Der "Schuhkonflikt" und die unangenehmen Folgen

Münsingen.  Große Resonanz fand der Patienteninformationstag der Abteilung Unfallchirurgie/Orthopädie in der Münsinger Albklinik: Es ging um Erkrankungen des Vorfußes und um angewandte Therapien.

Die Deformierung des Fußes geht oft mit Beschwerden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher und führt die Betroffenen zum Arzt. Die häufigsten Krankheitsbilder, deren Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten stellten Chefarzt Dr. Klaus Kolb und Oberarzt Dr. Eberhard Rall den Besuchern vor.

Mit 270 Millionen Schritten führt der Fuß den Menschen im Lauf des Lebens etwa vier Mal um die Erde und hält dabei circa 1000 Tonnen Belastung aus, erläuterte Dr. Kolb bei der Vorstellung von Vorerkrankungen und konservativen Behandlungsmöglichkeiten.

Insgesamt 26 Knochen, 33 Gelenke, 100 Bänder und 20 Muskelgruppen und das Fußgewölbe leisten diese gigantische Arbeit. Anlagebedingte Veränderungen, die Abnahme der Belastbarkeit des Fußgewölbes und Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes oder Gicht können zu Fußdeformitäten führen. Viele Beschwerden kommen jedoch auch durch den so genannten "Schuhkonflikt", einer Zivilisationskrankheit, die durch das Tragen zu enger, hoher und langläufig deformierender Schuhe kommt.

Der "Ballenzeh" Hallux valgus mit eingedrehter Großzehe, Hammer-, Krallen und Klauenzehen sind die häufigsten Vorfußdeformitäten, aber auch Achillessehnenprobleme, Nervenentzündungen und Einengungen können den Arztbesuch notwendig machen.

Zu Diagnostik, Behandlung und Schweregradeinteilung sind umfassende und ausführliche Untersuchungen notwendig, die Dr. Kolb eingehend erläuterte. Der Hallux valgus wird nur im Schmerzfall operiert, ohne Beschwerden kann er wie die weiteren Deformitäten mit mannigfachen konservativen Behandlungsmöglichkeiten therapiert werden: Manuelle Therapie kommt ebenso zur Anwendung wie verschiedene Verbandstechniken oder Orthesenbehandlung, Elektro- und Ultraschalltherapien wirken abschwellend und schmerzlindernd, Fußpflege sowie orthopädische Einlagen und Schuhe sind ebenso bewährte konservative Möglichkeiten wie die medikamentöse Behandlung. Ergibt sich jedoch bei den Untersuchungen ein nicht konservativ zu behandelndes Erkrankungsbild, kommt es zu operativen Korrekturen, die von Dr. Rall vorgestellt wurden. Er erläuterte anhand klinischer Beispiele, schwerpunktmäßig im Fall des Hallux valgus, die verschiedenen Schweregradformen, stellte neue Operationsmethoden und Materialien vor, veranschaulichte das Vorgehen anhand intraoperativer Aufnahmen und zeigte postoperative Erfolge auf .

Mit zwei bis drei Tagen Krankenhausaufenthalt muss der Patient im Operationsfall rechnen, zur Nachbehandlung wird ein Verbandschuh verordnet, der zwischen sechs und acht Wochen zu tragen ist und sofortige Belastung des Fußes zulässt. Trotz der modernen und schnellen Behandlungsmethode warnten beide Mediziner davor, den Eingriff auf die leichte Schulter zu nehmen. Der rund einstündige Eingriff birgt wie alle Operationen Risikofaktoren wie Wundheilungsstörungen oder Gefäßverletzungen, die Gesamtheilungszeit bis zu vollständigen Wiederherstellung ist mit etwa drei Monaten anzusetzen.

Der übliche Weg zur Beratung und Behandlung in den Kreiskliniken führt über Hausarzt und Orthopäden in die orthopädisch-unfallchirurgische Sprechstunde.

Weitere wertvolle Informationen hielt im Anschluss an die Vorträge das Sanitätshaus Brillinger bereit. Mit Fachleuten waren sie vor Ort und gingen auf Fragen und Probleme der vielen 50 Besucher ein. Zudem war eine Ausstellung mit Hilfsmitteln vorbereitet.


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Autor: HEIKE FEUCHTER | 22.02.2012

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