"Meine Lieblingslandschaft"

Etwa 40 Zuhörer verfolgten am Mittwochabend die Lesung mit Autor Rainer Gross, der offenbarte, dass er durchaus zwiespältige Gefühle gehabt habe, als sein Erstling "Grafeneck" zur Schulpflichtlektüre wurde.

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Nach der Lesung signierte Rainer Gross zur Freude der Zuhörer seine Bücher. Foto: Reiner Frenz

Doch um "Grafeneck" ging es am Mittwochabend in der Zehntscheuer gar nicht, sondern um den jüngsten Krimi, den der gebürtige Reutlinger, der heute in Ahrensburg bei Hamburg lebt, geschrieben hat. "Kettenacker" lautet der Titel des Romans, der im Pendragon-Verlag erschienen ist. Und er ist, wenn man so will, eine Fortsetzung von "Grafeneck".

Armin Groß, Leiter der Münsinger Stadtbücherei, freute sich auch im Namen der Buchhandlung "One", dass man den Gast aus dem hohen Norden begrüßen dürfe. Dieser kenne die Gegend sehr gut und präsentiere diese in seinen Romanen atmosphärisch sehr dicht. Was Gross Krimis kennzeichne, sei die Tatsache, dass es immer auch um die Fragen des Sinns, der Schuld und der Verantwortung gehe.

Rainer Gross machte zu Beginn seiner Lesung deutlich, dass er zwar bei Hamburg lebe, aber "koi Fischkopf" sei. 33 Jahre lang sei er in Reutlingen und auf der Alb unterwegs gewesen. "Über manches kann man erst schreiben, wenn man Distanz hat", so Gross. Und: "Die Alb ist meine Lieblingslandschaft".

Seine Lesung beginnt tatsächlich mit den ersten Seiten seines Buchs "Kettenacker". Hermann Mauser, Hauptfigur in "Grafeneck", ist inzwischen 73 Jahre alt, pensionierter Lehrer und Heimatforscher. Er hat jetzt viel Zeit, erfahren die Zuhörer, holt an einem Herbsttag sein Moped, eine schwere BMW, aus der Garage: "Heute solls nach Kettenacker gehen".

Dort sucht Mauser nach Spuren einer Siedlung aus der Hallstattzeit. Mit Metalldetektor sucht er einen Hang ab, findet aber keine keltischen Schmuckstücke, sondern ein Medaillon aus Silber, stößt auf blanke Knochen, die eines Mädchens, wie sich später herausstellt, das erwürgt und vergewaltigt wurde. Womit Gross mittendrin ist in seiner Geschichte, die wiederum in die Nazizeit zurückführt. Und erneut ist auch Kommissar Stefan Greving mit von der Partie, der sich nach Ehestetten begibt, auf den Sportplatz, dort vier alte Männer trifft, die er mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Gross blättert nochmals in seinem Buch. Wir sind jetzt in Kettenacker, am Martinstag, erfahren, dass es sich bei den Knochen um die Überreste von Mausers"Bäsle" handelt. Dieser spricht mit dem Pfarrer und es entspinnt sich ein Disput über das Böse, über Gott, der eine derart abscheuliche Tat zugelassen hat.

Zögernd setzen nach der Lesung die Fragen der Zuhörer ein. Diese erfahren, dass Gross nächstes Buch "Keltenblut" heißt und kein Krimi ist, Metzingen als Schauplatz hat. Und dass der Autor zunächst nicht so recht wusste, was er davon halten solle, dass "Grafeneck" zur Schulpflichtlektüre an Realschulen wurde. Positiv wertet er, dass auf diese Weise viele junge Leute das Buch gelesen haben, die er sonst sicher nicht erreicht hätte.

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