Stadt hat kein Geld für das "schnelle Internet"

Hundersingen.  Acht von 14 Münsinger Stadtteilen sind breitbandmäßig deutlich unterversorgt. In vier Info-Veranstaltungen werden derzeit Möglichkeiten zur Verbesserung aufgezeigt, Kostenträger sind immer die Nutzer.

Viele Bürger in den Münsinger Stadtteilen Böttingen, Bichishausen, Bremelau, Dottingen, Dürrenstetten, Gundelfingen, Magolsheim und Rietheim, aber auch in Teilorten der Gemeinden Gomadingen, Hohenstein und Hayingen können ein Lied davon singen: Sind sie überhaupt in der glücklichen Lage, über einen DSL-Anschluss zu verfügen, so ist die Leistung viel zu schwach und reicht bei weitem nicht aus, um wirtschaftlich mit dem Internet arbeiten zu können. Andere gar - so wie die Gundelfinger - müssen völlig ohne solch einen Anschluss auskommen, haben sich behelfsmäßig mit einem Mobilfunkstick über UMTS ausgestattet, wählen sich über die Telefonleitung ein und ermöglichen sich so einen - wenn auch langsamen - Zugang ins Internet.

Die Unzufriedenheit in der Bürgerschaft, insbesondere in sowieso schon weit abgelegenen Gebieten, ist groß, eine Verbesserung vonnöten. Das wisse auch die Stadt Münsingen, meint Roland Schwarz von der Wirtschaftsförderung, deshalb beschäftige sie sich seit Jahren mit dem Thema. "Eine gute Breitbandversorgung ist ein wichtiger Standortfaktor, nicht nur für Betriebe aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch für Privatpersonen hinsichtlich Bildung und Freizeitangebot", so Schwarz. Gemeinsam mit Katja Fischer ist er in dieser Woche viermal unterwegs, um über die Möglichkeiten einer besseren Breitbandversorgung zu informieren, so auch am Montagabend in der Lautertalschule Hundersingen und gestern Abend in Dottingen. Das Interesse der Bürgerschaft war groß. Fakt ist, dass der Kernstadtbereich mit Münsingen und Auingen ausreichend versorgt ist und auch die Situation in Apfelstetten, Buttenhausen und Hundersingen deutlich verbessert werden konnte. Eine mittelmäßige Versorgung gibt es in Trailfingen, die restlichen Stadtteile jedoch sind deutlich unterversorgt. Anbieter gibt es derzeit keine, die Investitionen sind zu hoch. Und auch die Stadt Münsingen kann einen Ausbau angesichts der jetzigen Haushaltslage nicht finanzieren.

Bei den Informationsveranstaltungen werden zwei mögliche Lösungswege aufgezeigt, beide können jedoch nur durch Zuschüsse der Nutzer umgesetzt werden. Für Roland Schwarz und die Stadt Münsingen ist die flächendeckende Anbindung aller Haushalte mit Glasfaserkabel in absehbarer Zeit nicht realisierbar. Kurzfristig jedoch könnte eine schnelle Umsetzung mit Hilfe einer strahlungsarmen Funklösung erfolgen, die Kosten hierfür liegen bei rund 300 000 Euro. Interessierte Nutzer müssen jetzt mit einem Antrag ihr Interesse bekunden und dann auch ihren finanziellen Beitrag als Teilnehmergemeinschaft leisten. Dieser könnte bei einer Kalkulation mit 600 Teilnehmern, davon 550 Private und 50 Gewerbliche, bei rund 375 Euro einmalig pro Privat-Nutzung und 1875 Euro für Gewerbe liegen, hinzu kommen monatliche Tarife für Privatanschlüsse mit Internet- und Telefonflatrate von 19,99 Euro bis 29,99 Euro sowie für Gewerbe je nach Nutzungsart von 49,95 Euro bis 999 Euro. Gerhard Reckling vom Anbieter "skytron" stellte das Prinzip vor und sprach von einer "geringen Strahlung", von einer "hohen Sicherheit", einer "großen Geschwindigkeit" und einer "schnellen Umsetzung", so dass bereits im Herbst diesen Jahres der Zugang genutzt werden könnte.

Der Breitbandzugang erfolgt über Funk mit einer Sektor- und einer Empfangsantenne zum Kunden, der sowohl ein stationäres als auch ein mobiles System in Anspruch nehmen kann. Die zweite Alternative wäre eine Umsetzung mit Förderung durch öffentliche Gelder mit maximal 40 Prozent, allerdings frühestens zum Frühjahr 2011. Unter Beteiligung eines Beratungsunternehmens würde eine Ausschreibung sowie die Beantragung von Fördermitteln durch die Stadt durchgeführt.

Die Gesamtkosten sind vom Angebot abhängig, hinzu kommen rund 20 000 Euro für das Beratungsunternehmen.

Die Refinanzierung würde einerseits über die Fördermittel erfolgen und der restliche Betrag wiederum auf die teilnehmenden Nutzer umgelegt werden. Wichtig ist nun, dass jeder Interessent spätestens bis zum 21. März Fragebögen ausfüllt, um den Bedarf abklären zu können und - je nach Ausgang der Befragung - rechtzeitig den Antrag auf öffentliche Zuschüsse stellen zu können. "Nur mit einem guten Rücklauf der Fragebögen ist eine tatsächliche Kalkulation und somit auch eine schnelle Umsetzung möglich", betonte Schwarz. Diese Bögen gibt es bei den Informationsveranstaltungen, bei den Ortsvorstehern, der Stadt Münsingen beim Einwohnermeldeamt und im Tourist-Info und im Internet auf der Homepage der Stadt Münsingen.

Info

Weitere Informationsveranstaltungen sind heute, Mittwoch, 10. März, um 19.30 im evangelischen Gemeindehaus in Auingen und morgen, Donnerstag, 11. März, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Magolsheim.


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Autor: MARIA BLOCHING | 10.03.2010

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