Bobbele, Papst, Bundestrainer und mehr in einer Person
Münsingen. Alle 30 Sekunden ein Lacher? Das schafft Andreas Müller, der Mann mit den 1000 Stimmen. Er imitiert, parodiert, politisiert, karikiert, musiziert. Am Samstag hatte sein neues Programm Premiere in Münsingen.
Premiere in Münsingen? Davon habe ich nichts gehört und nicht gelesen, wird sich der eine oder andere Leser fragen. Kein Plakat, keine Anzeige machte im Vorfeld Reklame für dieses Event im Offizierskasino der ehemaligen Soldatensiedlung im Alten Lager. Kein Wunder. Zu dieser exklusiven Veranstaltung lud der Radiosender SWR3 ein, der 100 Tickets unter seinen Hörern verlost hatte. Anfahrtswege bis zu 460 Kilometer wurden von den Fans in Kauf genommen, um Andreas Müller mit seinem neuen Zwei-Stunden-Programm live auf der Bühne zu erleben.
Antreten zum Lachmuskeltraining, so lautet das Motto in dem alten Gemäuer, wo 105 Jahre lang das Militär das Sagen hatte. "Früher waren hier die Königstruppen die Herren im Haus, heute sind es die Biologielehrer", scherzt Müller gleich zu Beginn. Der 1,91 Meter Großimitator ist nicht nur ein genialer Humorist. Er ist Comedian, Kabarettist, Satiriker, Stimmenimitator und Musiker in einer Person.
Und alle bekommen an diesem Abend ihr Fett weg. Nicht nur der Bundespräsi, auch der "Konsonantenmörser" FDP-Mann Brüderle, die CDU-Frau Gönner, die immer noch auf einen Posten in Berlin "schielt", und Lafontaine, der als Vorreiter bei den Linken höchstpersönlich dafür sorgt, dass die Frauenquote, dank Sarah Wagenknecht, jetzt auf sensationelle fünf gestiegen ist. Über Kretschmann erfahren die Gäste, dass er schneller denken als reden kann, bei Oettinger war das gerade anders herum. Zum aktuellen Thema Burnout weiß Müller zu berichten, dass kürzlich ein Backofen zum Arzt ging, um ihm mitzuteilen, dass er ausgebrannt sei. Und jetzt wissen wir auch, weshalb der ehemalige Bundeskanzler Schmidt nicht mehr als Bundeskanzler antritt: weil derzeit ein Rauchverbot am Arbeitsplatz im Gespräch ist.
In Sekundenbruchteilen beamt sich Müller in die verschiedensten Charaktere: Ob Merkel, Schröder Kohl, Westerwelle, Schwarzenegger, Matthäus, Calmund oder Lafer - er kann sie alle. Original, live und ohne doppelten Boden. Alle werden mit seinem Wort-, Musik- und Bildscanner ganzheitlich durchleuchtet. Müller spricht und im Hintergrund ist der jeweilige Promi im Film zu sehen. Müller hat nicht nur die Stimmen intus, auch Mimik und Gestik passen zu 100 Prozent. Einfach genial.
Natürlich hat er auch den Grönemeyer drauf. Der ist einfach, meint der Comedian. "Bei dem muss ich nur ein paar Laute ins Mikro brüllen." Müller weiß, dass Grönemeyer absichtlich so undeutlich singt. Das kurble den CD-Verkauf an. "Erst wenn die Fans das Booklet lesen, wissen sie, was der Herbert überhaupt singt."
Müller lässt es sich nicht nehmen, arglos über die Seitenbacher-Werbung ("Seitenbacher-Müsli, woisch, des isch des Müsli von dem Seitebacher") herzuziehen, wohl wissend, dass Herr Seitenbacher, der im wahren Leben Willi Pfannenschwarz heißt, im Publikum sitzt. Aber auch Sonja aus Leonberg, die kurzerhand und ohne Vorwissen Udo Lindenberg bei seinem neu aufgelegten Hit mit dem Cello begleitet, erhält tosenden Applaus, obwohl sie Töne auf dem Instrument in keiner Weise trifft.
Natürlich schaut Müller auch im "Klinscamp" und bei "Jogis Jungs" in Münsingen vorbei. Außerdem präsentiert er die Wortverdreher-Comedy "Tuten Gag". Nach zwei Stunden neigt sich die Show mit einem grandiosen Finale dem Ende zu. Zur Musik von "We are the world" treten noch einmal 40 Promis, vom Bobbele bis zum Papst, der Reihe nach auf.
Um es in der Soldatensprache auf den Punkt zu bringen. Müllers neue Show ist garantiert kein Blindgänger. Im Gegenteil. Sie schlägt mit voller Wucht ins Ziel ein.
Bis Ende des Jahres ist Müller in 44 Städten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unterwegs. Es lohnt sich, schnell Karten zu kaufen. Einige der Veranstaltungen sind bereits jetzt schon ausverkauft.
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Autor: JOACHIM LENK | 17.01.2012
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Auch Udo Lindenberg hat Andreas Müller in seinem Repertoire. Unterstützt wurde er dabei von Sonja aus Leonberg, die kurzerhand und ohne Vorwissen Cello spielen durfte. Foto: Joachim Lenk
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