Dem Pferd folgt das Schaf

Mehr als eine Milliarde Menschen feiern heute den Beginn einer neuen Zeit. Auch für Limei Holder aus Münsingen ist es ein besonderer Tag. Sie ist eng mit ihrer Familie in China verbunden.

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Für ein Fünftel der Weltbevölkerung ist heute ein besonderer Tag. Ob in China oder Korea, in Taiwan oder Vietnam – überall geht ein unruhiges Jahr zu Ende, beginnt eine Ära, die Sanftmut, Frieden, Liebe verspricht. Das „Jahr des Holz-Pferdes“ ist Vergangenheit, das Jahr der Ziege oder des Schafes hat soeben begonnen. Bis zum 7. Februar 2016 wird es das Leben laut chinesischem Kalender prägen, bis mit dem Feuer-Affen ein neues Element und Tier in den Vordergrund tritt. Limei Holder lebt seit 2002 in Deutschland. Sie ist von der zwei-Millionen-Stadt Wuxi in der Provinz Jiangsu in den Bad Uracher Teilort Hengen gezogen, später mit ihrem Mann Karl und Tochter Carina Luhan in die Münsinger Lichtensteinstraße. „Sehr große Unterschiede“ trennten die beiden Welten, die quirlige Großstadt westlich von Shanghai und das kleine Dorf auf der Alb. Inzwischen fühlt sich Limei Holder in beiden Kulturen wohl. Sie feiert Silvester und das Neujahrsfest, das sich nach dem astronomischen Lunisolarkalender richtet, das also sowohl den Sonnenzyklus als auch die Mondphasen berücksichtigt und gar nicht so einfach zu berechnen ist. Durch eine Kombination mit den zehn Himmelsstämmen wird ein Sechzigjahreszyklus durchlaufen. Neben den zwölf Tierkreiszeichen spielen die Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eine Rolle. Das Schaf oder auch die Ziege sind mit Holz verbunden. In Kombination mit Yin ergibt sich das Jahr 32.

Die Farbe Rot bedeutet Glück, Freude und Reichtum. Bereits zwei Wochen vor dem großen Ereignis werden in China Laternen und Lampen aufgehängt. Das hängt mit „Nian“, dem Raubtier, zusammen. Einer Legende nach fürchtet es alles Rote, Feuer und Krach. Deshalb werden Trommeln geschlagen, Feuerwerkskörper gezündet, rote Papiere zum Leuchten gebracht.

Die Festvorbereitungen beginnen eine Woche zuvor. Zuerst muss dem Küchengott geopfert und das Haus gründlich gereinigt werden. Tofu muss auf den Tisch, Fleisch gekauft werden. Es werden Hühner und Enten geschlachtet. Dattelkuchen soll gedämpft, Reisschnaps bereitgestellt werden und schließlich gilt es Jiaozi herzustellen, kleine mit Kräutern gefüllte Nudelteigtaschen.

Limei Holder unterrichtet Chinesisch an der Münsinger Volkshochschule und trifft sich regelmäßig mit Freundinnen, um Rezepte auszuprobieren. In diesem Jahr wird sie das „ Frühlingsfest“, wie es ebenfalls genannt wird, in einem Lokal feiern. Sehr wichtig sind ihr die familiären Verbindungen. „Am 19. Februar werde ich Verwandte in China anrufen und ihnen ein gutes neues Jahr wünschen“. Üblich sind gegenseitige Besuche, „deshalb ist es jetzt nicht ratsam nach China zu reisen, weil so viele Menschen unterwegs sind“, sagt sie. Der Zusammenhalt wird gepflegt.

Das Neujahr ist ein Anfang. Der aber auch seine Tücken hat. Es ist genau festgelegt, was Glück bringt, zum Beispiel süßes Essen und offene Fenster, und was als unheilvoll gilt. Erst 15 Tage nach dem Ereignis gehen die Menschen mit den Laternen auf die Straßen, um den Geistern den Weg nach Hause zu zeigen. Es kehrt wieder Ruhe ein. Mit dem Schaf oder der Ziege stehen die Chancen sogar gut, dass dies eine Zeit lang so bleibt.

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