Juwel wecken Tag des Geotops im Marmorsteinbruch

Trotz schlechten Wetters strömten gestern, am Tag des Geotops, Heerscharen zum "Mittelpunkt der Schwäbischen Alb", dem Böttinger Marmorsteinbruch. Der soll bald aus dem Dornröschenschlaf erwachen.

SABINE ... |

Es sind nur wenige Schritte, die die Steigstraße im Ort vom „Böttinger Naturjuwel“ trennen. Zugewachsene Schienen am Boden erinnern auf dem Weg zum Steinbruch noch heute daran, dass hier irgendwann einmal geschafft und gewerkelt wurde. Fritz Manz, der heutige Besitzer des Naturjuwels, erinnert sich noch genau daran, wie sein Vater Friedrich, der 1927 den Marmorsteinbruch erwarb und modernisierte, mit Elektroloren das Gestein nach oben beförderte. „Irgendwann war dann der Naturstein out“, weiß Manz und erzählt, dass Anfang der 60er-Jahre der Abbau eingestellt wurde.

Seither schlummert der Steinbruch in einem zarten Dornröschenschlaf, der Jahr für Jahr immer mehr Gras und Gebüsch über das weiß-rot-gebänderte Gestein wachsen lässt. Den Besuchern, die gestern beim Tag des Geotops, der immer am dritten Sonntag im September veranstaltet wird, den Weg zum Steinbruch fanden, bot sich eine völlig fremde Welt. „Ziel des Tages ist, Geologie live zu erleben und dabei das Verständnis für die Entstehung des Geotops zu wecken“, erklärte Hans-Jürgen Stede, der Vorsitzende des Geo-Parks, der im gestrigen Tag so etwas wie eine Art Initialzündung sah bei dem Versuch, den Steinbruch aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Das sei das Ziel, bestätigte Dr. Siegfried Roth, Geschäftsführer des Geoparks. Ideen seien schon einige vorhanden. Angedacht sind unter anderem Schautafeln, Führungen, eine Kooperation mit Künstlern oder der Volkshochschule sowie ein Museum im Erlebnissteinbruch.

„Das ist ja wie im Dschungel“, zeigte sich eine Besucherin begeistert, als sie bei strömendem Regen inmitten des stillgelegten Steinbruchs stand. In der Tat erscheint der Begriff „Juwel“ in keinster Weise übertrieben.

In kräftigem Rostrot leuchtet die „Marmorwand“ zwischen frischem Grün hervor. „Ich bin, ehrlich gesagt, neidisch, dass wir so etwas in Tübingen nicht haben“, gestand der Diplomgeologe Philipe Havlik von der Universität Tübingen. Havlik entführte die Zuhörer kurzerhand ins Vorgestern, rund 14 Millionen Jahre zurück. In eine Zeit wo Vogelspinnen, Bulldoggfledermäuse, große Echsen und Salamander neben Skorpionen die Alblandschaft besiedelten und der Granatapfelbaum zum Landschaftsbild gehörte. Allesamt hätten sich wohl rund um die „Böttinger Thermalquellen“ herum wohl gefühlt. Zahlreiche Fossilienfundstücke, von denen einige beim Tag des Geotops ausgestellt waren, zeugen noch heute davon. Übrigens handelt es sich bei dem Böttinger Marmor um keinen Marmor, sondern um Travertin, einen Thermalsinterkalk. Weil jedoch der erfindungsreiche Schwabe schon früh erkannt hatte, dass sich Marmor wohl besser verkaufen lässt als Travertin, kam es zum Böttinger Marmor, der geschliffen irgendwie an wunderschön durchwachsenen Bauchspeck erinnert. Dass im Stuttgarter Schloss ganze Wände mit Böttinger Marmor getäfelt wurden, erfuhren die Besucher unter anderem bei den stündlichen Führungen, die auf ziemlich schmierigem und schlammigem Untergrund auf eigene Verantwortung stattfanden.

Mit festem Schuhwerk war Bürgermeister Mike Münzing bestens für das Erlebnis „Reise zum Mittelpunkt der Schwäbischen Alb“ ausgerüstet. „Vielfältig, bunt und facettenreich“, sieht Münzing die Schwäbische Alb, die er in der Tourismuswerbung nicht wie andere Gegenden auf einen einzigen Höhepunkt reduzieren möchte.

„Vielfältig, bunt und facettenreich“ – so wirkt auch der Böttinger Marmor auf den Betrachter. Im Besonderen im polierten Zustand, wo sich in einzigartigen Farbspielen zeigt, dass der Böttinger Marmor etwas ganz Besonderes ist. Dem Künstler Fritz Genkinger, der den Böttinger Marmorsteinbruch längst zu seiner zweiten Heimat gemacht hat, ist es gelungen, vielen Menschen wieder die Augen für die einzigartige Schönheit des Gesteins zu öffnen, weshalb er im Grußwort von Bürgermeister Mike Münzing ein ganz besonderes Dankeschön erfuhr. Interessiert verfolgten die Besucher wie Genkinger mit Schraubstock und Feile aus zunächst unscheinbaren Steinen herrliche Schmucksteine schuf. Interessant und von besonderer Schönheit die „Genkinger-Exponate“, die vom Freundeskreis Fritz Genkinger ausgestellt waren. Interessant und schön auch der Schauschrank mit Böttinger Marmor, der seit geraumer Zeit dank dem Engagement von Ernst Bösch, Reinhold Reiber, Erhard Holzschuh und Fritz Genkinger im Ortskern neben dem Böttinger Kriegerdenkmal aufgehängt wurde. Für die Bewirtung des Tag des Geotops zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst aus Grabenstetten, die seit Jahren ihr Vereinsheim in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs hat, verantwortlich. Bis zum nächsten „Aktionstag“ ist der Zutritt zum Steinbruch nur mit ausdrücklicher Genehmigung erlaubt.

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