Praktische Erfahrung statt Lehrbuch

Münsingen.  "Service Learning" ist in den USA gängig. Von einem Kooperationsprojekt zwischen der Universität Oregon und der PH Ludwigsburg haben die Klasse 8c der Schillerschule und Münsinger Einrichtungen profitiert.

Wissenschaftliche Forschung und praktische Lernerfahrungen vereint das Kooperationsprojekt zwischen der "Western Oregon University" und der PH Ludwigsburg. Es steht unter der Überschrift "Service Learning". Dahinter verbirgt sich die Überlegung, dass Schüler und Studenten bei der Vorbereitung und Durchführung von Projekten mehr lernen können, als dies auf der rein theoretischen Ebene der Fall ist, erläutert Professor Dr. Martin Weingardt, schulpädagogischer Leiter an der PH Ludwigsburg. So halten sich derzeit sechs Studenten aus Oregon und sechs Studierende der PH Ludwigsburg in Münsingen auf. Adressat ihres in mehreren Phasen eingeteilten Projektes ist die Klasse 8c der Schillerschule. "Grundthema ist der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt", so Weingardt.

Auf der einen Seite haben die Ludwigsburger Studenten ein Forschungsprojekt gestartet, um herauszufinden, inwieweit der Migrationshintergrund bei Jugendlichen deren Chancen auf einen wunschgemäßen Ausbildungsplatz gegenüber gleichaltrigen einheimischen Schülern beeinflusst. Dazu haben die Studierenden Ende vergangenen Jahres einen Fragebogen an die Schulabgänger der Schillerschule aus den Jahren 2000 bis 2008 verschickt. Erfragt wurden die gewählten Ausbildungsberufe und die Abschlussnoten. Fazit: Der Migrationshintergrund ist vernachlässigbar.

Zugleich fanden die erhobenen Daten Eingang in eine berufliche Beratung für die Achtklässler, da je nach Berufswunsch gezielt die Erfahrungen der ehemaligen Schüler zur Verfügung standen. "Es ging auch darum zu zeigen, welche Wege zum Ziel führten und wer es nicht geschafft hat", so Weingardt. Klar ist, bei attraktiven Berufen kommt es vor allem auf das Notenbild in den Kernfächern an.

Gezeigt hat sich aber auch, dass die Perspektiven für Hauptschüler in Münsingen noch weitaus besser sind, als dies zum Beispiel in Stuttgart der Fall ist. Gefragt ist allerdings die Bereitschaft zur Mobilität, sprich Fahrten in andere Albgemeinden müssen in Kauf genommen werden. "Oftmals ging nur eine Zusage ein, folglich gibt es keine Wahlmöglichkeiten", schildert Weingardt.

Auch die amerikanischen Studenten haben sich mit dem Thema Migration befasst. Übergreifende Erkenntnis: Wichtigste Voraussetzung für eine Integration ist die Beherrschung der Sprache. Unter der Überschrift "Übergang in die Berufswelt" haben die Studierenden für die Schillerschüler zudem einen Parcours zur Vorbereitung auf das Berufsleben organisiert, bei dem zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch trainiert und ein Anschreiben für die Bewerbung verfasst wurden.

Darüber hinaus wurden erlebnispädagogische Aktionen organisiert. So haben die Schüler die Gustav-Jakob-Höhle besucht und konnten dort auch unter freiem Himmel übernachten, zudem wurde geklettert und nächste Woche steht noch eine Kanutour auf dem Programm.

Auf der anderen Seite wurden die Schüler jedoch von den Studenten bei drei Projekten als Akteure eingebunden. Zwei Tage lang haben die Achtklässler in drei Teams gearbeitet, sämtliche Vorbereitungen mussten die Studenten in Eigenverantwortung erledigen. Dabei wurden im Garten der Begegnungsstätte Germania ein Grill gebaut und der Zaun gestrichen, im Jugendhaus im Kirchtal haben Türen und Heizkörper einen neuen Anstrich erhalten und im Hof der Schillerschule wurde das dort angelegte Teichbiotop gründlich gereinigt. "Die Schüler haben sich für die Projekte selbst eingeteilt und zu den Arbeiten auch einen persönlichen Bezug", so Christiane Steinhilber, die Klassenlehrerin, die zusammen mit ihrem Kollegen Günther Reiff das Projekt begleitet.

Viel Lob spricht die amerikanische Professorin Gudrun Hoobler den Schillerschülern aus für deren Einsatz und den "liebevollen Empfang." Sie schildert den zweiwöchigen Aufenthalt auf der Alb als "tolles Erlebnis". Die amerikanischen Studenten gehören verschiedenen Fachrichtungen an und für sie steht die Teamarbeit im Vordergrund.


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Autor: RALF OTT | 14.07.2010

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