Strikte Verbote helfen nicht

Münsingen.  Längst hat die mediale Welt auch in den Kinderzimmern Einzug gehalten. Auf Gefahren ging Jugendpolizist Erhard Holzschuh am Montag bei einem Eltern-Informationsabend des Gymnasiums ein.

Internet, Computerspiele oder Handys: Mit den medialen Möglichkeiten wachsen die Gefahren. Der Mensch wird gläserner , was sicherlich nicht immer von Vorteil ist. Dies verdeutlichte Jugendpolizist Erhard Holzschuh am Beispiel eines Mädchens, welches sich bei einer Bank beworben hat. Dummerweise entdeckte der Einstellungsberater im Internet Bilder von ihr, die sie in nicht ganz vorteilhafter Partylaune zeigten. Aus war der Traum vom Traumberuf. Ein anderes Beispiel: Holzschuh erzählte von einem 12-Jährigen Mädchen, welches Dank der Mutter nicht in die Fänge eines Unbekannten geraten ist. Per SMS gab das Mädchen ihrem fremden "SMS-Freund" ziemlich viel von sich preis, so lange bis er sie, nachdem er "rein zufällig in der Gegend war", am Münsinger Freibadparkplatz treffen wollte. Kurz zuvor wurde die Mutter misstrauisch und informierte die Polizei, die den "SMS-Freund" tatsächlich in einem Lieferwagen auf dem Freibadparkplatz antraf. Was möglicherweise hätte passieren können, wollte sich auch am Elternabend, der für die Eltern der Sechst- und Siebtklässler von Verbindungslehrerin Kathrin Lehbrink organisiert wurde, niemand vorstellen.

Beängstigend sei die große Anzahl der "Freunde", denen sich junge Menschen heute in den Chat Rooms und Internetforen wie Kwick, ICQ oder Facebook anvertrauen. "Hier lauern Gefahren für alle, weil sich hier nicht nur Freunde, sondern auch sexuell Abartige einloggen", betont Holzschuh. "Kriminell wird es unter anderem auch dann, wenn über diese Foren Beleidigungen von Lehrern oder Mitschülern ihre Runde machen", so Holzschuh. Auch Filmaufnahmen, die Jungs auf der Mädchentoilette mit ihren Handys machen, um sie später zu verbreiten, würden ganz klar als Straftat laufen, ebenso wie auf dem Handy gespeicherte Film- und Bildaufnahmen, welche Gewaltdarstellungen oder verbotene Abzeichen mit volksverhetzenden Inhalten zeigen. "Hakenkreuze haben auf einem Handy schlichtweg nichts verloren", sagte der Jugendsachbearbeiter. Das Gleiche gilt für volksverhetzende Tonaufnahmen. Holzschuh warnte auch vor dem unsachgemäßen Umgang mit PC-Spielen, die nicht selten eine permanente Vermittlung von unrealistischen Weltbildern und Konfliktlösungsstrategien mit sich bringen würden.

Nicht unerheblich wäre auch der Kostenfaktor bei bestimmten Onlinespielen wie "World of Warcraft". Bei Computerspielen würde nicht nur die Gefahr des Suchtpotentials lauern, sondern auch die kriminelle Verlockung. Zum Beispiel bei der Verbreitung von illegaler Software. Holzschuh riet den Eltern, sich vor dem Kauf eines Spiels unbedingt über die Altersfreigaben zu informieren. Kauft zum Beispiel ein Vater für sein 12-jähriges Kind ein solches Spiel, macht er sich strafbar, spätestens dann, wenn das Kind das Spiel an einen minderjährigen Freund weitergibt. Erhard Holzschuh riet den Eltern nicht zu strikten Verboten, sondern zum Interesse an der modernen Medienwelt, um die Kinder über konkrete Gefahren und rechtliche Bestimmungen aufzuklären. Wichtig wären auch klare Abmachungen über Spiel- und Nutzungszeiten am Computer und Fernseher.

Der praktische Teil des Elternabends, bei dem die Möglichkeit besteht, ausgebildeten Chatmentoren über die Schultern zu schauen, musste aus technischen Gründen leider ausfallen, "wird aber in den nächsten Wochen nachgeholt", versprach Schulleiter Röhm.


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Autor: SABINE ZELLER-RAUSCHER | 19.11.2010

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