch. „Solche Leute suchen wir“, freut sich der zweite Regieassistent, der das Casting leitet und die Gestüter begrüßt. Ihre Namen wollen die beiden Komparsen in spe nicht in der Zeitung lesen. Es soll für ihr Umfeld eine Überraschung sein, wenn sie im kommenden Frühjahr über den Bildschirm huschen. Die Gage ist (noch) nebensächlich. „Erst wenn wir uns um Hauptrollen bemühen und Ausgaben für Autogrammkarten haben, wird nachgefragt“, schmunzeln die beiden Männer.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Casting so schnell über die Bühne geht“, sagt Joachim Duijm aus Münsingen, der sich zum ersten Mal beim Film bewirbt. „Ich bin Rentner und habe Zeit“, begründet der 67-Jährige seinen Schritt. Zuerst muss er, wie alle anderen Bewerber auch, einen Fragebogen ausfüllen. Man wird zum Beispiel nach besonderen Fähigkeiten gefragt. Außerdem will das Produktionsteam von der in Frankfurt a. M. beheimateten U5-Filmproduktionsfirma wissen, welche Schuhgröße man hat, ob man Raucher oder Nichtraucher ist und ob man schon mal in einem Film mitgewirkt hat.

Und ob, schreibt Manfred Kleinfelder aus Metzingen in den Fragebogen und zählt auf: In „Heiter bis tödlich“ in Bad Urach, bei „Soko Stuttgart“ in der Landeshauptstadt und bei „George“ in Münsingen hat er schon mitgespielt. Dieses Mal hat er seine Tochter Natalie mitgebracht, die in Papas Fußstapfen treten möchte. Beide werden, bevor es wieder zurück nach Hause geht, noch fotografiert.

Angne Dambrosio-Busch schaut am Samstagnachmittag ebenfalls vorbei. Sie möchte ihren Sohn Marcel anmelden. Der Schüler hat jedoch Pech. „Kinder und Jugendliche können in diesem Film aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nicht mitmachen“, bedauert Herbig-Matten.

Bei der nächsten Bewerberin kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist Sigrid Wagner aus Gomadingen, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben um eine Komparsenrolle im Film bewirbt. Dass sie mitmachen darf, ist fast schon sicher, verrät Herbig-Matten. Warum? Weil sie zeitlich flexibel ist, vor Büffeln keine Angst hat und früher Laiendarstellerin war. Und das Wichtigste: Sie hat in der Garage drei Traktoren stehen, die sie auch fahren kann. „Genau das brauchen wir“, strahlt Herbig-Matten übers ganze Gesicht. Nicht schlecht stehen auch die Chancen für Corina Kosin aus Münsingen, die ebenfalls schon Erfahrung vor der Kamera gesammelt hat. Sie spielte vor drei Jahren im Alten Lager bei dem Spielfilm „George“, in dem Götz George seinen Vater Heinrich verkörpert, als Flüchtlingsfrau mit. „Das war damals ziemlich interessant und aufregend, so nahe an den Stars zu sein“, erinnert sich die 45-Jährige.

Einigen geht es nicht um den Spaß oder um die große Filmkarriere. „Wir brauchen die Kohle“, sagen sie offen und ehrlich. Naja, reich wird man bei den Filmleuten nicht. Pro Stunde gibt es 8,50 Euro, sagt Herbig-Matten. Essen und Trinken sowie ein Foto mit den Schauspielern gibt es gratis dazu. Wer es zum Kleindarsteller schafft, das ist jemand, der ein paar Worte sprechen muss, bekommt noch die sogenannte Text- und Spielzulage obendrauf. Wer letztendlich mitmachen darf, entscheidet sich bis Ende nächster Woche.

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