Das Pfarrhaus-Ensemble halten

Die Evangelische Kirchengemeinde Hundersingen wird mit Buttenhausen-Apfelstetten fusionieren. Für Diskussion sorgte die Zukunft des Pfarrhauses.

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Die Pfarrer Matthias Backhaus (links) und Thomas Lehnhardt stellten bei einer Gemeindeversammlung die Zukunft der Kirchengemeinde Hundersingen vor.  Foto: 

Eine große Wahl bleibt den derzeit 374 Gemeindegliedern aus Hundersingen freilich nicht. Denn klar ist, dass laut Pfarrplan 2018 die bisher zu 50 Prozent besetzte Pfarrstelle komplett gestrichen und die evangelische Kirchengemeinde Hundersingen vom Pfarramt Buttenhausen mitversorgt werden soll. Daran führt kein Weg vorbei. "Schon der frühere Dekan Eduard Seng sagte 1994 mit Blick auf den Pfarrplan: Es wird noch Heulen und Zähneklappern geben. Wie Recht er doch hatte", eröffnete der Hundersinger Pfarrer Matthias Backhaus die Gemeindeversammlung am Freitagabend, die zur Information und Schaffung eines Meinungsbildes dienen sollte.

Hundersingen stand bei der Umsetzung des Pfarrplanes bereits früh im Fokus, wurde zunächst von einer 100-Prozent-Pfarrstelle zur Hälfte reduziert und soll nun ganz gestrichen werden. Backhaus geht in diesem Zuge in Ruhestand, dem künftigen Pfarrer wird jedoch ein Dienstauftrag mit der Versorgung der Protestanten aus Apfelstetten, Buttenhausen, Hundersingen, Bichishausen, Gundelfingen, Bremelau und Dürrenstetten zugrundeliegen. Die Weichen für die Zukunft müssen deshalb jetzt gestellt werden, insbesondere auch im Hinblick darauf, dass die Buttenhausener Pfarrerin Marlies Haist in Kürze ihren Abschied nimmt. Bereits bisher gab es zwischen den beiden Kirchengemeinden im Lautertal in unterschiedlichen Bereichen eine gute Zusammenarbeit, deshalb kann man sich hier eine Kooperation ohne weiteres vorstellen.

Pfarrer Thomas Lehnhardt vom Dekanat Münsingen stellte verschiedene Möglichkeiten vor, der Kirchengemeinderat Hundersingen hatte sich bereits im Vorfeld klar für eine Fusion zu einer Kirchengemeinde mit einem Kirchengemeinderat (je drei Vertreter aus Apfelstetten, Buttenhausen und Hundersingen) sowie zahlreichen Ausschüssen ausgesprochen. "Wir haben uns in einer Steuerungsgruppe intensiv mit dem Thema beschäftigt", erläuterte der Vorsitzende Matthias Meeßen. Man verspreche sich dadurch mehr Flexibilität in der Gottesdienstordnung, weniger Kirchengemeinderatssitzungen und eine vereinfachte Verwaltung. Auch die Pfarrstelle erhalte durch die Fusion eine höhere Attraktivität. Diesem Vorschlag konnte die Gemeindeversammlung ohne Einschränkung folgen. Ungeklärt bleibt jedoch nach wie vor, wo der künftige Pfarrsitz einer fusionierten Kirchengemeinde sein soll.

Für Hundersingen spricht das ansprechende Ensemble mit großem Pfarrhaus, Garten, Remise und angrenzendem Gemeindehaus. Das Pfarrhaus in Buttenhausen allerdings hat eine bessere Bausubstanz und benötigt im Gegensatz zu Hundersingen, das für rund 275 000 Euro aufwendig saniert werden müsste, lediglich einen Renovierungsbedarf mit einer Kostenschätzung von 47 450 Euro. Die Hundersinger wollen ihr unter Denkmalschutz stehendes Pfarrhaus auf jeden Fall erhalten, können die Sanierungskosten jedoch mit der dafür vorgesehenen Rücklage in Höhe von rund 50 000 Euro nicht alleine bestreiten.

Zuschüsse vom Oberkirchenrat und vom Kirchenbezirk gibt es nur bei Ausweisung des Pfarrsitzes. "Man sollte diesbezüglich nichts übers Knie brechen, allerdings muss die Entscheidung über den Pfarrsitz in den nächsten Monaten gefällt werden", riet Pfarrer Lehnhardt. Dann könne die fusionierte Kirchengemeinde den Sitz des Pfarrers lediglich beantragen und brauche diesbezüglich gute Argumente, auch im Hinblick auf die finanzielle Machbarkeit. Backhaus plädierte für Hundersingen: "Der Wohnsitz steht bei der Entscheidung eines Pfarrers für eine Dienststelle vorne an. Hundersingen ist unschlagbar."

Hundersingens Ortsvorsteher Arnd Brändle äußerte Bedenken hinsichtlich der Höhe der Sanierungskosten: "Die fusionierte Kirchengemeinde muss sich darüber Gedanken machen, ob sie sich den Wunsch der Erhaltung dieses Ensembles wirklich leisten kann."

Andere appellierten, nicht nur die finanziellen Aspekte, sondern auch die Attraktivität des 1853 erbauten Pfarrhauses im Blick zu haben. Der Tenor an diesem Abend war eindeutig: "Die Fusion ist der einzig richtige Weg. Sie bietet uns die Chance, dass sich etwas völlig Neues entwickeln kann", meinte Ingrid Schrade.

Die Frage des Pfarrsitzes und wie es mit den beiden Pfarrhäusern weitergeht, bleibt indessen noch ungeklärt und hängt auch von den Gemeindegliedern Buttenhausen-Apfelstetten ab. Sie werden sich am Dienstag, 14. Juni um 20 Uhr im Therapiesaal der Bruderhaus-Diakonie zu einer Gemeindeversammlung treffen. Rolf Stühle, Vorsitzender des Kirchengemeinderats Buttenhausen-Apfelstetten, nannte allerdings bereits ganz klar das Ziel, "bei einer Fusion das Hundersinger Ensemble zu erhalten".

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