Der beste Spielplatz

Fast wäre der Apfelbaum vor Jahren der Motorsäge zum Opfer gefallen. Daran denkt heute keiner mehr. Sylvana Hägele aus Hundersingen hat ihm ein Denkmal gesetzt - mit ihrem preisgekrönten Naturtagebuch.

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  • 20 Jahre Naturtagebuch-Wettbewerb: Auch Minister Alexander Bonde (M.) ist von den Einsendungen begeistert. Foto: BUND 1/2
    20 Jahre Naturtagebuch-Wettbewerb: Auch Minister Alexander Bonde (M.) ist von den Einsendungen begeistert. Foto: BUND
  • Sylvana Hägele hat die Jury mit ihren Naturbeobachtungen beeindruckt. Foto: Gudrun Grossmann 2/2
    Sylvana Hägele hat die Jury mit ihren Naturbeobachtungen beeindruckt. Foto: Gudrun Grossmann
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Oma Sofie hat ihn gepflanzt. Nur einen Steinwurf von der Lauter entfernt. Ein Baum wie viele andere im Lautertal. Für Familie Hägele ist er einmalig - seit sich Tochter Sylvana eingehend mit ihm beschäftigt. Sie hat die Rinde und Äste untersucht, kleinste Veränderungen notiert, sie hat beobachtet, fotografiert, gezeichnet und sich Geschichten ausgedacht. Ihr Naturtagebuch, ursprünglich eine Aufgabe in der 6. Klasse der Gustav-Mesmer-Realschule in Münsingen, hat ihren Forschergeist geweckt, sie angespornt, das eigentlich Vertraute mit anderen Augen zu sehen. Ihr Beispiel zeigt, dass der Wissensdurst direkt vor der Haustür gestillt werden kann, es sehr viel Spaß macht, zu experimentieren. "Mein Apfelbaum ist der beste Spielplatz den es gibt", schreibt die Schülerin. Er steht aber auch an einer besonders schönen Stelle. Im Hintergrund grüßt die Burgruine Hundersingen, eine Hecke mit einem kleinen Holztor grenzt zur Lauter ab, auf der nahen Wiese tummeln sich Pferde.

Erika Hägele erzählt, dass die ganze Familie einen Bezug zu diesem Grundstück und dem zirka 60 Jahre alten Baum hat. Ihr Mann ist für die Obsternte zuständig, ihr Bruder schneidet die Äste. Sie mäht das Gras. "Die Bienen von meinem Opa fühlen sich im Baum auch sehr wohl", ergänzt ihre Tochter. Ihr jüngerer Bruder klettert in den Ästen, die Schwester spannt ihre Slackline und balanciert. Die Frau, die das elterliche Haus nebenan gemietet hat, sitzt gerne im Schatten und liest unterm Baum ein Buch. Und dann sind da noch die Haustiere. Die Katze der Nachbarn, die Hasen Brauni und Graui, deren Gehege im Sommer auf der Wiese ein Plätzchen findet. Sie stellt sich vor, dass im Laub ein Igel überwintert, der Boden voll mit Kriech- und Krabbeltieren ist. Mal sieht er gespenstisch kahl aus, mal ist der Baum im Blütenrausch. Für die Zwölfjährige ein Anreiz, ein Märchen zu erfinden und sich einen Reim zu machen: "Hinter eines Baumes Rinde, saß die Made mit dem Kinde. Ihr Kinde mochte Äpfel sehr, drum ging die Made und holte mehr. Und als sie hatten nun die Frucht, so ergriff sie schnell die Flucht. Denn ein Specht, den sah sie fliegen, dem wollte sie nicht gleich erliegen." Sie bastelt eine Apfeluhr und ergänzt ihre Sammlung mit einem Kuchenrezept, sie trocknet Blätter und sammelt passende Zitate.

Bei der Preisverleihung vor wenigen Tagen im Weißen Saal des Neuen Schlosses stellten Minister Alexander Bonde und BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender gerade solche Eigeninitiativen heraus. Die Tagebücher fördern die Kreativität und beflügeln die Phantasie. Kinder lernen spielerisch, wie wichtig der Schutz der Umwelt ist. Ist ihre Neugier erst einmal geweckt, werden sie viele weitere verblüffende Entdeckungen machen und sich für die Wunder der Natur begeistern.

Sylvana Hägele hat einen Forscherrucksack mit vielen Utensilien und einen Korallenbeerstrauch erhalten. Sie wird ihn neben ihren Apfelbaum pflanzen. Damit die Geschichte weitergeht.

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