Die harsche Kritik ist längst verhallt

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Der Auinger Ortsvorsteher Eckart Ludwig beim Wasserspiel auf dem neuen Dorfplatz in der Ortsmitte des größten Münsinger Ortsteils. Ein Jahr wird die neue Auinger Ortsmitte alt, die Kritiker sind längst verstummt.  Foto: 

Fährt man heute durch Auingen, dann zeigt sich der größte Münsinger Ortsteil von einer überaus schmucken Seite. Die Zeiten, in denen eine 8,30 Meter breite Straße die Ortsmitte durchschnitt, sind vergessen. Zwei Biergärten rahmen den Dorfplatz ein, das Ehrenmal hat eine großzügige Rabatte erhalten, das alte Rathaus ist saniert und zeigt sich mit bunten Blumen auf den Balkonen. Ortsvorsteher Eckart Ludwig ist mit dem zufrieden, was da entstanden ist.

Die Anwohner haben allesamt mitgezogen, und was Ludwig besonders freut, ist die Tatsache, dass die Kritiker, und von denen gab es genügend, nach einem Jahr der neuen Ortsmitte, die offizielle Einweihung war am 17./18. September vergangenen Jahres, verstummt sind. Nicht nur das, viele von ihnen hätten sich zwischenzeitlich ihm gegenüber mit sehr viel Lob geäußert. „Das ist nun etwas das einem Kommunalpolitiker nicht alle Tage widerfährt“, schmunzelt der Ortsvorsteher.

Die Geschichte der neuen Auinger Ortsmitte reicht zurück ins Jahr 2008. Da begann die Planung und man wusste, dass die Realisierung einige Zeit brauchen würde, und so ging man von Anfang an das Projekt  in mehreren Schritten an.  2012 wurde der Abschnitt „Gäßle“ bis 100 Meter vor der Martin Luther Straße in Angriff genommen. Der zweite Abschnitt in 2013 umfasste den Bereich von dort bis zur Tankstelle Buss/Sport Schneiderhan. Im dritten Abschnitt im Jahr 2014 wurde die Kirchgasse bis hin zur Hüle saniert. 2015 folgte der Bereich um das Kriegermal und den Gasthof Ochsen, 2016 schließlich der Dorfplatz. Die Gesamtkosten für die Maßnahme lagen zwischen vier und fünf Millionen Euro, führt Ludwig weiter aus.

Für die Planung wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den das Ingenieurbüro Prechter und Schreiber aus Nürtingen gewann. Doch dieser Entwurf stellte schließlich nur den Rahmen für die Sanierung dar, erinnert sich Ludwig. „Das Stadtbauamt, das Büro Pirker & Pfeiffer, aber auch wir haben vielen Ideen eingebracht“. Nicht unglücklich war Ludwig, als 2011 auch der Investor für ein Wohn- und Geschäftshaus absprang. „Nun hatten wir richtig Platz“. Ein Vorteil war auch, dass das alte Rathaus verkauft werden konnte - der Ortschaftsrat residiert seither im früheren Kindergarten in der Egelsteinstraße. Das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz stand, wurde von MHB-Stumm komplett saniert, hat aber von seinem alten Charakter nichts verloren. Heute sind dort Wohngruppen der Bruderhausdiakonie untergebracht,

Mauer passt ins Gesamtbild

Der neue Dorfplatz hat eine Größe von 22 auf 16 Meter. Dazu kommt noch eine Fläche von 10 auf 15 Meter zum alten Rathaus hin mit einem sieben prozentigen Gefälle. Die ursprünglich schwer gerügte Mauer zur Albstraße hin hat sich bestens in das Gesamtbild eingepasst. Das hätten ihm zwischenzeitlich auch die schärfsten Kritiker bestätigt. Eine neue Dorflinde wurde an der alten Stelle gepflanzt, die neue Bushaltestelle steht praktisch an der alten Stelle und ein Brunnen mit Sitzbänken lädt zum Verweilen ein. Das Gasthaus zum Hirsch hat eine weitere Zufahrt erhalten und zu den alten fünf Parkplätzen kamen viele dazu, 20 sind es jetzt.

Das ursprünglich auf dem Dorfplatz angedachte Wasserspiel habe man schnell wieder verworfen, so Ludwig, es wäre zu aufwendig gewesen. Zum Brunnen kamen drei Findlinge, genauso wie es sich für Auingen gehört - ein Kalkstein, ein Böttinger Marmor und ein Basalt. „Ja, Auingen hat auch einen Basalt-Untergrund“, sagt Ludwig. Das sehe man vor allem beim Brunnen neben dem Kriegerdenkmal. Der Basaltdom habe dort einen Durchmesser von 6,50 Metern und gehe 9,50 Meter in die Tiefe. Der Wasserstand betrage 4,50 Meter. Selten auf der wasserarmen Alb, der Feuerwehr gereicht es zum Vorteil, gilt als eiserne Reserve. Ludwig erinnert sich dabei an den Schulhausbrand Mitte der 70er Jahre, als sich dort vier Wehren mit Wasser versorgten, der Wasserspiegel sei danach gerade mal um einen Meter gesunken.

Von ganz enormer Bedeutung war der Rückbau der 8,30 Meter breiten Straße. Sie ist nun nur noch sechs Meter breit und wird auf der einen Seite von einem 2,50 Meter breiten Geh- und Radweg und auf der anderen Seite von einem 1,50 Meter breiten Gehweg flankiert. Die älteren Auinger werden sich freilich noch an die breite Straße erinnern, rollten dort doch die Panzer in Richtung altes Lager. Letztlich sah die Straße dort so seit Ende der 50er Jahre aus, als bei der Albstraße noch die Schmiede und die Gemeindewaage platziert waren, sagt Ludwig. Schmiede und Gemeindewaage sind  zwar bei der Umgestaltung des Platzes in den Jahren 1992/1973 verschwunden, an der Straße selbst änderte sich aber nichts, denn noch immer rollten die Panzer mitten durch Auingen. Lediglich ein Buswartehäuschen mit einer großzügigen Rabatte  verschönerte die Ortsmitte etwas.

Und auch eine Verkehrsbremse bringt der neuen Ortsmitte nur Vorteile. Tempo 30 gilt seit einiger Zeit vom Bubensteig bis hin zum ehemaligen Gasthaus Lamm.

Die Arbeit sei getan, sagt Ludwig und blickt dann auch gleich auf die in 2019 anstehenden Kommunalwahlen. „Da ist dann für mich Schluss“, sagt der Ortsvorsteher, der diesen Posten in Auingen seit 2002 bekleidet. Und auch für den Gemeinderat werde er nicht mehr kandidieren. „Jetzt sollen mal die Jüngeren ran“, betont Ludwig ernsthaft. Ludwig war noch für die selbstständige Gemeinde Auingen 1968 erstmals in den Gemeinderat eingezogen. Nach der Eingemeindung 1971 hatte er bis 1975 Sitz und Stimme im neuen Münsinger Gremium. Seit 1975 ist er im Auinger Ortschaftsrat ununterbrochen dabei, seit 2002 dann als Ortsvorsteher. In den Münsinger Gemeinderat rückte er ab 2002 ebenfalls wieder ein.

Sein letzter kommunalpolitischer  Akt ist  2019. „Dann werde ich nochmal die Wahl organisieren“.

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