Bei Kindern Freude am Lesen wecken

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Die Schüler im Bildungszentrum im Lautertal freuen sich über die neue Schulbibliothek. Bei der Einrichtung hilft ein Scheck der Volksbank Münsingen, den Vorstand Christian Bückle (rechts) an Rudolf Teuffel und Erika Seitz überreichte.  Foto: 

Die neuesten Ergebnisse der Pisa-Studien sehen die Lesekompetenz der deutschen Kinder im Mittelfeld. Für das Bildungszentrum im Lautertal sicherlich nicht der vorrangige Grund, um eine neue Bibliothek einzurichten. Vielmehr ist es primär darum gegangen, bei Kindern die Freude am Lesen zu wecken und die Begeisterung für Bücher zu vermitteln – der Rest kommt dann ganz von allein, ist sich Erika Seitz sicher. Die Lehrerin an der Sprachheilschule und Leiterin der Projekte „Drachenstark“ und „Kicken und Lesen“ weiß, dass angesichts der Medienflut der Reiz des Buches immer mehr untergeht.

Kinder versinken im grenzenlosen Angebot von Computerspielen, Internet und Fernsehen. Darunter leidet die Lesekompetenz, die für die Weiterentwicklung eines Kindes, für sein Wissen und Lernen enorm wichtig ist. Erika Seitz hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Schülern einen Ort einzurichten, an dem es Bücher in Hülle und Fülle gibt. Doch die bisherige Schulbücherei sei ein „liebevoll geführtes Antiquariat“ gewesen, das älteste Buch im Sammelsurium hatte 80 Jahre auf dem Rücken. „Wenn man bedenkt, dass die Schule erst ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert hat, kommt es einem vor, als sei die Schule um dieses Buch herum gebaut worden“, lacht sie.

Die Bücherregale waren in einem fensterlosen Zimmer untergebracht und vollgestopft mit alten Schinken, von denen nur noch fünf Prozent den heutigen Ansprüchen und vor allem der neuesten Rechtschreibung entsprechen. Ein dreiviertel Jahr lang hat Erika Seitz alle Bücher gesichtet und viele aussortiert, neue Bücher gekauft und katalogisiert. Die alten Bücher wurden zu Kunst verarbeitet und sollen zugunsten der neuen Bibliothek verkauft werden, manche wurden entsorgt. „Bevor ein neues Buch im Regal steht, wird es rund zehnmal in die Hand genommen“.

Bei der Auswahl des neuen Lesestoffs wurde darauf geachtet, dass es unterschiedliche Lesestufen anspricht und auch die Antolin-Lizenz besitzt. „Hat ein Kind ein bestimmtes Buch gelesen, kann es sich im Internet bei Antolin anmelden und Fragen zum Inhalt beantworten. Dadurch kann das Leseverständnis überprüft werden“, erklärt Erika Seitz. Rund 3500 Euro kosten die neuen Bücher, ganze Serien wie „Die drei Fragezeichen“, „Das magische Baumhaus“ oder „Der kleine Drache Kokosnuss“, spannende Geschichten für Leseanfänger und Fortgeschrittene und natürlich jede Menge Sachbücher sind bereits angeschafft worden. „Wir wollen, dass die Kinder hier stöbern ohne sich in der Fülle zu verlieren“. Und immer noch gibt es genügend freien Platz in den Regalen, der ausgefüllt werden will.

Eine Spende der Volksbank Münsingen in Höhe von 550 Euro hilft dabei, neue Bücher zu besorgen, außerdem braucht die Bibliothek, die nun in einem lichtdurchfluteten Zimmer in der alten Hausmeisterwohnung untergebracht ist, noch Gardinen und Sessel. Allein 1500 Euro kamen vom Projekt „Kicken und Lesen“, das an zwölf baden-württembergischen Schulen – unter anderem im Bildungszentrum im Lautertal - durchgeführt wurde. Insbesondere Jungs können dadurch über den Fußball zum Lesen gebracht werden.

Doch Leseförderung ist in allen Lebenslagen möglich. Wichtig ist jedoch, dass ein umfangreiches Angebot geschaffen wird. Acht Klassen des Bildungszentrums haben Zugang zur Bücherei, anfangs werden die Schüler begleitet, langfristig sollen sie sie aber selbständig verwalten. „Lesen ist eine Basiskompetenz. Wer nicht gut Lesen kann, findet sich in der Welt schlecht zurecht“, ist Erika Seitz überzeugt.

Mit verschiedenen Aktionen wie Vorlesetag oder Schul-Adventskalender will sie gemeinsam mit ihrem Kollegium Lust aufs Lesen machen.  Denn Lesen ermöglicht eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft und eine eigenständige Recherche, es fördert Selbständigkeit und Unabhängigkeit, vergrößert den Wortschatz und befähigt zu einem ausgewogenerem Ausdruck, zur kritischen Auseinandersetzung mit Sachverhalten und Meinungen, Lesen erweitert den Horizont und vermittelt neues Wissen.

Außerdem ist erwiesen, dass sowohl Kreativität wie auch Fantasie durch Geschichten gefördert werden. Sie lassen der Vorstellungskraft genügend Raum, um eigene Gedanken weiterzuspinnen, sich bildliche Vorstellungen von Personen und Schauplätzen zu machen und Fragen zu stellen, deren Antworten Kindern die Welt besser erschließen. Bücher sollen durchgeblättert, gelesen und benutzt werden, sie sind aber auch wie Schätze pfleglich zu behandeln. Damit dies gelingen kann, hat sich jedes Kind eine eigene Stoffbüchertasche gestaltet, die in jedem Schulranzen einen Platz findet.

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