Die fabelhafte Welt der leichten Komödie

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Der Theaterpädagoge Eberhard Schillinger hat mit seinem Angebot für ein Sommerprojekt mit Straßentheater bei zahlreichen kreativen Menschen die Neugier geweckt und bereits im Vorfeld die Jury des Innovationsfonds Kunst Baden-Württemberg von der Einzigartigkeit seines Vorhabens überzeugt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat insgesamt 1,9 Millionen Euro bereitgestellt, um 62 unterschiedliche Projekte aus den Förderlinien Innovative Projekte, Kulturelle Bildung, Interkultur und Ländlicher Raum zu unterstützen.

Schillinger nahm an der Ausschreibung teil und kann nun mit der finanziellen Förderung notwendige Materialien bezahlen oder auch Musiker, Figurenspieler und darstellende Künstler zur Unterstützung der Laienspieler engagieren. Das Projekt basiert auf der italienischen Volkstheaterform „Commedia dell’arte“, einem Gemisch aus Jahrmarktsklamauk, Volkspossen, Artistik sowie Pantomime und hat zum Ziel, an verschiedenen Spielorten ein breites Publikum anzusprechen und zu unterhalten. Doch bis es so weit ist, gibt es für die bisher 15 Akteure noch viel zu tun. Das Stück ist noch gar nicht geschrieben, lediglich das Thema „Glück“ steht bereits fest. Wenn sich Schillinger an die Inszenierung macht, kann er die Darsteller bereits den einzelnen Rollen zuordnen, vor allem aber soll die Handlung actionreich sein, Spaß machen und in die Tiefe gehen.

Dazu sollen die Schauspieler nicht nur Texte lernen, sondern auch mit ihren Requisiten improvisieren können, die sie selber anfertigen. Denn „Commedia dell’arte“ ist nicht nur Theater, sondern auch handwerkliche Kunst. Dass sie darin äußerst geschickt sind, stellten die Akteure am vergangenen Wochenende unter Beweis. Für sie galt es, unter Anleitung der Stuttgarter Figurenspielerin Therese Gottschalk einen großen Vogel und Masken herzustellen, die allesamt im August zum Einsatz kommen. Viele Teilnehmer haben kreative Erfahrungen, sind dagegen in der Schauspielerei noch komplette Neulinge. Allesamt jedoch fühlen sie sich vom Projekt angesprochen, insbesondere, weil es ihnen für zwei Wochen im Sommer eine völlig fremde Art zu leben bietet. „Wir wollen zunächst zwei Tage lang mit einem Pferdewagen von St. Johann durch das Lautertal unterwegs sein und dann in Anhausen mit Zirkuswagen und Jurte unser Lager aufbauen. Von dort aus werden wir unterschiedliche Dörfer besuchen und auf transportabler Bühne Theater spielen“, erklärte Schillinger. Dieses Prinzip des fahrenden Volkes hat neugierig gemacht. Für die Mehrstetterin Martina Strauß hat dieses Zigeunerleben einen faszinierenden Reiz: „Über Land zu ziehen und den Kopf frei bekommen – das hat was“, meinte sie. Marlies Niessen aus Tübingen arbeitet im Alltag in einer psychiatrischen Klinik als Tanztherapeutin und ist gespannt auf ihre „Ferien vom Ich“, während der sie durchs Land fährt und Theater spielt. Mit dabei sind auch sechs Kinder und Jugendliche, so wie die zwölfjährige Maya aus Tübingen. Gemeinsam mit ihrer Mutter, Freundinnen und Geschwistern freut sie sich schon auf das Jahrmarktleben, auch wenn sie es sich noch nicht richtig vorstellen kann. Ihre selbstgemachten Masken wollen sie als Drolle, Gnome und Strolche auf der Bühne zeigen.

Alle Aufführungen sollen eine Art fröhliches und übermütig verspieltes Spektakel sein, die Charaktere bieten dabei alles auf, was sich die spielerische Fantasie vorstellen kann und die Masken stellen dabei nicht das Symbol selbst, sondern vielmehr ein Instrument der Symbolisierung dar. So punktet dieses Straßentheater unter freiem Himmel vor allem durch seine nonverbale Ausdrucksform, die von jedem verstanden wird.

Anfang August machen sich die Akteure gemeinsam auf den Weg, doch zuerst muss an zahlreichen Wochenende noch gebastelt, gewerkelt und das Theaterspiel selbst geprobt werden.

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