Immer einen Plan B haben

Tiflis.  Ehingerin Kerstin Unseld lehrt in Georgien Deutsch und hat trotz Stromausfällen viel Spaß dabei. Ihr Mann arbeitet in der Botschaft in Tiflis. Bald kehren sie zurück nach Deutschland: Das erste Kind ist unterwegs.

"Es ist echt cool, ich hatte wirklich Glück", sagt die Ehingerin Kerstin Unseld, geborene Bieger, die seit dreieinhalb Jahren in Tiflis Kindern Deutsch beibringt. Ihr Mann Dennis, der nach dem Studium beim Auswärtigen Amt in Berlin ausgebildet wurde, bekam dort für vier Jahre einen Job in der Verwaltung der deutschen Botschaft. Die Pädagogin bewarb sich bei der der Zentralstelle fürs Auslandsschulwesen in Köln erfolgreich für Tiflis.

Unselds Schule ist die 20. öffentliche Schule im Zentrum von Tiflis - dort erhalten 1200 Kinder von Klasse 1 bis 12 kostenlos ihre Allgemeinbildung. Der Unterricht geht erst um 9 Uhr morgens los, "mir liegt das, und es ist vor allem für die kleinen Kinder viel besser." Bis 15 Uhr geht der Unterricht, danach investieren die Schüler viel Zeit in Privatunterricht. "Meine Schüler sind super, sie kommen teils extra wegen Deutsch an unsere Schule. Sie wollen lernen und sind unheimlich sprachbegabt." Als deutsch-deutsche Lehrerin unterrichtet Unseld erst von Klasse sechs an, wenn die Kinder bereits Deutsch können. Es gibt eine deutsche Theater-AG und einen deutschen Debattierclub.

Die Bedingungen in Georgien sind zugegebenermaßen "schon ein bisschen widrig", sagt Unseld. Das Leben laufe ein bisschen langsamer, und "man muss immer einen Plan B haben." Fällt der Strom während einer langen abendlichen Prüfung aus, ist man schon vorab mit Taschenlampen ausgerüstet. Stromausfälle sind an der Tagesordnung, also müssen auch zuhause im Winter immer Wolldecken und Gasheizer bereitstehen. Warmes Wasser wird damit ebenso zum Problem, wenn man wie Unseld einen Boiler in der Wohnung hat. Zum Gesundheitssystem sagt die 31-Jährige: "Es gibt sehr gute Ärzte hier, aber am besten wirst du nicht krank."

Trotzdem überwiegen die schönen Seiten von Tiflis, sagt die Lehrerin: "Das Zentrum ist sehr schön, das Essen ist super und reichlich, und wir haben hier viele Freunde gefunden". Die Georgier seien sehr gastfreundlich und Deutschland-freundlich, "die deutsche Hausfrau wäscht am weißesten, und deutsche Pünktlichkeit und Ordnung gilt hier als absolute Tugend". Viele deutsche, donauschwäbische Dörfer gebe es rund um Tiflis, und viele Ältere sprächen eher Deutsch als Englisch. Immer ist Unseld verblüfft, wenn sie plötzlich jemanden Deutsch im Supermarkt oder der U-Bahn sprechen hört.

Selbst das Georgische zu lernen, "dazu ist meine Motivation geschrumpft", sagt die Lehrerin. Die Sprache sei kompliziert, besitzt eine eigene Schrift, und es sprechen sie nur vier Millionen Menschen. "Aber ein bisschen verstehe ich inzwischen." Zur Fasnetszeit organisiert die Botschaft stets "eine Karnevalsparty, was für mich schrecklich ist, weil es eben keine Fasnet ist". Die Geste sei aber nett. Ein bisschen Heimat bedeutet dem deutschen Paar auch ihr Sennenhund Louis, der "alle Sprachen versteht". Straßenhunde gebe es nicht mehr so viele, seit einer großen "Säuberungsaktion". Sicherer sei die Stadt geworden, vor 2006 waren alle Kollegen in ihrer Zeit in Tiflis ausgeraubt worden, hatte sie erfahren.

"Es ist ein Land im Umbruch", sagt die junge Frau. Präsident Micheil Saakaschwili habe vieles verschönert und Fortschritt gefördert, aber Korruption sei immer noch ein großes Problem, die politische Lage nicht gerade stabil, die Bevölkerung sehr arm. "Oft werden Entscheidungen schnell getroffen, so wurde 2011 das allgemeinbildende Abitur eingeführt, aber vorbereitet wurde das nicht gut." So mussten die Schüler privat Chemie und Physik pauken, um die Prüfungen zu schaffen.

Ende April geht es für Kerstin Unseld wieder nach Ehingen, "auch wenn es mir sehr schwer fällt, die Schüler zu verlassen": Sie will hier ihr erstes Kind austragen, und ihre Zeit in Georgien ist nach dem Schuljahr ohnehin vorbei. "Es war ein Abenteuer. Aber auch ein sehr lehrreiches." Sie wird mit ihren Schülern übers Internet in Kontakt bleiben und den vieren, die für ein Stipendium in Deutschland nominiert worden sind, die Daumen drücken. Nach einem Jahr Pause soll der nächste Auslandsdienst folgen. Wohin, weiß Unseld noch nicht.

Info Mehr über die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes in Köln auf www.auslandsschulwesen.de


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Autor: KARIN MITSCHANG | 04.02.2012

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