Wer oder was ist hier nicht ganz sauber?

Ulm.  Eklige Klassenzimmer gibt es in Ulm nicht, sagen Schulleiter. Gibt es doch, finden die Jungen Liberalen und halten an ihrem Wettbewerb fest.

Die Jungen Liberalen (Julis) Ulm-Biberach haben einen Wettbewerb gestartet: "Wir suchen das ekligste Klassenzimmer Ulms". Schüler sind aufgerufen, sich mit Foto-, Video- oder Textmaterial zu bewerben. Als ersten Preis versprechen die Mitglieder der FDP-Nachwuchsorganisation, dass sie das ekligste Zimmer selbst putzen und auf Vordermann bringen wollen.

Doch anstelle einer Bewerbung flatterte den Julis eine giftige Reaktion der drei geschäftsführenden Schulleiter von Ulm - Brigitte Röder, Jürgen Volz, Gerhard Braunsteffer - ins Haus. Das Trio weist mit beleidigtem Stolz auf die 136 Millionen Euro hin, die im Rahmen der Ulmer Bildungsoffensive in die Schulen gesteckt wurden und es noch sollen. "Vor diesem Hintergrund haben wir keinerlei Verständnis für den Wettbewerb", heißt es in dem Brief. "Wenn Klassenzimmer in einem schlechten Zustand sind, liegt dies fast ausschließlich an den Schülern, die diesen Zustand herbeiführen", behaupten die Schulleiter und fürchten gar, dass Schüler durch den Wettbewerb dazu angestiftet würden, "ein Klassenzimmer so richtig zu versauen".

Das Rektoren-Trio erweist sich als völlig humorfrei, ermahnt die Julis zum "verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichem Eigentum" und rät ihnen "dringend, den Wettbewerb ,Das ekligste Klassenzimmer Ulms ersatzlos abzublasen oder dafür den Wettbewerb ,Das schönste Klassenzimmer Ulms auszuschreiben".

Für Juli-Vorsitzenden Alexander Belle ist der Brief ein Versuch, "Tatsachen klein- und niederzureden". Die Ulmer Rektoren lenkten die Schuld "weg von falschen Sparmaßnahmen, weg von Verantwortlichen". Auf diese Weise würden betroffene Schüler zu Verursachern der Misere gemacht. Belle wehrt sich gegen derart "falsche Unterstellungen". Er lässt sich den Schneid aber nicht abkaufen: "Die Julis wollen keine Schlammschlacht. Wir wollen diese Diskussion an die Öffentlichkeit tragen." Darum halten sie am Wettbewerb fest. Der krankt aber daran, dass es bisher keine Bewerbungen aus Ulm gibt. Belle mutmaßt, dass die Rektoren Druck auf die Schüler ausüben. "Wir wissen, dass es Mängel gibt, und wir wollen sie aufdecken."


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Autor: VERENA SCHÜHLY | 11.03.2010

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