Keine Kandidaten, keine Wahl

Münsingen.  Bei der Kirchengemeinderatswahl 2005 schafften es die Münsinger Katholiken mit Ach und Krach, eine Liste zusammenzustellen, diesmal waren alle Bemühungen vergebens. Die Wahl am Sonntag fällt aus.

Stell dir vor, es sind Wahlen und keiner geht hin: In Münsingen wird der kommende Sonntag einer unter vielen sein, obwohl landauf, landab und sogar in den benachbarten Gemeinden die Katholiken darüber entscheiden, wer in den nächsten fünf Jahren in den Ratsgremien sitzt. Dabei hatte Bischof Gebhard Fürst bereits im September mit der Parole "Dabei sein" für dieses wichtige Ereignis geworben und die Bedeutung für die Basis hervorgehoben: "Die Lebendigkeit und der Reichtum des Gemeindelebens sind auf die Mitgestaltung engagierter Christinnen und Christen angewiesen." Seit über 40 Jahren sei die Mitwirkung von Menschen unterschiedlichster Kompetenz aus dem Leben der Diözese nicht mehr wegzudenken.

Und gerade darüber müssen sich die Katholiken in Münsingen nun den Kopf zerbrechen. Denn: War es schon 2005 schwierig, 12 Kandidaten für zehn Plätze im Kirchengemeinderat zu finden, so ist dieses Unternehmen in diesem Jahr gänzlich gescheitert.

Kornelia Leicht, zweite Vorsitzende und seit einer Wahlperiode im Amt, bedauert dies ausdrücklich: "Keiner will sich der Verantwortung stellen." Gemeinsam mit Pfarrer Ansgar Leibrecht habe man sich auf die Suche gemacht "und etwa 70 Personen angesprochen". Ohne Erfolg. Dabei war der Rat durch Wegzug, Krankheit und andere Gründe bereits dezimiert. Von den verbliebenen sechs Räten waren nicht alle zur Wiederkandidatur bereit - eine schwierige Lage, schon im Vorfeld.

"Dabei ist es eine sehr lebendige und interessante Arbeit. Man kann etwas bewegen, wenn die Leute bereit sind, mitzumachen." Kornelia Leicht, die selbst Kinderkirche hält und bei den MünSingers aktiv ist, sieht innerhalb der Kirche viele Möglichkeiten, sich mit einer Begabung einzubringen. Es müsse nicht unbedingt im Kirchengemeinderat sein. Aber gerade für dieses Gremium hätte sie sich gewünscht, dass sich Leute finden, die mitgestalten und mitentscheiden wollen. "Jeder ist willkommen."

Die Tür wurde weit aufgerissen, viel Werbung gemacht. Egal welche Generation, ob Neubürger oder Alteingesessene, Ablehnung führte am Ende zur Absage. Und zu einer Notlösung. Die nennt sich Vertretungsgremium und beschränkt sich bei einer Größe der Münsinger Gemeinde mit zirka 2200 Katholiken auf drei Personen, die gemeinsam von den Räten und vom Pfarrer bestimmt und später vom Bischof bestätigt werden.

Stefanie Wahle-Hohloch bearbeitet diese Listen in Rottenburg. Sie geht davon aus, dass insgesamt 24 Gemeinden in der Diözese bei der Wahl am Sonntag passen müssen und sich diese Zahl damit seit der letzten Wahl halbiert hat. Auch deshalb, weil es neue Regelungen gibt. So wurde eine Art Korridor geschaffen, der es ermöglicht, einen Rat um vier Sitze zu erweitern oder zu verringern, wenn es mit den Kandidaten knapp wird. Hilft dies alles nichts, bleibt nur noch das Vertretungsgremium und die Auflage, möglichst bald einen Wahlausschuss zu bilden, damit im März 2011 doch noch gewählt werden kann. Die Interimslösung soll auf ein Jahr begrenzt werden, es sei denn, es liegen Gründe für eine Verlängerung vor. Die Wahlbeteiligung lag im Jahr 2005 bei 25 Prozent. Damit lag die Diözese Rottenburg- Stuttgart bundesweit an zweiter Stelle, nach Würzburg, wo 33 Prozent verzeichnet wurden.

Info

I

n der Diözese Rottenburg-Stuttgart leben 1,94 Millionen Katholiken. Weitere Infos unter www.dabeisein.drs.de


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Autor: GUDRUN GROSSMANN | 11.03.2010

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