Aus Burkina Faso zur Donau

Während seines Pädagogik-Studiums in Frankreich traf Emanuel Sawadogo aus Burkina Faso im Jahr 2001 Thomas Marthaler aus Riedlingen. Eine für ihn wahrlich schicksalshafte Begegnung.

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Pfarrer Dr. Emanuel Sawadogo aus Burkina Faso ist derzeit als Urlaubsvertretung in Riedlingen im Einsatz - auch für sein Heimatland.  Foto: 

14 Jahre später übernimmt der Afrikaner für einen Monat bis zum 12. September die Urlaubsvertretung in der Seelsorgeeinheit Riedlingen. Pfarrer Walter Stegmann hat ihn dazu eingeladen und sich bei seinem Bischof für den Aufenthalt stark gemacht. „Ohne seine persönliche Unterstützung wäre ich nicht hier“, sagt Sawadogo.

1994 zum Priester in seinem Heimatland geweiht, entsandte ihn Bischof Thomas Kabori im Jahr 2000 nach Frankreich, um dort Erziehungswissenschaft zu studieren, hatte er doch – nach einem Bildungsvertrag zwischen Staat und Kirche – die Bildungsarbeit zum Schwerpunkt in seiner Diözese Kaya gemacht. Bei einem internationalen Seminar in Dresden lernte der Afrikaner Thomas Marthaler kennen und der legte ihm das deutsche Bildungswesen ans Herz.

Nach Abschluss seines Studiums in Frankreich, dem er noch den Master in Soziologie und Theologie anfügte, folgte er 2005 der Empfehlung, unterstützt durch ein Stipendium seines Bischofs. Im Kloster Benediktbeuren der Salesianer Don Bosco kam er unter. Auch aus finanziellen Gründen übernahm er 2006 begleitend zu seinen Studien und seiner Dissertation die Pfarrgemeinde Jettingen-Scheppach, ein weiterer Glücksfall für seine Heimat, wie er bald feststellen durfte. Die Zeit in Deutschland nutzte er zu vielen Hospitationen in Kindergärten, Grundschulen und Gymnasien, um zu sehen, wie das deutsche Schulsystem funktioniert und sich davon inspirieren zu lassen.

Nachdem er in Straßburg zum Dr. phil. promoviert hatte und zwar mit „summa cum laude“ flog er im Dezember 2010 zurück in seine Heimat. Die Rückkehr nach Burkina Faso sei nie eine Frage für ihn gewesen, betont er, schließlich seien großes Vertrauen und Hoffnungen in ihn gesetzt worden.

Bevor er sich jedoch ins Flugzeug setzte, gestaltete er zusammen mit dem Riedlinger Pfarrer Walter Stegmann einen Gottesdienst auf dem Bussen und hielt dabei die Predigt und durfte seine künftige Aufgabe als Diözesanschulleiter vorstellen. Sein Deutsch ist exzellent. Die Besuche in der Donaustadt waren damals privater Natur, hatten doch die Familien Hubert Marthaler und Eugen Reck den Afrikaner die ganzen Jahre unterstützt, auch damals, als nach einer schweren Malaria-Erkrankung ihm eine hohe Krankenhaus-Rechnung ins Haus flatterte.

Die katholische Kirchengemeinde Riedlingen hat sich der Arbeit des heute 50-Jährigen angenommen und zum Beispiel die für ihn immens wichtigen Lehrerfortbildungen finanziert. Die Sternsinger brachten sich bei der Einrichtung von Schulkantinen ein. Seit 2010 sind insgesamt 24 000 Euro aus Riedlingen in die Diözese Kaya geflossen. Als Diözesanschulleiter unterstehen Pfarrer Sawadogo 30 Schulen. Neben 16 Grund- und acht weiterführenden Schulen gehören auch sechs Kindergärten dazu.

Rund 7000 Kinder und Jugendliche werden darin von 200 Lehrern unterrichtet, deren Gehalt vom Staat bezahlt wird. Stolz berichtet er, dass die katholischen Schulen in seiner Region die besten Ergebnisse erzielt haben und auch landesweit mit an der Spitze sind. Nach der mittleren Reife stehen den jungen Menschen in Burkina Faso nach staatlichen Prüfungen zum Beispiel die Berufe eines Lehrers oder einer Lehrerin und einer Krankenschwester oder eines Pflegers offen. Die Chancen eine Stelle zu bekommen, seien mit diesen Voraussetzungen groß, sagt er. Doch: Noch immer sind 80 Prozent der 17 Millionen Einwohner Burkina Fasos Analphabeten.

15 Euro Schulgeld muss für jedes Kind pro Jahr bezahlt werden, zudem fallen Kosten für Schulmaterial an und gegessen haben die Kinder dann auch noch nichts, betont er. Um die Ärmsten der Armen zu unterstützen, wurde in der früheren Pfarrgemeinde Jettingen ein Förderverein gegründet, der Patenschaften für 20 Euro pro Monat vermittelt und Kontakt zu den Kindern hält, sogar bei selbst finanzierten Reisen. 100 Kinder profitieren bislang davon. Auch in Riedlingen soll dafür geworben werden.

Die Begegnungen in und die Hilfe aus Riedlingen wertet Dr. Emanuel Sawadogo als „Geschenk Gottes“, weiß er doch: „Ich bin total auf die Hilfe aus Deutschland angewiesen.“

Info Pfarrer Dr. Emanuel Sawadogo informiert am Sonntag, 6. September, 14.30 Uhr, im einstigen Hospital zum Heiligen Geist am Wochenmarkt über seine Arbeit. Der Treffpunkt Weltkirche der Katholischen Kirchengemeinde Riedlingen bittet unter dem Stichwort „Sawadogo“ um Spenden an die IBAN: DE23654500700000460451.

Informationen zu den Patenschaften gibt es unter www.kaya-emanuel.de.

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