". . . damit wir klug werden"

Das Kirchenwort für den morgigen Sonntag stammt von Pfarrerin Marlies Haist aus Buttenhausen. Es geht um Vergebung und das Leben.

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Muss man da wirklich "bei Adam und Eva anfangen?" Ich denke schon. Wir sind es gewohnt, die Erzählung von Adam, Eva und der Schlange im Paradies als "Sündenfall" zu bezeichnen. In der Tat wird auf den ersten Seiten der hebräischen Bibel erzählt, wie sich ein abgrundtiefes Misstrauen einschleicht - zwischen zwei Menschen und vor allem zwischen Mensch und Gott. Es kommt zur Absonderung und gegenseitigen Schuldzuweisungen: Lebhaft können wir uns vorstellen, wie Adam, der "Erdling", seiner Frau die Schuld gibt - und Gott! ("die Frau, die du mir zugesellt hast") - und Eva wiederum der Schlange. Bei aller Tragik und der hinreichend bekannten Tragweite des Bösen: Die Geschichte hat mehrere Ebenen und ist mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt. Schon die Art, wie Eva, Schlange und Adam miteinander oder besser übereinander reden: Es wird hier kolportiert und zugetragen, was das Zeug hält.

Es ist das wirkliche Leben; einer hat etwas gesagt und wie bei der "stillen Post" kommt am Ende etwas ganz anderes heraus.

Gott spricht zum Menschen: "Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen, denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes sterben". Was Adam wohl seinem Gegenüber, Eva, erzählt hat? Sie gibt an die Schlange dies weiter: "Von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rührt sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!" Bei so viel Verallgemeinerung hat das Misstrauen, die Schlange, ein leichtes Spiel. Auch das ist eine alltägliche Erfahrung: Je mehr Teilnehmer bei einer Unterhaltung zwischengeschaltet sind, umso interessanter und spannender, aber auch komplizierter wird die Kommunikation, denn statt zu schlichten und Verständnis zu fördern, ist die Versuchung groß, noch ein paar eigene Vermutungen hinzuzufügen. "Es ist der Wurm drin", offenbar schon im Paradies.

Doch auf den ersten Seiten der Bibel geht es nicht nur um menschliches Versagen und seine verhängnisvollen Konsequenzen. Über allem, was Menschen tun und lassen, steht die göttliche Gnade, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Heilige Schrift zieht: Adam und Eva sind beileibe nicht "des Todes gestorben", sondern sie leben aus der göttlichen Vergebung. Sie haben eine Zukunft auch außerhalb des Paradieses, bekommen Nachwuchs - und so nehmen die vielen spannenden, tieftraurigen, wunderschönen Geschichten Gottes mit den Menschen ihren Lauf. "Hinterher ist man immer klüger". Gott hat uns Menschen als eigenverantwortliche Wesen in diese Welt gestellt, die wählen können und müssen zwischen Gut und Böse.

"Damit wir klug werden": Diese Worte sind das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentages, zu dem dieses Jahr nach Stuttgart eingeladen wird. Themen und Orte sind vielfältig.

Wenn wir uns mit Fragen des Lebens beschäftigen, kommen wir auch an die Grenzen des Lebens, dahin, wo Leben beginnt und wo es endet. "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden" (Psalm 90,12). Leben mit Grenzen, Menschenwürde, Verantwortung - wo Christenmenschen sich austauschen über ihre Glaubens- und Lebenserfahrung, dass sie miteinander und voneinander lernen, gerade auch in der Auseinandersetzung mit aktuellen Infragestellungen wie dem religiösen Fundamentalismus.

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