Den Ernstfall geprobt
Hayingen. Mit elf Höhlenrettern, darunter drei Höhlentauchern, probte die Malteser Höhlenrettung an und in der Wimsener Höhle den Ernstfall. Zum Einsatz kam dabei auch das erste Höhlenrettungsfahrzeug Deutschlands.
Als "ideales Übungsobjekt" bezeichnete Nils Bräuning, Einsatzleiter bei der Malteser Höhlenrettung, die Wimsener Höhle. Hier war er mit zehn weiteren Mitgliedern der Malteser Höhlenrettung am Samstagabend zu einer groß angelegten Übung angereist. Mit am Start war das nagelneue Höhlenrettungs-Einsatzfahrzeug, das erste seiner Art in ganz Deutschland. Simuliert wurde die Beinverletzung eines Höhlenforschers, die ein eigenständiges Verlassen der Höhle durch den Patienten unmöglich machte. Es kommt nicht allzu oft zu Höhlenrettungs-Einsätzen, berichtete Bräuning. Wenn es aber soweit ist, dann sind diese in der Regel weit schwieriger und langwieriger als solche etwa durch Unfälle, die sich Wanderer oder Bergkletterer zuziehen. Gerade in Höhlen wie dem Mordloch oder der Falkensteiner Höhle kann sich ein Unfall kilometerweit vom Eingang entfernt ereignen, was eine Rettung deutlich erschwert, zumal, wenn Tauchstrecken zu überwinden sind.
Die Wimsener Höhle ist für eine Rettungsübung bestens geeignet, weil sie wasserführend ist. Rund 80 Meter weit kann man mit einem Kahn hineinfahren. Für die normalen Höhlenbesucher ist dann Schluss, ausgestiegen wird nicht. Die Höhlenretter aber hatten anderes im Sinn. Sie wollten Verschiedenes ausprobieren, wie Nils Bräuning verriet. Etwa die Tauglichkeit und Schwimmfestigkeit ihrer speziellen Hartschalentragen, auf denen mögliche Patienten festgezurrt werden. Oder das Durchtauchen eines Syphons, also einer wasserführenden Strecke zwischen zwei trockenen Passagen. Diesen gibt es in Wimsen gleich im Anschluss an die Schauhöhle, er ist gut fünf Meter lang, aber "ganz schön verzwickt". Bräuning: "Einige von uns haben das Tauchen noch nicht probiert und sollen da jetzt behutsam herangeführt werden."Höhlenrettung ist aber noch weit mehr: Es gilt jede Menge Material über oft höchst unwegsame und enge Strecken zu transportieren. Auch dabei bedarf es der Übung. Wärmepacks, passiver Wärmeschutz, Kleidung, Nahrungsmittel: Vor allem die Unterkühlung der Verunglückten stellt das größte Problem bei Rettungsaktionen dar. In den Höhlen herrschen konstant 7 bis 8 Grad Celsius. So lange man in Bewegung ist, friert es den Höhlenforscher nicht, aber sobald zwangsläufig Stillstand herrscht, wird es schnell empfindlich kalt.
400 Kilogramm an Ausrüstung führen die Malteser Höhlenretter in ihrem Ford Transit mit. Diese ist wasserdicht in spezielle Schleifsäcke verpackt. Sie enthält neben Rettungsdecken, Wärmebeuteln, Wärmezelt und Schlafsack auch Nahrungsmittel und Getränke, Materialien zur Versorgung von Brüchen und Wunden, aber auch ein Monitoring zur Überwachung der Herz- und Kreislaufaktivität. Nicht fehlen darf aber auch technische Ausrüstung wie Seile, Flaschenzüge und Gerätschaften zur Gesteinsbearbeitung, etwa um Engstellen erweitern zu können, aber auch Grubentelefone, um die Kommunikation zwischen Einsatzfahrzeug und Höhlenrettern zu ermöglichen. Stromgeneratoren, GPS-Geräte, Bohrmaschinen sind weitere Ausstattungsdetails. Nicht fehlen darf der Einsatzleiterbereich mit den Plänen sämtlicher Höhlen Deutschlands, mit Laptop und Funktechnik.
Solchermaßen ausgestattet ist die Malteser Höhlenrettung gewappnet für alle Eventualitäten. Ein bis zwei Mal pro Jahr ist eine Rettungsaktion in Baden-Württemberg fällig. Meistens hat sich ein Höhlenforscher den Fuß oder auch die Schulter verstaucht. Spektakulärer sind die Fälle, in denen Höhlenbesucher von Hochwasser eingeschlossen werden. Gelegentlich ists auch blinder Alarm, etwa bei Überfälligkeitsmeldungen. "Wir freuen uns aber in jedem Fall, wenn wir den Vermissten am Höhleneingang begrüßen können", sagt Bräuning.
Am Samstag waren es - zumindest solange es hell war - keine Vermissten, sondern immer wieder Zuschauer, die die ungewohnten Aktivitäten um die Höhle herum bestaunten.
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Autor: REINER FRENZ | 10.05.2011
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Der "Patient" ist in der Hartschalentrage festgezurrt und wird von den Rettern aus der Wimsener Höhle gebracht.
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