Das Schauspiel der Pflanzen

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Botanische Malerei: Naturgetreu und mit feinen Nuancen wird das Kirschen-Motiv zu Papier gebracht.  Foto: 

Ihre Liebe zu den Pflanzen wurde früh geweckt. Als Kind pflückte sie Blumen im Schrebergarten der Großmutter, staunte über die Fülle an Obst und Gemüse. Sie entdeckte die botanischen Namen in einem Lexikon, entschied sich später nach dem Abitur zu einem Biologiestudium, obwohl Kunst auch eine Option gewesen wäre.

Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis sich alles wunderbar zusammenfügte. Eveline Sum-Preibisch entdeckte das botanische Schauspiel neu, konnte es für sich und andere voll zur Entfaltung bringen – als Malerin, die ihr Wissen in Kursen weitergibt.

Am Wochenende 7. und 8. Oktober wird sie im Alten Rathaus (auch Anfänger) unterrichten. Der Gartenfenchel und der Schwalbenschwanz werden unter ihrer Anleitung naturgetreu gezeichnet und mit Aquarellfarben, lasierend Schicht für Schicht aufgetragen, zum  Leuchten gebracht. Es ist intensiv, beruhigend, „fast meditativ“, sagt sie, wenn man sich auf diese Weise mit den Pflanzen beschäftigt. Eine starke Verinnerlichung finde statt. Die Pflanzen brennen sich in das Gedächtnis.

Im Kurs werden die Basistechniken vermittelt. Mehr noch. Es entsteht laut Eveline Sum-Preibisch eine neue Sichtweise, dann, wenn vom Objekt Signale ausgehen und das Wunderwerk der Natur sich in seiner ganzen Einmaligkeit und Schönheit zeigt. Diese Kunst verlangt einen genauen Blick. Die Proportionen gilt es zu beachten, die Feinheiten. Licht und Schatten werden in feinen Nuancen wiedergegeben.

Das ausgewählte Motiv führt zu einer Frau, deren Bilder bis heute eine unglaubliche Anziehungskraft ausüben: Maria Sibylla Merian. Ihr Ruhm hält auch dreihundert Jahre nach ihrem Tod unvermindert an. Das Echte und das Schlichte zeichnet ihre Darstellungen aus, werden höher eingeschätzt „als die kunstvoll stilisierte Note“, wie es Helmut Deckert in seinem Nachwort zum „Neuen Blumenbuch“ beschreibt. Das Leben und das Wirken der  Frankfurter Malerin und Wissenschaftlerin wird im Kurs Thema sein. Und sicherlich fallen auch andere Namen. Zum Beispiel Rory McEwen, ein schottischer Künstler, der nach Meinung von der Eveline Sum-Preibisch der Botanischen Malerei eine Renaissance in der Neuzeit verschafft hat. „Nach dem zweiten Weltkrieg war der Realismus in der Kunst verpönt.“

Ende der Achtziger Jahre änderte sich dies. In England, Amerika und Australien stießen Ausstellungen auf eine positive Resonanz. Fortbildungen wurden angeboten. In Deutschland musste Eveline Sum-Preibisch feststellen, dass sie vergebens nach Lehrern sucht. Sie verspürte großes Interesse, „aber es gab nichts“.

Nachdem sie mehrere Jahre „ein Selbststudium“ betrieben hat, absolvierte sie von 2008 bis 2011 Diplomkurse bei der „Society of Botanical Artists“ in London. Dieses Wissen gibt sie seither in Kursen weiter.

 „Ich habe lange Zeit Ikonen gemalt,“ erzählt sie. Symbolisch tauchen dabei ebenfalls Pflanzen auf, aber es fehlen eben die Details. „Das hat mir gefehlt.“ Hinzu kam eine Sammlung von Pflanzenbestimmungsbüchern, die sie oft und gerne zur Hand genommen hat.

Heute ist sie froh, dass sich diese Tür für sie geöffnet hat. „Die btanische Malerei ist auch eine Tragfläche, um sich dem Wesen der Pflanze zu nähern und somit auch ihrer heilenden Kraft.“

Im Kurs der Volkshochschule werden sechs Plätze angeboten. Beginn ist am Samstag, 7. Oktober, und Sonntag, 8. Oktober, jeweils um 9 Uhr, Ende ist um 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.eveline-sum-preibisch.de oder bei der Vhs Bad Urach-Münsingen unter (07381) 38 44.

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