Auch Münsingen im Paradies

Lange Diskussion, knappe Entscheidung: Münsingen wird Mitglied im Verein "Schwäbisches Streuobstparadies". Ziele sind Erhalt der Streuobstwiesen, Vermarktung der Produkte - und das großräumig.

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Rietheim hat eine alte Streuobsttradition, pflegt die auch. Und liegt künftig mit seinem Obstbaumgürtel im "Schwäbischen Streuobstparadies". Foto: Ulrike Bührer-Zöfel

Das "Schwäbische Streuobstparadies" das sind: 26 000 Hektar Streuobstwiesen, 1,5 Millionen Obstbäume, 130 Mostereien, über 740 Brennereien, 200 Obst- und Gartenbauvereine mit rund 23 000 Mitgliedern und 5000 Tier- und Pflanzenarten, die das Biotop Streuobstland bevölkern. Sechs Landkreise tun sich für das Projekt "größte zusammenhängende Streuobstlandschaft West- und Mitteleuropas" zusammen. Das Land steigt mit ein, schießt 2012 und 2013 jeweils 60 000 Euro zu.

Ziele, Finanzierung , Struktur des Vorhabens stellten Julia Bernecker und Ulrich Schröfel von der Stabstelle nachhaltige Regionalentwicklung am Dienstag dem Gemeinderat vor. Der stellte den Vereinszweck- und -ziele (siehe Kasten) nicht in Frage, machte aber in einer eineinhalbstündigen Diskussion Struktur und Organisation zum Thema. Gegründet werden soll ein Verein, in dem klar festlegt ist, wer Stimmrecht hat. Ebenfalls steht fest, dass Landräte, Bürgermeister sowie Vertreter des Landes die Vorstandschaft bilden, dazu kommen noch weitere Mitglieder aus verschieden Akteursgruppen.

Gunter Wagler (CDU) monierte, das sei so "kein Verein, sondern ein ausgelagertes überregionales Streuobstamt". Adolf Lamparter betonte, dass es nicht angehen könne, dass Vereinsrepräsentanten vorgegeben werden, "das ist undemokratisch". Das Argument, das hier öffentliche Gelder verwaltet würden, lasse er nicht gelten: "Das macht jeder Sportverein auch." Schröfel und Bernecker hatten zuvor betont, es sei wichtig, jemanden mit Einfluss und Kontakten an der Spitze zu haben. Bürgermeister Mike Münzing erklärte, der "Verein ist eine Hilfskonstruktion, um Mittel zu generieren". Überdies habe sich diese Konstruktion ja auch bei Plenum bestens bewährt. Und da "hat man auch gesehen, dass man Akteure nicht niederbügelt", machte Julia Bernecker deutlich. Münzing wies dann darauf hin, dass "die Strukturüberlegungen gelaufen sind", man sich für den Verein entschieden habe.

Für Jochen Schuster (CDU) ist ein Beitritt zum Verein "kommunalpolitisch nicht das richtige Signal, nachdem man für andere Vereine den Zuschuss gestrichen hat." Dr. Gerhard Schnitzer (Liberale Bürger) passte es nicht, dass Münsingen mit 2000 Euro denselben Jahresbeitrag zahlen soll wie Nürtingen und Reutlingen: "Da stehen viel mehr Bäume, da fließt viel mehr Fördergeld hin". Auch Gottlob Dangel und Erhard Holzschuh (FWV) wehrten sich gegen den Verein. Holzschuh schlug vor, die 2000 Euro direkt in Streuobstprojekte der Stadt zu investieren. Uneingeschänkt positiv standen Uli Schwenk (FWV) - "die schöne Landschaft pflegen" - und Rietheims Ortsvorsteher Gerd Söll zum Vereinsbeitritt. Die Rietheimer sind mit ihrem Streuobst, der Mosterei erfolgreich: "Je größer der Zusammenschluss, desto größer der Erfolg", fasste Söll seine Erfahrungen zusammen. Er sieht den Verein als "eine große Chance zum Erhalt der Kulturlandschaft".

Mit zwölf Ja- gegen elf Nein-Stimmen votierte das Gremium für den Eintritt ins "Schwäbische Streuobstparadies".

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