„Das Helfen ist doch selbstverständlich“

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Bei großen und kleinen Problemen sind sie zur Stelle: Klaus Flitsch und Martin Gunia (r.).  Foto: 

Das Wort taucht oft auf: Selbstverständlichkeit. Klaus Flitsch und Martin Gunia sind sich einig. Das, was sie tun, das sei doch nichts Besonderes. Ist es aber doch. Deshalb werden sie für den Service-Preis vorgeschlagen. Durch die Aktion der Südwest Presse sollen jene Menschen in den Vordergrund rücken, die ein Lob verdient haben. Darunter sind Beschäftigte, Arbeitgeber, Ehrenamtliche, Leute, die keiner Organisation angehören, aber auf die Stimme ihres Herzens hören. Das mag bei diesem guten Beispiel zu poetisch klingen, schließlich handelt es sich um zwei gestandende Männer, und doch trifft es zu.

Der Wohnpark Mitte in Münsingen. Hier leben rund 70 Menschen. Zwei Drittel von ihnen sind im Seniorenalter. Die Vertreter der jüngeren Generation, so wie im Konzept vorgesehen, sind wegen den zu kleinen Wohnungen in der Minderheit. Im Jahr 2000 war die Anlage ein Novum. Und in gewisser Weise ist sie es immer noch. Denn Alternativen zum betreuten Wohnen sind rar, obwohl „Mehrgenerationenhäuser“ heute vielfach gewünscht werden. In der „Mitte“ haben die Eigentümer in einen Sozialfond eingezahlt, der von der Samariterstiftung betreut wird. Von der ersten Stunde an ist Helga Hock mit einer 40-Prozent-Stelle als erfahrene Lebensberaterin, Ideengeberin und Ansprechpartnerin in die Gemeinschaft positiv eingebunden. Das Konzept, da sind sich alle einig, ist eins zu eins aufgegangen. Ärger gibt es wegen Baumängeln. Bis heute ist dieses Kapitel nicht abgeschlossen.

Als Martin Gunia vor 17 Jahren von der Uracher Straße in den Wohnpark gezogen ist, haben manche bestimmt aufgehorcht. Was er nicht alles kann. Er hat als Installateur gearbeitet, war bei einer Firma für technische Gase in Reutlingen als Kundenserviceleiter angestellt. So einen patenten Nachbarn hat man gern. Klaus Flitsch aus Auingen, Mitte-Bewohner seit 2005, fiel mit seiner fröhlichen Art und positiven Ausstrahlung auf. Dass er andere damit „anstecken“ wollte, war manchen etwas suspekt. Drei ältere Damen, die voll des Lobes sind, können heute herzlich darüber lachen. „Herr Flitsch schafft es immer wieder, andere aufzumuntern.“ Mit trübsinnigem Gesicht begegnet man ihm nicht.

Dabei ist es gerade er, der sich hätte verkriechen können. Ein Arbeitsunfall hat ihn aus seinen Alltag herausgerissen – wochenlange Reha, aufwendige Behandlungen, Schmerzen. „Ich habe viel Zuwendung erfahren. Menschen haben mir Mut gemacht.“ Er habe erkannt, wie kostbar das Leben ist. Und was Unterstützung und Hinwendung  bewirken kann. Heute ist er an der Stelle, an der er als Lehrling in einer Autowerkstatt an den Fahrzeugen rumgeschraubt hat (das Gebäude musste später dem Neubau weichen), ein Helfer in der Not.

 Da ist die Dame, die nicht mehr ans Steuer kann und zum Arzt oder zu anderen Terminen gefahren wird. Die Beleuchtung brennt nicht, die Waschmaschine streikt und im Fernsehen müssen die Programme neu eingestellt werden. Bei Martin Gunia und Klaus Flitsch heißt es nie „nein“ oder „später“.  Die beiden Mitbewohner sind für die kleinen und großen Sorgen da. Und für die Geselligkeit und das Miteinander, wenn sie im Sommer ein Grillfest organisieren oder den Nikolaus vertreten und in der Adventszeit kleine Geschenke an die Türen hängen. Das schafft eine gute Atmosphäre und Sicherheit. Die offene und humorvolle Art, ihr handwerkliches Geschick, ihre Begabung, die Sachen mit einer gewissen Leichtigkeit anzupacken, zeichnet sie aus, dieses Gespür, für andere da zu sein, ohne viel Aufhebens zu machen. Ihr Kommentar zu den Lobreden: „Wir freuen uns doch selbst, wenn wir helfen können, das ist doch selbstverständlich.“

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