"Das Interesse am Menschen"

Elmar Bechtle, Kevin Dorner und Michael Lainer heißen die drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Hayingen am 8. März. Der Bad Buchauer Elmar Bechtle hatte sich als Erster für das Amt beworben.

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Elmar Bechtle hatte seine Kandidatur als erster öffentlich gemacht. Inzwischen verteilt der 56-Jährige seine Wahlbroschüre. „Ihr Bürgermeister“ hat er sie offensiv betitelt. „Wenn ich mir nicht sicher wäre, bräuchte ich gar nicht zu kandidieren“, sagt Bechtle selbstbewusst. „Das Interesse am Menschen“ habe ihn zur Kandidatur bewogen, sagt der Kaufmann im Ruhestand. Hayingen habe er dabei bewusst gewählt – den Ort kennt der Bad Buchauer durch seinen Bruder, der in Hayingen ein Haus gekauft hat. „Die Hayinger haben eine ganz positive Einstellung zu ihrem Ort, sind warmherzig und bescheiden“, hat Bechtle festgestellt.

Kaufmann im Ruhestand. Dass ein Rentner „eh nichts besseres zu tun habe“ als als Bürgermeister zu kandidieren, frotzelten kürzlich die Hayinger Narren. „Das Rückgrat müssen sie in der Fasnet haben“, kann Bechtle darüber lachen. Mit seiner frühen Verrentung geht er offen um. „Das war der klassische Burn-out“, erklärt Bechtle, der zur damaligen Zeit als Verkaufsleiter im Außendienst eines Textilunternehmens bundesweit, in Österreich und der Schweiz unterwegs war, Verkaufsverhandlungen leitete und Messeauftritte organisierte.

„Im Schnitt hatte ich pro Jahr beruflich 180 Übernachtungen“, erzählt Bechtle. „Das Privatleben hat sich auf das Wochenende konzentriert.“ Die Familie sollte dennoch nicht zu kurz kommen – Bechtle engagierte sich im Elternbeirat, war Jugendbetreuer bei der Fußballmannschaft seines Sohnes. Irgendwann machten dieses Pensum Körper und Seele nicht mehr mit. „Ich bin durch alle Höhen und Tiefen gegangen“, schildert der 56-Jährige. „Jetzt fühle ich mich wieder fit und gewappnet.“

Im Mai vergangenen Jahres wurde Bechtle für die Freien Wähler in den Bad Buchauer Gemeinderat gewählt. „Die Kommunalpolitik war mir nicht neu, schon mein Schwiegervater war im Gemeinderat und stellvertretender Ortsvorsteher“, erzählt Bechtle, der inzwischen in einer Patchworkfamilie mit sechs Kindern im Alter von zwölf bis 27 Jahren lebt.

Bechtle, der sich in der Initiative „Juden in Buchau“ engagiert, fühlte sich im Gemeinderat auf Anhieb wohl. Fraktionsübergreifend arbeite man dort zusammen, schildert Bechtle. „Die Tätigkeit im Gemeinderat hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, als Bürgermeister zu kandidieren.“ Vor allem die Vielseitigkeit reizt ihn: „Sie begegnen Menschen mit unterschiedlichstem Coleur.“ Offen und moderierend wolle er auf die Menschen zugehen, sagt der 56-Jährige. „Man muss die Bürger mitnehmen, aber auch zwischen Begehrlichkeiten und dem Machbaren unterscheiden. Man muss offen miteinander umgehen und auch mal sagen, was nicht geht. Aber dann muss man auch sagen, warum es nicht geht. Bei mir wird keiner abgewimmelt.“

Feste Bürgersprechstunden im Rathaus und in den Ortsteilen hat er sich daher vorgenommen, sollten ihn die Hayinger an die Rathausspitze wählen. „Wenn man rechtzeitig miteinander kommuniziert, können Spekulationen gar nicht aufkommen“, ist seine Erfahrung. Sollte er gewählt werden, will sich Bechtle neben dem Tagesgeschäft zunächst die Zeit nehmen, eine „Inventur zu machen – bei den Vereinen und Ortsteilen“.

Ein Bürgermeister müsse „nah bei seiner Gemeinde sein“. In der Gemeinde wohnen muss er aber nicht – diese Grenze zieht Bechtle. Er würde zwar im Falle seiner Wahl „gerne nach Hayingen ziehen“, doch die Kinder seien in der Schule in Bad Buchau gut integriert. Sie will er nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen, daher kommt für ihn ein Umzug zunächst nicht in Frage. Falls er Abendtermine in Hayingen hätte, könne er bei seinem Bruder übernachten, schildert Bechtle. „Und im Zweifelsfall kann ich mir eine Wohnung nehmen.“

Pendeln müssten die meisten Arbeitnehmer wohl weiter als er, ist Bechtle überzeugt. Und auch fehlende Verwaltungskenntnisse sieht er nicht als großes Problem an. „Verhandlungswege sind mir als Verkaufsleiter wohl bekannt“, sagt der Bürgermeisterkandidat. Verwaltungskenntnisse seien ohnehin nur das „Handwerkzeug“ der Verwaltung – als Bürgermeister sei dagegen Flexibilität gefragt. „Und ich bringe einen unvoreingenommenen Blick von außen mit.“

Und mit diesem Blick hat Bechtle schon einige Punkte entdeckt, die er gerne in Angriff nehmen würde. Das Rathaus etwa böte keine gute Empfangssituation, hier will Bechtle „Hemmnisse abbauen“, Besucher sollten direkt mit einem „Grüß Gott“ angesprochen werden und sich willkommen fühlen. Die Internetseite der Gemeinde und das Amtsblatt müssten informativer gestaltet werden, langfristig sollte das Rathaus behindertengerecht umgestaltet werden. Das Biosphärengebiet will der Bad Buchauer mit dem Federseegebiet verknüpft sehen.

Doch zuerst steht der Wahlkampf an. Bechtle bietet mehrere Gesprächsrunden an, stellt sich zwei Mal in Ehestetten, aber auch in Indelhausen, Anhausen und Hayingen vor. „Ich kann mich nur präsentieren, vorstellen und um Vertrauen werben“, sagt Bechtle. „Die größere Aufgabe am 8. März haben dann die Wähler selbst.“

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