"Ein gerechter, aufrichtiger Mann"

Noch bis Mittwoch werden im Alten Lager Szenen für das ARD-Doku-Drama "George" gedreht. Götz George spielt seinen Vater Heinrich. Bekannte Schauspieler sowie rund 80 Komparsen sind im Einsatz.

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  • Am Drehort im Alten Lager in Münsingen warten Komparsen auf den Einsatz. Unten: Schauspieler Burghart Klaußner (Zweiter von links) sowie Regisseur Joachim Lang und die Produzenten Nico Hofmann und Jochen Laube (von links). Fotos: Ralf Ott 1/2
    Am Drehort im Alten Lager in Münsingen warten Komparsen auf den Einsatz. Unten: Schauspieler Burghart Klaußner (Zweiter von links) sowie Regisseur Joachim Lang und die Produzenten Nico Hofmann und Jochen Laube (von links). Fotos: Ralf Ott
  • Szenenfoto: Der Schauspieler Heinrich George wurde im Juni 1945 vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Foto: ARD 2/2
    Szenenfoto: Der Schauspieler Heinrich George wurde im Juni 1945 vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Foto: ARD
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Im Mittelpunkt des Dokumentar-Dramas "George", das von der Produktionsgesellschaft "teamWorx" als Koproduktion mit dem SWR realisiert wird, stehen die letzten Lebensjahre Heinrich Georges. Der seinerzeit renommierteste Schauspieler der Weimarer Republik wurde im Juni 1945 durch den sowjetischen Geheimdienst verhaftet und sechs Wochen lang verhört. "Die Verhörszenen sind der rote Faden im Film", erläuterte Regisseur Joachim Lang. Ausgehend von den Vorwürfen, die gegen George erhoben wurden, erzählt der Film in Rückblenden Stationen seines Lebens. Im Vordergrund steht das Thema "Schuld und Verantwortung". Die dokumentarischen Einstellungen, Archivaufnahmen und Interviews mit den Söhnen Jan und Götz George sowie den Zeitzeugen Anneliese Uhlig und Jan Weisenborn wurden bereits vergangenes Jahr gedreht. Die szenischen Abschnitte des Films entstanden in den vergangenen vier Wochen in Berlin, Düren, Heidelberg und Ludwigsburg. Zwei Wochen lang arbeitet die 60-köpfige Filmcrew nun zum Abschluss in Münsingen. "Das Alte Lager erfüllt unsere Anforderungen hervorragend", sagte Pierre Pfundt, verantwortlich für das Szenenbild.

Um die dokumentarischen Einblendungen in Einklang mit den Spielfilmszenen zu bringen, wurden im Alten Lager verschiedene Stationen detailgetreu nachgebaut. Das gilt allerdings nur für die jeweils auch im Film gezeigten Ausschnitte. Neben dem Eingang zum Lager Hohenschönhausen mit Stacheldraht und Wachturm gibt es dort einen Theaterraum sowie die Küche zu sehen. Nach dem Urteil gegen George wurde dieser in das frühere Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt. Weil szenische Filmaufnahmen am Originalschauplatz nicht erlaubt sind, wurde auch das eiserne Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" nachgebaut, erläuterte Pfundt. Ein Durchgang zwischen zwei Baracken wurde für Sachsenhausen ebenso errichtet, wie der Innenraum mit Stockbetten, ein weiterer Theaterraum und der Leichenkeller mit dem Sarg Georges, der im September 1946 im Gefangenenlager Sachsenhausen nach einem Schwächeanfall bei der Aufführung des Stücks "Der Postmeister" verstarb. Eigens dafür hatte George Russisch gelernt, da die Lagerverwaltung nur eine Aufführung in russischer Sprache genehmigt hatte.

"Der Druck war irgendwann zu groß", nannte Götz George gestern als Grund dafür, warum er bereit war, seinen Vater im Film zu verkörpern. Die ersten Anfragen habe er bereits vor 15 Jahren erhalten und doch das Thema lange Zeit nicht für wichtig erachtet. Letztlich jedoch habe ihn das Konzept von Joachim Lang überzeugt. Zudem seien heute noch Zeitzeugen am Leben. George räumte ein, der Film verlange ihm enorm viel Kraft ab. "Wenn es darum geht, noch eine andere Szene zu drehen obwohl ich bereits erschöpft bin, entscheide ich mich zu Gunsten des Films". Davon abgesehen charakterisierte er die Dreharbeiten als normale Produktion. "Ich trete ja nicht als Sohn von Heinrich George auf, sonst wird das eine sentimentale Soße". Ihn interessiere vor allem die künstlerische Aufarbeitung seines Vaters. "Er war ein unendlich gerechter und aufrichtiger Mann, der gar nicht mehr in unsere Zeit passen würde". Er sei permanent für die Kunst unterwegs gewesen. "Darunter habe alle anderen gelitten, allen voran meine Mutter." Er habe nur noch wenige Erinnerungen an seinen Vater, habe sich jedoch aus den Erzählungen seiner Mutter und vieler Freunde der Familie ein mosaikartiges Bild zusammengesetzt. Regisseur Lang lobte die wechselnde Perspektive: "Götz George spricht über seinen Vater und spielt ihn". George wertete den Film "als besondere Arbeit", hegte jedoch Zweifel, ob "George" das Interesse des Publikums wecke". Nicht so Hofmann. Der betonte, es handle sich um einen außergewöhnliche Arbeit, die sicher ihr Publikum finden werde. Noch steht nur die Sendezeit fest, nämlich um 20.15 Uhr in der ARD, aber kein Datum.

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