"Basis des Vertrauens herstellen"

Ulm.  Emmanuel Nahshon, Gesandter der Botschaft Israels in Deutschland, sieht ausschließlich in einer Zwei-Staaten-Lösung einen Ausweg aus der verfahrenen Situation im Nahen Osten: in den Staaten Israel und Palästina.

. Vor gut einem Jahrzehnt, so schilderte Emmanuel Nahshon, der auf Einladung der hiesigen Deutsch-Israelischen Gesellschaft nach Ulm gekommen war, standen sich Israelis und Palästinenser noch nicht so sprach- und verständnislos gegenüber wie heute. Damals existierte ein Austausch zwischen beiden Bevölkerungsgruppen in Israel und den besetzten Gebieten. Man begegnete sich während der Arbeit. Die eine Bevölkerungsgruppe kaufte bei der anderen ein.

Der Kontakt sei mittlerweile weitgehend unterbrochen. An genau dieser Stelle erkennt Nahshon denn auch den größten Mangel, um zu einer Lösung der massiven Probleme im Nahen Osten zu kommen. Vier von fünf Israelis sähen nur dann eine sichere Zukunft für sich und ihre Region, wenn Israelis und Palästinenser künftig in zwei separaten Staaten leben, sagte er während eines Gesprächs mit Redakteuren der unserer Zeitung. Gleichzeitig misstrauten aber vier von fünf Israelis den Palästinensern. Folglich sei es das Wichtigste, "eine Basis des Vertrauens herzustellen". Freilich: Nahshon, der als zweiter Mann im zweitgrößten Konsulat Israels auf der Erde, dem Berliner, arbeitet, erkennt in dieser Tatsache weniger eine Schuld seines Volkes. Auch nicht in dessen Siedlungspolitik und der Mauer, die beide Bevölkerungsgruppen voneinander trennt. Israel habe schon mehrfach Siedlungen aufgegeben. Seit die Mauer stehe, verübten Palästinenser so gut wie keine Selbstmordattentate mehr gegen Israelis. Den Palästinensern im Westjordanland gehe es heute besser denn je zuvor. Aber sie zeigten sich äußerst zurückhaltend; mit der Hamas, der politischen Vertretung der Palästinenser im Gaza-Streifen, lehne Israel den Dialog ab.

Die Palästinenser hätten nie einen eigenen Staat besessen. Jetzt hätten sie die Chance dazu. Für einen gemeinsamen Staat mit ihnen sieht Nahshon keine Chance. "Ein Staat wäre eine Tragödie." Wäre der demokratisch, argumentiert er, so würden die geburtenfreudigen Palästinenser bald die Mehrheit stellen. In einem nichtdemokratischen, nicht westlich ausgerichteten Staat möchten die Israelis nicht leben.

Nahshon, der nach einem Empfang von Bürgermeister Ivo Gönner im Rathaus abends im Studio der Sparkasse zum Thema "Strategische Perspektiven für Israel und den Nahen Osten" referierte, meint, dass beide Seiten "Träume aufgeben" müssen, um zueinander zu finden. Die Juden den Traum etwa, im gesamten Land siedeln zu können, dem die Könige David und Salomon Glanz verliehen und in dem sich die biblischen Geschichten abgespielt haben. Die Palästinenser den Traum, dass alle ihre Flüchtlinge, die heute in den Nachbarländern leben, jemals nach Israel zurückkehren werden.


Kommentare (1)

12.03.2010 11:33 Uhr |   Emuna

Plötzlich friedliebend?

„Seit die Mauer stehe, verübten Palästinenser so gut wie keine Selbstmordattentate mehr gegen Israelis.“ Das hört sich gut an, entspricht aber nicht den Tatsachen. Will der Bericht hier dem Leser einen plötzlichen moralischen Wandel der Palästinenser vormachen? Ist es nicht eher so, dass seit die Mauer steht, können alle versuchten Selbstmordattentate der Palästinenser vor ihrer Ausführung verhindert werden. Über all die verhinderten Attentatsversuche, wird in unseren Qualitätsmedien ja nicht berichtet.
Man sieht immer wieder: auf kleine Nuancen in der Formulierung kommt es schon an, welche Message transportiert wird.

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