"Zieht nach der Schule daheim aus"

Vier ehemalige Münsinger Gymnasiasten stellten jetzt interessierten Schülern der Jahrgangsstufen 1 und 2 ihre Studienfächer vor, berichteten, wie sie ihre Studienentscheidung getroffen hatten.

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Marc Helmer, Susanne Schmidt, Annika Manz und Jasmin Fürst (von links) informierten die angehenden Abiturienten am Münsinger Gymnasium über ihre Erfahrungen mit dem Studium. Foto: Reiner Frenz

Von einer "fruchtbringenden Veranstaltung" sprach Studiendirektor Friedwart Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit meinte er den Besuch der ehemaligen Gymnasiasten Jasmin Fürst, Marc Helmer, Annika Manz und Susanne Schmidt. Das Quartett hatte im vergangenen Jahr am Münsinger Gymnasium das Abitur bestanden. Schmid hatte zwei Wochen zuvor Kontakt gehabt mit Jasmin Fürst und Annika Manz, die spontan zusagten, dass sie ihre ehemaligen Mitschüler über ihre Erfahrungen im Studium informieren würden. Susanne Schmidt und Marc Helmer wurden noch ins Boot genommen.

Helmer war es, der bei der sehr gut besuchten schulinternen Infoveranstaltung den Auftakt bestritt. Er studiert in Aachen Wirtschaftsingenieur, ein Studienfach, das zwischen dem klassischen Ingenieur und der Betriebswirtschaftslehre angesiedelt ist. Während der BWLer nur aufs Geld schaue, wolle der Ingenieur möglichst viel Geld, um seine Ideen umsetzen zu können. Als Beispiel dafür nannte Helmer das Transrapid-Projekt, das in Deutschland am Bedarf vorbei entwickelt worden sei und für das viel Geld verblasen wurde. Er zählte auf, was im Studium alles gelehrt wird: Neben der Betriebs- ist es noch die Volkswirtschaftslehre und das Privatrecht, auf der Ingenieurseite sinds Mathematik, Physik und Informatik, wobei man sich für eines von verschiedenen Fächern entscheiden wird, also etwa für Maschinenbau oder Elektrotechnik. "Der Wirtschaftsingenieur hat mit allem zu tun was in einem Unternehmen passiert", klärte Helmer auf. Das Spektrum reiche von der Forschung über die Produktion bis zum Management. Der Wirtschaftsingenieur, erfuhren die Gymnasiasten, baue eine Brücke zwischen der Technik und der Wirtschaftswissenschaft. Er sei jemand, der die großen Zusammenhänge erkenne, sei für Führungspositionen prädestiniert. Studieren kann man das Fach an mehreren Unis und Hochschulen. Die Einstellungschancen nannte Helmer "sehr gut", die Einstiegsgehälter seien mit die höchsten überhaupt.

Mit einem "very warm welcome" begrüßte Annika Manz die Schüler. Sie studiert gemeinsam mit Jasmin Fürst International Business an der ESB Business School in Reutlingen, die in diversen Rankings erste Plätze belegt hat. Unterrichtet wird praktisch ausschließlich auf englisch, 35 der 70 Studierenden jeden Semesters kommen aus dem Ausland. Auch wenns "nur" Reutlingen ist. Das Studium sei "richtig cool" berichtete Jasmin Fürst. Man lerne richtig gut Englisch, zudem eine weitere Sprache, in ihrem Fall Spanisch. Das erste Semester haben die beiden jungen Frauen hinter sich, jetzt müsse man sich schon langsam Gedanken machen, wo und bei welcher Firma man sein Praktikumsemester absolviert, wo das Auslandssemester sein wird, ob in China, Südamerika, Mexiko oder in einem anderen Land. Allein 40 Firmenpartner habe die Hochschule auf der ganzen Welt.

Im Studium lerne man die kulturellen Unterschiede kennen und wie man damit umgehen muss, so Fürst, die vom "sehr aktiven" Studentenleben schwärmte. Über die Zukunft müssen sich die International Business-Studenten keine große Sorge machen. Zwei Mal im Jahr finde auf dem Campus eine Messe statt, auf der sich Unternehmen vorstellen, deren Ziel es sei, künftige Studienabgänger zu rekrutieren. Viele würden später in die Unternehmensberatung gehen, manche ins Marketing. "Wir machen eine klassische Managementausbildung", erklärte Jasmin Fürst.

Wer sich für dieses Studienfach interessiere, sollte gute Englischkenntnisse mitbringen, Auslandserfahrungen und außerschulisches Engagement seien hilfreich, fügte Annika Manz an. Entscheidend sei aber nicht der Notenschnitt, sondern der Gesamtauftritt, schließlich finde auch ein Bewerbungsgespräch statt. Für Manz und Fürst hatte nach dem Abitur festgestanden, dass sie etwas in Richtung Sprachen studieren wollten. Beim Studieninfotag hatten sie vom Fach erfahren und beide gedacht, das sei wohl das Richtige.

Susanne Schmidt hatte lange Zeit mit dem Gedanken geliebäugelt, Lehrerin zu werden. Doch bei der Berufsorientierung hatte sie die Babystation am Bad Uracher Krankenhaus gewählt und Gefallen an der Arbeit dort gefunden, nach weiteren Praktika - "die sind sehr wichtig" - stand für sie fest, dass es ein Medizinstudium sein sollte. Gelandet ist sie in Jena, hat ihr erstes Semester hinter sich gebracht. 1,5 sollte der Abischnitt schon sein, wenn man einen Studienplatz ergattern will, weiß Susanne Schmidt. In den ersten vier Semestern würden die naturwissenschaftlichen Grundlagen vermittelt.

Am Ende schreibt man das Physikum. Danach steht die klinische Ausbildung an, man durchläuft in der Klinik alle Abteilungen also beispielsweise Radiologie oder Chirurgie. Nach dem praktischen Jahr gilt es das Staatsexamen zu bestehen. Jetzt kann man als Arzt arbeiten, die meisten Studenten würden nun aber noch fünf Jahre lang zum Facharzt ausgebildet, viele promovieren zudem noch.

Wer Arzt werden will, sollte ein kommunikativer Mensch sein, sagte Schmidt. Die Berufsaussichten bezeichnete sie als sehr gut. In Jena würden jedes Semester 300 Studenten mit dem Medizinstudium beginnen. Manche ihrer Kommilitonen hätten aber schon nach einem Tag umgesattelt, weil man im Präparierkurs sofort an Leichen schnippeln musste. Für Susanne Schmidt hat sich das Leben total geändert: "Ich bin umgezogen in eine neue Stadt, habe neue Freunde gefunden, bin jetzt unabhängig". Auch Jasmin Fürst empfahl den Schülern: "Zieht nach der Schule daheim aus".

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