"Wir müssen etwas gegen die Überproduktion tun"

Der Milchpreis ist tief gefallen und europäische Landwirte sind erbost. Milchbauern von der Alb waren an den Protesten in München beteiligt und wollen auch in Brüssel demonstrieren.

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Demonstration des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter in München: Unter den 3000 Teilnehmern waren auch Landwirte von der Alb.  Foto: 

Die Stimmung ist mehr als schlecht: Seit Monaten müssen die Milchbauern in der Europäischen Union fallende Milchpreise hinnehmen. Ende des Jahres 2013 wurden rund 43 Cent pro Liter ausbezahlt, derzeit sind es in Baden-Württemberg durchschnittlich 28 Cent. Die Produktionskosten liegen aber bei rund 50 Cent, wird die Mitarbeit von Familienmitgliedern herausgerechnet, lassen sich die Ausgaben noch einmal um ein paar Cent drücken. Doch dann ist Schluss. Und das bedeutet, dass die Existenz vieler Milchbauern bedroht ist. Grund genug für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) seine Mitglieder zur Teilnahme an der Sternfahrt zur Protestdemonstration in München aufzufordern. Dort haben am Dienstag rund 3000 erboste Landwirte am Odeonsplatz und vor der bayerischen Staatskanzlei ihrem Unmut Luft gemacht.

Unter den Demonstranten waren auch Andreas Heideker, Julian König und Ronja Siefert aus Münsingen. Schuld an der Talfahrt ist die gestiegene Milchproduktion, sagen Heideker und Frank Siefert, die beide dem Kreisvorstand des BDM angehören, im Gespräch mit unserer Zeitung über die aktuelle Situation. Vor dem Hintergrund des Wegfalls der Milchquote im April dieses Jahres haben viele Milchbauern in den vorangegangenen beiden Jahren ihre Ställe ausgebaut, um die Kapazitäten zu erhöhen. "Die Vollauslastung der Ställe zieht sich noch bis Mitte nächsten Jahres hin, solange wird die Milchmenge weiter steigen", befürchtet Siefert.

Hier kritisieren die BDM-Vertreter den Deutschen Bauernverband. Dieser habe permanent dazu aufgefordert, größere Einheiten zu schaffen und dies mit der Aufnahmefähigkeit des Marktes begründet. Trotz der vorhandenen Warnsignale sei noch im März verkündet worden, dass gar nicht so viel Milch produziert werden könne, wie verbraucht werde. Erst vor rund zwei Wochen sei der Bauernverband umgeschwenkt. Die Kritik richtet sich genauso gegen Bundesagrarminister Christian Schmidt. Ihm werfen die BDM-Vertreter vor, eine europäische Mengenregulierung zu blockieren. Inzwischen seien beispielsweise Frankreich oder Belgien zu solch einem Schritt bereit. Dahinter steckt das Ziel die vor eineinhalb Jahren eingerichtete EU-Monitoring-Stelle für die Beobachtung des europäischen Milchmarkts mit Sanktionsbefugnissen auszustatten. Dort werden Erzeugung und Verbrauch tagesaktuell erfasst. Geht die Schere auseinander, ist dies ein Alarmsignal. "Die Monitoring-Stelle sollte eingreifen dürfen und zum Beispiel die Bauern dazu verpflichten, nicht mehr als im Schnitt der vorherigen Monate zu produzieren oder aber zwei Prozent weniger", erläutert Siefert. Wer sich nicht daran halte, müsse eine Abgabe zahlen, aus der wiederum die Landwirte unterstützt werden könnten, die ihre Produktion noch weiter reduzieren.

Um dieser Forderung des BDM Nachdruck zu verleihen haben sich Heideker und viele Kollegen zum Protest entschlossen. Damit wollten sie auch ein Zeichen setzen gegen die von politischer Seite vorgebrachte Ansicht, dass von den Bauern nichts zu befürchten sei, da diese "resigniert" hätten.

Letztlich stecken die Milchviehhalter in einer Zwickmühle: Die niedrigen Preise bescheren ihnen Verluste - bundesweit werden diese auf mittlerweile vier Milliarden Euro beziffert - auf der anderen Seite können sie ihren Betrieb aufgrund der Verschuldungslast nicht einfach aufgeben, sondern müssen weiter produzieren. "Die Kapitaldienst für die hohen Investitionen wäre mit dem Verdienst aus einem anderen Beruf niemals leistbar", verdeutlicht Siefert. Nicht zuletzt seien die Höfe oft über Generationen hinweg im Familienbesitz und daher sei die Hofaufgabe auch ideell ein überaus schwerer Schritt.

Info Rund zehn Milchbauern aus dem Umfeld des BDM werden an der Demonstration in Brüssel teilnehmen. Mitfahren können auch Nichtmitglieder. Anmeldungen bei Andreas Heideker, Telefon: 0174/30 57 982, Frank Siefert, Telefon: 0172/635 44 59, Albrecht Koch, Telefon: 0171/97 95 254.

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