"So eine alte Frau holen sie nicht"

Einen Stolperstein aus Münsingen zum Hören sendet SWR2 am Montag, 3. Februar, zwischen 10.30 und 12 Uhr in einem kurzen Beitrag.

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Sie starb im KZ Theresienstadt: Särle Levi mit ihrer Enkelin Ursula. Foto: Privat

An das Schicksal von Särle (Sara) Levi, letzter Wohnsitz Im Glack 1, Münsingen, erinnert SWR2 am kommenden Montag, 3. Februar, zwischen 10.30 und 12 Uhr in der Sendung "SWR2 Treffpunkt Klassik" in einem kurzen Beitrag. Sara, genannt Särle Levi, geborene Steiner, kam am 13. Oktober 1872 als Tochter einer wohlhabenden Familie in Laupheim zur Welt. Sie heiratete den Münsinger Arzt Julius Levi, mit dem sie einen Sohn hatte. Dieser wurde ebenfalls Arzt und emigrierte 1935 in die USA, weil er als Jude in Deutschland nicht mehr praktizieren durfte. Zwei Jahre später starb Särles Mann. Sie folgte ihrem Sohn nicht nach Amerika, da sie glaubte, ihr Alter schütze sie vor Verfolgung. "So eine alte Frau holen sie doch nicht", hatte sie gesagt. Sie wurde am 22. August 1942 deportiert und starb 70-jährig in Theresienstadt.

Die sogenannten "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig nimmt das Kulturradio des SWR zum Anlass, die Lebensgeschichten von NS-Opfern zu erzählen. Wöchentlich laufen bis zu fünf "SWR2 Stolpersteine" als kürzere Radiobeiträge im Programm. Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt, insgesamt werden 700 Stolpersteine in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für Radio und Internet aufbereitet.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt seit 1997 die kleinen kubischen Mahnmale vor den Häusern, in denen die Verfolgten und Ermordeten gelebt haben. Inzwischen gibt es über 42 000 an mehr als 1000 Orten in Europa. Der Künstler macht damit deutlich, dass die Ausgrenzung und Verfolgung mitten im Alltag vor den Augen der Nachbarn stattfand und holt die Opfer aus der Anonymität zurück. SWR2 greift diesen Gedanken auf und macht die Lebensgeschichten hinter den Stolpersteinen im Südwesten hörbar.

700 der Steine mit beschrifteten Messingtafeln, eingelassen in die Gehwege von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, nimmt sich der SWR vor, um die Geburts- und Sterbedaten der Menschen mit Leben zu füllen und ihr Schicksal zu rekonstruieren. Die Beiträge entstehen in den Regionalstudios, gesammelt und zu einem Archiv zusammengestellt werden sie von den Redakteurinnen Else Brault und Angelika Schindler. Als Grundlage dienen Briefauszüge, Tagebucheinträge und Gespräche mit Zeitzeugen.

Im Radioprogramm SWR2 und auf der Internetseite SWR2.de/stolpersteine sind die Beiträge zu hören, Fotos und Dokumente ergänzen die Lebensgeschichten im Netz.

Info Es ist auch eine App verfügbar. Infos dazu auf SWR.de/stolpersteine/stolperstein-app.

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