Fit für den deutschen Sprachtest
Münsingen. Alles ist anders als in der Schule und doch steht das Lernen im Mittelpunkt. Beim Integrationskurs der Volkshochschule wird Deutsch gepaukt, erstmals gibt es parallel dazu eine Betreuung für die Kinder der "Schüler".
Louis ist zwei Jahre alt. Er plappert die ersten Worte nach - französische, wenn er seinen Papa hört, portugiesische, wenn seine Mama, die aus Brasilien stammt, mit ihm spricht und deutsche, wenn er im Kinderzimmer der Münsinger Volkshochschule mit seiner Tagesmutter Edith Vöhringer zusammen ist. Einer späteren internationalen Karriere dürfte damit nichts mehr im Wege stehen.
Doch so weit ist es noch lange nicht. Erst ist die Mutter am Zug. Sie besucht seit Oktober vergangenen Jahres den Integrationskurs, den die VHS im Alten Rathaus anbietet. 600 Unterrichtseinheiten mit je 45 Minuten dienen dem Erlernen der deutschen Sprache, 45 Einheiten befassen sich mit Geschichte, Politik und dem Rechtssystem. Wer am Ende das Level "B1" erreicht, ist fit für den Einbürgerungstest, der Voraussetzung für die deutsche Staatsbürgerschaft ist.
Seit viele Spätaussiedler nach Münsingen gezogen sind, ist die Sprachförderung fester Bestandteil des VHS-Programms. Inzwischen ist die Zielgruppe breit gefächert und verlangt Differenzierung. Doch genau an diesem Punkt kommt die vhs an ihre Grenzen. Mitarbeiterin Tanja Kieser stellt eine heterogene Gruppe zusammen und bereitet ein Angebot vor, das möglichst viele Ansprüche abdeckt. Anderes sei diese Aufgabe im ländlichen Raum gar nicht zu meistern.
Der aktuelle Kurs verlangte besonders viel Organisationstalent und die Überwindung bürokratischer Hürden. Erstmals wurde ein Spezialkurs für Eltern ausgeschrieben, für den sich 13 Teilnehmer angemeldet haben. Drei der Migranten passen nicht ins Schema, weil sie keine Kinder haben.
Erst nach viel Überzeugungsarbeit bei den Behörden konnten auch deren Aufnahmeanträge positiv beschieden werden. Inzwischen, so Tanja Kieser, hätten die Abgeordneten des Landkreises dieses Problem erkannt und beim Innenministerium vorgesprochen, damit in Zukunft die Regeln vereinfacht werden.
Wer einen Integrationskurs erfolgreich beendet, kann den geforderten Aufenthalt in Deutschland bei einer gewünschten Einbürgerung um 12 Monate auf sieben Jahre verkürzen. Nicht in jedem Fall ist dies das Ziel. So nennt Olga, die ihren russische Staatsangehörigkeit aufgeben würde, vor allem die hohen Gebühren als Grund, warum sie vorerst nicht wechseln will.
"Ganz o.k", findet es Stella aus Polen, wenn strenge Richtlinien gelten und Migranten ihre Deutschkenntnisse und sonstiges Wissen über das Land belegen müssen. Ihr Ziel ist es, deutsche Staatsbürgerin zu werden, zumal ihre jüngste Tochter schon bestens integriert ist. "Sie will immer nur deutsch reden, nicht polnisch." Das ist typisch für viele Familien. Die Kinder passen sich den äußerem Umständen an, die Erwachsenen tun sich oft schwerer - wenn sie nicht ausreichend motiviert sind.
An Einsatzfreude fehlt es Arturo nicht, der erst vor wenigen Monaten aus Mexiko nach Münsingen gezogen ist und hier mit seiner deutschen Frau lebt. Er möchte sich möglichst bald in der neuen Sprache unterhalten können und drückt dafür gerne die Schulbank im Alten Rathaus. "Hier wird viel gelacht, es herrscht eine entspannte Atmosphäre", sagt Irmgard Wezel, eine erfahrene Lehrerin, die abwechselnd mit Katharina Assenheimer im Auftrag der VHS unterrichtet. Ihre Schüler kommen aus dem türkischen, polnischen, russischen, spanischen, albanischen, portugiesischen und arabischen Sprachraum, sind sehr unterschiedlich, auch was die Deutschkenntnisse anbelangt. Diese Buntheit der Erfahrungen und Kulturkreise wirkt sich positiv aus, dann zum Beispiel, wenn "sehr lebendig" diskutiert wird.
Louis, Maiden, beide 2 Jahre, und Melin (10 Monate) kümmert das wenig. Für sie wurde neben den Geschäftsräumen der Volkshochschule ein gemütliches Zimmer eingerichtet, in dem sie von Edith Vöhringer betreut werden und nebenbei spielerisch das lernen, was ihre Eltern einen Stock tiefer mühsam pauken - die deutsche Sprache.
Info
Integrationskurse werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Jedes Unterrichtsmodul mit jeweils 100 Einheiten (45 Minuten) kostet 100 Euro. Anträge auf Kostenbefreiung sind möglich. Weitere Infos unter www.integration-in-deutschland.de oder bei der VHS Münsingen, Telefon: 0 73 81/38 44, Fax: 0 73 81/6 38 92, Info@vhs-muensingen.de
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Autor: GUDRUN GROSSMANN | 12.03.2010
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