Der Hundekaugummi vom Schaf

Speziell und äußerst wissbegierig: die „Bunttierherde“, die sich am Donnerstag beim Ferienprogramm dem Schäferehepaar Annette und Torsten Sellenthin zum „Ein Tag mit dem Schäfer“ anschloss.

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Das Klauenschneiden sorgt bei den Kindern für Spannung.  Foto: 
„Mähh, mähh, mähh“ blöken die 21 Kinder, welche Schäfer Sellenthin beim Ferienprogramm gerne als seine „Bunttierherde“ bezeichnet, als rund 300 Schafe und Ziegen mit Unterstützung von Hütehund Alwin zusammengetrieben werden. Es ist was los rund um das Gewann „Bauenofen-Häulesrain“, was im Volksmund gerne auch als „Miste“ bezeichnet wird. Eher gelangweilt blicken die Tiere den Kindern entgegen.

Seit drei Jahren schon bietet das Bernlocher Schäferehepaar das Ferienprogramm „Ein Tag mit dem Schäfer“ an. Nicht ohne Grund. „Wir wollen den Kindern die Natur, ihre Heimat, den Zusammenhang zwischen Schaf und Landschaftspflege und auch das Produkt Schaf näher bringen. Ein wertvolles Produkt, das, bis es auf dem Teller gelandet ist, großen Respekt verdient“, betont der Bernlocher Schäfer. Auch wenn das Schäferehepaar nicht im traditionellen Schäferhemd auf die Schafsweide geht, spürt man schnell, dass beide ihren Beruf als Berufung verstehen und diesen mit einer ordentlichen Leidenschaft ausleben. „Bei der Hitze müssen wir aufpassen, dass die Tiere nicht zu lange zu eng auf einem Haufen stehen. Das würde sie zu sehr stressen“, erklärt Torsten Sellenthin, bevor seine Frau Annette die beiden Hütehunde Alwin und Ayla wieder zurückruft, damit die wolligen Tiere ihren Weg in der Koppel gehen können.

Faszinierend wie die Hunde arbeiten und parieren. Während die Schafe und Ziegen wieder ihre schattigen Lieblingsplätze aufsuchen, lassen die beiden Altdeutschen Hütehunde mit einer Eselsgeduld ungewohnte Streicheleinheiten über sich ergehen. „Woher kommen die tiefen Löcher überall?“, will der Schäfer von den Kindern wissen. „Da hat man früher Sand geholt“, schießt es bei vielen der Kids wie aus der Pistole. Kein Wunder, ein Großteil der Jungen und Mädchen laufen als Wiederholungstäter beim Ferienprogramm mit und wissen deshalb schon bestens darüber Bescheid, dass bis in die 60er Jahre hinein nicht selten mit Kinderhand der Sand auf dem Gewann abgeschaufelt wurde.

Sand, der beim Bau und auf dem Tanzparkett Verwendung fand. Später dann wären die Löcher oft mit Müll und Schrott befüllt worden, weshalb das Gebiet manchmal noch als Miste bezeichnet wird. Von der Miste ist heute, nachdem die Landschaft zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, nichts mehr zu sehen. Anstelle von Schrott und Unrat finden sich Edelweiß und duftende Albkräuter. Letztere verspeisen die Tiere mit Hochgenuss, was sie letztendlich zum hochwertigen Demeter-Produkt heranwachsen lässt.

Ein Produkt das sich später unter anderem auf den Tellern der Gaststätte Rose in Ehestetten findet. „Nicht nur die Filetstückle werden verwertet, sondern das ganze Tier“, betont Sellenthin, der darauf hinweist, dass auch andere Teile des geschlachteten Tieres schmackhaft sind. „Kannst Du mal ein Schaf ganz nackig machen?“, fragt da der kleine Leon. Zum nackig machen, sprich zum Schären ist grad jedoch nicht die richtige Zeit, dafür aber zum Klauenschneiden.

Gekonnt holt der Schäfer ein Tier aus der Herde, setzt es auf den Hintern und beginnt mit der Klauenpflege, die mehrmals im Jahr bei jedem Tier durchgeführt werden muss. Während das Schaf die Pflege scheinbar völlig entspannt genießt, stellt sich die alte Ziege deutlich zickiger bei der Klauenpflege an. Schäferin Annette kontrolliert währenddessen noch ihre Zähne.

Auch die Hunde lieben es wenn Herrchen und Frauchen die Klauen der Herde pflegt. Warum? „Wegen dem Hundekaugummi. Hunde lieben nämlich die abgeschnittenen Hornschichten und nagen darauf gerne rum“, erklärt Sellenthin. Für die Kids eine ziemlich spannende Sache. So spannend, dass sich die achtjährige Sonja sogar vorstellen kann, später einmal selbst Schäferin zu werden.

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