Buttenhausen zeigt Herz

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MARIA BLOCHING

Im Ortsgespräch gibt es Begegnung und Austausch, man kommt für ein „gemeinsames Buttenhausen“ zusammen. Inklusion findet in diesem Ort auf ganz simple Weise im Alltag, aber auch durch unterschiedliche Projekte dank der professionellen Arbeit der BruderhausDiakonie und des großen Engagements zahlreicher Ehrenamtlicher statt. „Hier kommen Menschen zusammen, die im ganz normalen Leben dazugehören“, führte Dienststellenleiterin Renate Stemmer aus. Bewusst werde der Standort Buttenhausen gestärkt, wie der Neubau einer Werkstatt derzeit zeige. Darüber hinaus setze man hier auf eine lebendige Beteiligungskultur, man mache sich Gedanken darüber, was Klienten und ihre Angehörige, aber auch Mitarbeiter der BruderhausDiakonie brauchen und setze Ideen mit Unterstützung von öffentlichen Zuschüssen um.

So konnte im vergangenen Jahr ein Wohlfühlgarten mitten im Dorf entstehen, der sowohl von der Öffentlichkeit und vom Tourismus als auch von Menschen mit Behinderungen gleichermaßen genutzt und angenommen wird. Beim erstmals durchgeführten „Weltcafé“ – gefördert vom Diakonischen Werk – wurden Wünsche wie ein Dorfladen oder Mitfahrgelegenheiten geäußert, an die man nun mithilfe von ehrenamtlicher Mitarbeit herangehen wolle. Am Standort Buttenhausen gab es zahlreiche bauliche Veränderungen. Bewohner des Martha-Stäbler-Heims zogen ins umfassend sanierte Haus Liesental um und die Wohngruppe an der Kirchhalde konnte das Haus „Luik“ mit frisch hergerichteten Appartements beziehen. In der Neuffener Straße in Bad Urach ist ein Unterstützungszentrum für acht Menschen entstanden, darüber hinaus soll im Juli in Engstingen mit dem Bau eines weiteren Unterstützungszentrums für 16 Menschen begonnen werden.

„In den letzten zehn Jahren haben wir in unsere Angebote in Buttenhausen rund 25 Millionen Euro investiert. Die Hälfte davon direkt im Ort, die andere Hälfte in die Dezentralisierung“, berichtete Pfarrer Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der BruderhausDiakonie. Allein der Neubau der Werkstatt in Buttenhausen koste rund sechs Millionen Euro: „Das ist eine Ausrichtung in die Zukunft auf mindestens 30 Jahre“. Die BruderhausDiakonie sei zuversichtlich, auch künftige Herausforderungen zu bewältigen. Allerdings gehe nicht alles unmittelbar, was gefordert oder gewünscht sei: „Wir müssen uns bei unseren Investitionen Prioritäten setzen“, so Bauer.

Er lobte die gute Partnerschaft mit Kirchengemeinde und Kommune: „Das ist der wärmende Mantel unserer Aktivitäten“. Global denken, lokal handeln – dies gelte auch für Buttenhausen. Man müsse bestrebt sein, auf soziale Fragen im Gemeinwesen befriedigende Antworten zu finden, ohne dabei Ökologie und Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren. Buttenhausen hätte sich der Flüchtlingsfrage gestellt und Herz gezeigt. In diesem Bereich sei auch die BruderhausDiakonie in hohem Maße herausgefordert gewesen. Weit über 100 Jugendliche – unbegleitete Minderjährige – hätte man in der Einrichtung aufgenommen und man sei bemüht, diesen Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf zu geben, sondern sie auch sozial zu begleiten, sie in Ausbildung und Arbeit zu bringen, ihnen eine Perspektive zu bieten.

Besonders hob Bauer die gute Zusammenarbeit mit der scheidenden Buttenhausener Pfarrerin Marlies Haist hervor, die stets äußerst empathisch den Kontakt zur Einrichtung und zu den dort lebenden Menschen gesucht hätte. Als Seelsorgerin sei sie stets präsent gewesen: „Schade, dass Sie gehen“. Bauer dankte der Stadt Münsingen für ihren Einsatz in Bezug auf Inklusion: „Die Kommune ist hier auf dem richtigen Weg“, meinte er. Dies zeigte sich auch anhand der Ausführungen von Ortsvorsteher Rudi Schustereder und Bürgermeister Mike Münzing: „Vor der Wertschöpfung steht die Wertschätzung – sich selber, dem eigenen Umfeld, den natürlichen Ressourcen, den Kunden, Mitarbeitern und Nachbarn gegenüber“, so Münzing. Es ginge darum, miteinander Lebensräume zu entwickeln und UN-Menschenrechtskonventionen konsequent umzusetzen. „Inklusion heißt, selbstbestimmtes Leben so gut es geht zu ermöglichen“. Die Stadt hätte Buttenhausen stets im Blick. Auf ihr Betreiben kommt ein Geldausgabeautomat von der Kreissparkasse in den Ort, man sei bestrebt, Wohnräume zu schaffen und sehe eine Chance, im Zuge der Neustrukturierung der Ortsmitte eine Tempo-30-Zone einzurichten. „Wir müssen das angehen, was wir bewegen können und uns nicht auf Defizite fokussieren, die wir nicht minimieren können“, meinte Münzing.

Pfarrer Salomon Strauß bezeichnete Buttenhausen als „Diakoniedorf“, in dem Kirche, Kommune und diakonische Einrichtung sich gemeinsam an einen Tisch setzen und sich in Bezug auf Inklusion Gedanken machen, wie man insgesamt mit Menschen umgehe. „Alle Menschen gehören dazu. Wir müssen überlegen, was das Beste für diese Menschen sein kann“.

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