Individuelles Lernen am Münsinger Beispiel

Zwei Tage lang fand sich die SPD-Landtagsfraktion zur Klausurtagung in Reutlingen zusammen. Nachmittags schwärmten die Politiker aus, um sich vor Ort zu informieren, so gestern zum Thema Bildung in Münsingen.

REINER FRENZ |

"Individuelle Förderung - Merkmale erfolgreicher Unterrichtspraxis" lautete das Thema gestern Nachmittag in der Gustav-Mesmer-Realschule und es handelte sich um eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde. Von der SPD-Fraktion waren anwesend deren schulpolitischer Sprecher Klaus Käppeler, Christoph Bayer und Sabine Wölfle. Kurzfristig hatte der bildungspolitische Sprecher Dr. Stefan Fulst-Blei seine Teilnahme absagen müssen. Außerdem waren vom Kultusministerium dabei Tonja Brinks, Petra Schoch und Caroline Zittlau, weiter Roland Hocker. der Leiter des Staatlichen Schulamts Tübingen, die Schulleiterinnen Magdalena Kalbfell und Nicole Breitling und einige Mitglieder ihrer Kollegien und nicht zuletzt auch Bürgermeister Mike Münzing.

"Uns liegt sehr daran zu erfahren, wie individuelle Förderung in der Praxis funktioniert", führte der Zwiefalter ins Thema ein. Magdalena Kalbfell erklärte in ihrer kurzen Begrüßung, dass dieses Thema die meisten Schulen im Lande beschäftige: "Wenn wir unseren Erziehungsauftrag Ernst nehmen, muss es unser Ziel sein, den Schülern den bestmöglichen Abschluss anzubieten", betonte sie. Die Wege dazu könnten freilich sehr verschieden sein. Der Lernerfolg sei in erster Linie nicht von der Schulorganisation abhängig, sondern von der "Tiefenstruktur des Unterrichts, die auf zwei Fakten basiert: Haltungen und Beziehungsebene".

Mike Münzing sprach die große Bandbreite an Bildungseinrichtungen im Mittelzentrum mit seinem Einzugsgebiet von 50 000 Menschen an: "Wir sind Bildungsstandort einer ganzen Raumschaft".

Nicole Breitling erläuterte das Profil der Schillerschule und deren pädagogische Schwerpunkte. Dabei nannte sie die Berufsorientierung. Bereits Fünftklässler würden damit beginnen. Großer Wert werde auf demokratische Erziehung gelegt, etwa mittels Lernen durch Engagement, das Übernehmen von Verantwortung für sich selber und andere: "Schule ohne Rassismus und Schule mit Courage" sind in der Schillerschule wichtige Slogans. Weiter ist die Schillerschule bewegte Schule und bietet Bildung für nachhaltige Entwicklung an. Großes Gewicht liegt laut Breitling auf der Elternarbeit, Stichworte: Eltern-Lehrer-Tandem oder Elterncafé. Wichtig sei die Inklusion, die es ermögliche miteinander und voneinander zu lernen. Zur Lernorganisation im Unterricht gab es folgende Stichworte: personalisiertes, indiviuelles Lernen, Projektunterricht und Werkstattunterricht. Seit 2001 ist die Schillerschule Ganztagsschule, was erweiterte Lernzeit ermögliche, Übungsphasen, die Hausarbeit verzichtbar machen. Breitling: "Wir sehen unsere Schule als Gemeinschaft, wollen jeden in seiner Individualität fördern".

Leitbild der Gustav-Mesmer-Realschule ist die Ausbildung der Persönlichkeit, betonte Magdala Kalbfell. Es gehe um Zusammenarbeit in gegenseitigem Respekt. Schule solle motivierender Ort des Lernens und Lebens sein. Tatsächlich sei die Freude am Tun, die friedliche Atmosphäre auch spürbar. Die Realschule stehe auf drei Säulen: Bewegung und Erlebnis, Persönlichkeit sowie Kreativität. Premiere feierte ein nagelneuer Film über die Schule: "Wir an der GMR". Darin wird eine angehende Realschülerin von ihrer fiktiven Schwester über die Schule und ihre vielfältigen Angebote informiert.

Zum individuellen Lernen an der Realschule erfuhren die Teilnehmer des 90-minütigen Gesprächsrunde, dass individuelle Lernprofile erstellt werden, anhand eines individuellen Lernplans Fördermaterialien selbstständig bearbeitet werden, dass es Schwerpunktthemen basierend aus Zielvereinbarungen von Eltern-Schüler-Lehrer-Gesprächen gibt.

In der anschließenden Diskussion sprach Christoph Bayer von eindrucksvollen Präsentationen, wollte wissen, ob es Projekte in der Elternbildung gebe. Klaus Käppeler und Sabine Wölfle erkundigten sich nach den Unterschieden der Schulen, zumal die Realschule bald ebenfalls den Hauptschulabschluss anbieten könne und Tonja Brinks sprach das Thema Inklusion an. Aus der Inklusion heraus, die an der Schillerschule dank der Teams aus Sonderpädagogen und Regelschullehrern gelinge, sei der Wunsch nach der Gemeinschaftsschule entstanden, antwortete Nicole Breitling.

An der Realschule habe man vergleichsweise wenig Erfahrung im zieldifferenzierten Unterricht, war von Magdalena Kalbfell zu erfahren. Sehr wohl werde es auch weiterhin Unterschiede zwischen beiden Schulen geben, angefangen bei der Inklusion bis hin zum gebundenen Ganztag der Gemeinschaftsschule, wo die Kinder in jedem Fach auf anderem Niveau lernen könnten. Dagegen werden die Klassenarbeiten an der Realschule, deren Ziel mittlerer Bildungsabschluss bedeute, von allen auf gleichem Niveau geschrieben.

In seinem Schlusswort erklärte Klaus Käppeler, dass sich die Stadt glücklich schätzen könne, zwei solchen Schulen zu haben, die dabei seien, neue Wege zu gehen. Beide Schultypen würden sich aufeinander zubewegen, so sein Eindruck.

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