"Bei uns geht alles viel träger"

Es ist eine Freundschaft die befruchtet. Das zeigte sich wieder deutlich am Wochenende. Beeindruckt von den Besichtigungen sind die Besucher aus Münsingen/Schweiz gestern wieder nach Hause gefahren.

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Die 17 Gäste aus dem schweizerischen Münsingen haben von Freitag bis Sonntag ein wahres Mammutprogramm durchlaufen. Insbesondere der Samstag hatte es in sich: mit einer Besichtigung der Firma Franz Tress, einer Stadtrundfahrt über die Parksiedlung mit Besuch im Biosphärenzentrum im "Alten Lager" sowie in Gruorn, der Fahrt zur Gedenkstätte Grafeneck mit Führung durch das Dokumentationszentrum sowie einer Besichtigung des Hofgutes Hopfenburg.

"Anstrengend, aber beeindruckend und imposant", war das Fazit aller Besucher. Die meisten von ihnen besuchten zum ersten Mal Münsingen auf der Alb, manche waren aber auch schon zum wiederholten Male zu Gast, so wie Bürgermeister Erich Feller, der trotzdem noch einiges neu entdecken durfte. "Ich war schon da, als es noch Truppen auf dem Truppenübungsplatz gab. Jetzt konnte ich das neue Biosphäreninformationszentrum sehen und muss sagen, dass es sehr gut gestaltet worden ist", lobte er.

Von jedem seiner mindestens sechs Besuche brachte er viele Ideen mit nach Hause. "Wir konnten das dann zwar nicht eins zu eins umsetzen, aber dennoch bei neuen Projekten das ein oder andere berücksichtigen". Gerne komme er immer auf die Alb, auch diesmal sei seine Reisegruppe mit großer Gastfreundschaft empfangen worden. Doch der Besuch im schwäbischen Münsingen bringe auch etwas Frustration mit sich. "Bei uns geht alles viel träger, weil das Volk stets Mitspracherecht hat. Als Gemeinde wird man oft bei vielen Vorhaben ausgebremst", erzählte er. Wenn er diese große Kompetenz hier sehe und höre und dann zurückkehre, sei er dennoch motiviert und nehme sich vor, dranzubleiben. "Hier in Münsingen will man etwas machen, dann macht man es. Bei uns wird ewig darüber diskutiert".

Das konnte auch Gemeinderätin Marianne Magert vom Bildungsressort bestätigen. "Deutschlands Münsingen ist uns ein ganzes Stück voraus in der Entwicklung", hat sie bei ihrem ersten Besuch auf der Alb festgestellt. Drei Tage allerdings seien viel zu kurz, um alles zu sehen und aufzunehmen, vielleicht möchte sie hier mal eine Woche Urlaub verbringen.

Besonders beeindruckt war sie von Grafeneck, der Parksiedlung und dem Ausbau der regenerativen Energiegewinnung. "Auf vielen Dächern findet man Photovoltaik. Da muss bei uns noch viel mehr passieren", sagte sie.

Bürgermeister Mike Münzing zog ein positives Resümee: "Dieser Besuch hat gezeigt, dass wir uns nicht verstecken müssen". Von der Freundschaft profitierten beide Seiten. "Wir sind uns wieder ein ganzes Stück näher gekommen, es hat großen Spaß gemacht", sagte er gestern bei der Abschlussbesichtigung des Münsinger Bahnhofs und des Lokschuppens. Bisher funktioniere es mit den schweizerischen Münsingern "auch ohne Eheversprechen", dies schließe aber nicht aus, dass es irgendwann einmal zu einer Städtepartnerschaft komme.

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