"Wichtig ist ein ehrlicher Umgang"

In der Regel halten sich die Eltern an die Grundschulempfehlung, wenn es um die Frage geht, wo ihr Kind zukünftig lernen soll. Auch wenn diese nicht mehr bindend ist und die Eltern daher frei entscheiden können.

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    Kinder sollen nicht über-, aber auch nicht unterfordert werden. Foto: Archiv
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    Uthe Scheckel: "Wir haben ein tolles Bildungssystem." Foto: Gudrun Grossmann
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Welche Schule ist die richtige? Es ist eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Kinder sollen nicht über- und nicht unterfordert werden. Mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung liegt es nun in erster Linie an den Eltern, die Richtung vorzugeben - nach entsprechenden Hinweisen der Lehrer. Denn nach wie vor, so Uthe Scheckel, Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule in Münsingen, wird gemeinsam überlegt, wo das Kind am besten aufgehoben ist.

Es wird ein runder Tisch gebildet, an dem sich alle Lehrer, die sich ein Bild vom jeweiligen Schüler machen konnten, gegenseitig austauschen. "Sie sehen genau, wo ein Kind steht, welche Reserven es hat." Die intensiven Beratungen führen schließlich zu einer Empfehlung, die den Eltern mitgeteilt wird. Ob sie sich daran halten, bleibt ihnen überlassen. Und wird sich erst dann zeigen, wenn die Anmeldungen über der Bühne sind.

Insgesamt 55 Viertklässler standen im Focus. Elf sollen nach Meinung der Lehrer die Haupt-Werkrealschule, also die Münsinger Schillerschule, besuchen, 18 wurde die Realschule, 28 das Gymnasium nahegelegt. In drei Fällen wurde die Beratungslehrkraft Gabriele Lebelt, Engstingen, zugezogen, die mit Hilfe von Tests Stärken und Schwächen herausarbeitet. Im vergangenen Schuljahr wurde dieses Angebot für 13 Kinder in Anspruch genommen. Der momentane Rückgang ist etwas rätselhaft. Uthe Scheckel: "Ich verstehe nicht, warum die Eltern diese Hilfe nicht holen."

Die Schulleiterin begrüßt die Abschaffung der Aufnahmeprüfungen, die bis 2011 viele Kinder in eine Stresssituation gebracht haben. Den Wegfall der Grundschulempfehlung sieht sie nicht als Manko. "Die Gespräche sind vielleicht entspannter geworden", findet sie, "es kommt nicht mehr auf ein Zehntel an." Es werde intensiv beraten und davor gewarnt, ein Kind zu drängen. "Aufstiege sind leichter, Abstiege sind härter." Dazu kommt, dass das Bildungssystem sehr durchlässig ist. Auf jeder Schule eröffnen sich viele Möglichkeiten, die Kinder selbst können sich bei Schnuppertagen einen Eindruck verschaffen und mitreden.

Bewährt haben sich laut Uthe Scheckel die zweijährigen Vorbereitungsklassen, die an ihrer Schule von zwölf Kindern besucht wurden. Sie erhalten eine auf sie zugeschnittene Förderung und können, falls sie Sprachdefizite haben, kräftig aufholen. Für einige dieser Schüler steht nun die Realschule offen, "was sonst nicht der Fall gewesen wäre".

Frühe Narben will niemand. Nicht die Eltern, nicht die Lehrer. Beide Seiten können Fehler machen. Diese zu korrigieren, ist unerlässlich. Wenn Kinder in der Schule leiden, dem Druck nicht gewachsen sind, nicht mehr frei atmen können, kann dies negativ prägend sein. "Wichtig ist es, mit sich und dem Kind ehrlich zu sein," betont die Schulleiterin. "Wir haben ein tolles Bildungssystem." Niemand werden Steine in den Weg gelegt.

Die Hauptschule ist nicht zweitklassig. Ein gutes Beispiel ist die Münsinger Schillerschule. "Die ist gut aufgestellt", findet Uthe Scheckel und verweist auf das durchdachte Konzept mit Mittagstisch, Nachmittagsbetreuung und vielen Angeboten. Ob im Anschluss eine Berufsausbildung folgt oder ein Studium, bleibt jedem Einzelnen überlassen. Entscheidend ist, dass die Schüler später mit ihrer Wahl glücklich sind.

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