Mit dem Bike durch Tibet
Münsingen. Erst geraten sie in einen Sandsturm, dann in die Mühlen der chinesischen Bürokratie. Am Montag berichtet Erich Ruopp im Gasthof Herrmann über eine Radreise in Tibet, bei der es in eisigen Höhen oft heiß herging.
. Wie reagiert ein Rietheimer, wenn er von einem chinesischen Polizisten daran gehindert wird, das Ziel seines Lebens zu erreichen, für das er sich schon über 500 einsame Kilometer abgestrampelt hat? Er ist ungehalten und schimpft dermaßen, dass es ein Leichtes wäre, ihn wegen Beleidigung einzusperren. Doch der Chinese versteht diese seltsame Sprache nicht.
Darüber haben sie sich vor ein paar Wochen im Rietheimer Sportheim köstlich amüsiert, als Erich Ruopp solche und andere Begegnungen auf seine unnachahmliche Art schilderte und von einem Trip erzählte, der ihn und seinen Begleiter Martin Grossmann nicht nur einmal an den Rand des Wahnsinns brachte.
Doch der Reihe nach: Im Herbst vergangenen Jahres machen sich die beiden Biker auf den Weg nach Bischkek in Kirgistan. Weiterflug in den Osten des Landes, Umsteigen in ein Taxi, das für 230 Kilometer 13 Stunden braucht, Ankunft an der Grenze, erste Zwangspause, weil dieser Übergang geschlossen ist.
Fünf Tage quälen sie sich durch die Taclamakan-Wüste, Sturm, Regen - die größte der Plagen aber ist das chinesische Militär. Längst stehen die Radler unter Beobachtung, doch wie Mäuse dürfen sie noch ein bisschen laufen. 1600 Kilometer trennen sie von ihrem Ziel, dem heiligen Berg Kailash, dem "Mittelpunkt der Welt", als sie gestoppt und die Räder auf einen Lastwagen verladen werden, der sie zurück bringt.
Im Plan B wird der Berg von Lhasa aus angepeilt. Doch zunächst müssen sie zum Zug kommen. Mit Bus und Bahn erreichen sie das 2000 Kilometer entfernte Lanzhou, eine Zwei-Millionen-Stadt, die sie so schnell wie möglich wieder verlassen wollen. Tatsächlich dürfen sie sich mit einer Fahrkarte ins Abteil setzen und denken, es würde gleich in Richtung Tibet gehen. Doch in letzter Sekunde schreitet die Polizei ein und zwingt sie zum Aussteigen. Nur die Räder, die rollen Lhasa entgegen, während sie dazu verdonnert werden, zwölf Tage lang den 60. Geburtstag des chinesischen Staates zu feiern. Sie nützen die Zeit, um Kloster in der Umgebung zu besuchen.
Es ist das größte Bahnprojekt der Welt und endlich sind sie ein Teil davon. 35 Stunden Fahrt sind es nach Lhasa, die alte tibetische Hauptstadt, noch immer überragt vom Potala, aber stark geprägt von den Besetzern. Den Kailash können Erich Ruopp und Martin Grossmann endgültig in den Wind schreiben, alternativ wollen sie mit dem Rad nach Kathmandu fahren. Zehn Pässe, alle über 5000 Meter hoch, liegen dazwischen. Und noch mehr Formalitäten, denn die Chinesen bestehen auf Begleitung bis zur Grenze. Und die muss teuer bezahlt werden.
Zu viert machen sie sich auf den Weg: Ein Chinese, ein Tibeter, der tun muss, was der Erste will und den Jeep steuert, ein Ur-Älbler, ein Uracher, die wieder kräftig in die Pedale treten und sich an der endlosen Einsamkeit und den vielen Höhenmetern erfreuen. Abends sitzen sie am Lagerfeuer und tun so, als sei die Welt mit all ihren Konflikten nur ein böses Märchen. Mit 5267 Meter bringt sie der Pass Lhapkala auf den höchsten Punkt, mit 152 Kilometern schlägt die längste Tagesetappe zu Buche und mit einem Abstecher ins Basecamp des Everest ist auch dieser Blick nach oben eine Eintragung wert, zumal er schwer erkämpft worden ist. Für die letzten 47 Kilometer haben sie wegen Gegenwind fast neun Stunden auf dem Sattel gesessen. Gegen Ende ging"s nur bergab: Von 5050 auf 440 Meter, innerhalb von 27 Stunden durch verschiedene Vegetationsperioden. Am 13. Tag überschreiten sie Zhangmou, die Friendship-Bridge. Die Ankunft in Kathmandu ist wie ein Nachhausekommen. Hier planen sie die letzte Tour und geben sich den Rest - mit der Annapurna-Umrundung, eine beliebte Trekkingtour, die für Radfahrer gänzlich ungeeignet ist. Es sei denn, das Bike wird getragen und geschoben.
Die Kommentare von Erich Ruopp sind entsprechend. Als Vortragsredner ist er eine Nummer für sich. Wer ihn in Rietheim verpasst hat, darf sich am Montag auf einen urschwäbisch-tibetisch-nepalesischen Abend freuen. vau
Info
Beginn ist um 20 Uhr im Gasthof Herrmann. Der Eintritt ist frei, um Spenden für den Verein Mountain Spirit wird gebeten.
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20.03.2010
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Erich Ruopp und Martin Grossmann (l.) legen im Himalaya 2100 Kilometer mit dem Rad zurück. Foto: Privat
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