Auf den Hund gekommen
Auingen. Mit der "Tiergestützten Intervention" startet diese Woche ein zusätzliches Vorschulangebot des städtischen Kindergartens "Im Apfentäle". Leonie und Joschy sind die neuen Lieblinge der Kids.
Die Ausbildung von Erzieherin Liane Breitinger zur "Tiergestützten Therapeutin" ermöglicht diese Bereicherung des Einrichtungsprofils. Die blonde Leonie und der schwarze Joschy fühlen sich im Kindi sichtlich wohl. Einmal wöchentlich werden sie nun in der wissenschaftlich anerkannten Methode eingesetzt. Bei einer Elterninformationsrunde wurde das Projekt im Vorfeld ausführlich beleuchtet. Die Tiergestützte Intervention (TGI) beinhaltet Maßnahmen, bei denen durch gezielten Einsatz des Tieres positive Auswirkungen auf Erleben und Verhalten von Menschen erzielt werden sollen.
Die therapeutische Wirkung des Bindungspartners Tier auf Kinder entfaltet sich vielschichtig: emotionaler Ausgleich, positive Erfahrungen und soziale Fähigkeiten werden gewonnen, laute Kinder werden ruhiger und die Ruhigen aus der Reserve gelockt. Zusätzlich werden auch verschiedene Techniken aus Kommunikation und Interaktion der basalen Stimulation und Lernpsychologie eingesetzt. Der Hund ist, obwohl im Mittelpunkt stehend, nur begleitendes und unterstützendes Mittel der Intervention, die Hauptaufgabe liegt bei der Erzieherin, die Kind und Tier beobachtet, Ressourcen und Schwächen erkennen kann sowie Ängste, Stress, Überforderung oder Wohlfühlen beider Partner wahrnimmt.
Die Kinder erfahren durch Tiergestützte Aktivitäten Selbstbewusstsein, Kommunikation und Sprachförderung, Sozialverhalten, Eigenständigkeit und Wahrnehmung in allen Sinnesbereichen. Sie gewinnen Kompetenzerfahrungen, lernen das Lebewesen Tier und seine Bedürfnisse wertschätzen und die nonverbale Kommunikation sowie die eigene Körpersprache kennen.
Was sich auf dem Papier vielleicht trocken liest, kommt in der Praxis äußerst lebendig daher. Nach Erlernen der 12 goldenen Hunderegeln geht es mit vielfältigen Aktionen ans sinnliche Erleben, an Körperarbeit und Konzentration: Ertasten der Hunde mit geschlossenen Augen, Leckerlis riechen lassen, Geräusche des Tiers wahrnehmen, körperliche Kontakte durch Kriechen und Krabbeln, massieren und streicheln. Bewegung und Koordination werden mit Anwendung von Futterwerkzeugen oder Durchführung von Einzelübungen wie Spring- und Slalomaufgaben für den Hund gefördert, emotionale Stabilisierung wird mit Kompetenzerfahrungen durch führbare Übungen, Rollenspiele und Biografiearbeit vertieft, das Ansprechen der Tiere mit verschiedenen Lautstärken und Kommandos und Situationsbeschreibungen fördern die Kommunikation, Quiz und Tierrassenübungen trainieren das Gedächtnis.
Dem Beginn der TGI ging eine umfangreiche Planungsphase voraus: Die private berufsbegleitende Wochenendausbildung von Liane Breitinger am Institut für Tiergestützte Therapie in Freiburg, Hundeausbildung, Teamentschluss fürs Projekt, Anfrage beim Träger Stadt Münsingen um Erlaubnis der Tierarbeit in der Einrichtung, Erstellung von Konzeption und Hygieneplan, Einverständnis der Eltern und Feststellung der Allergiefreiheit der beteiligten Kinder.
Viel Arbeit, aber nun geht es los mit dem Hundeduo. Die beiden putzigen Mischlinge ergänzen sich optimal: Joschy ist arbeitsfreudig und lebhaft- der Hund für Aktivität, die schon ältere Leonie bildet als Kuschelhund zum Streicheln und lieb haben den ruhigen Gegenpol. Und beide bringen die Voraussetzungen für Therapiebegleithunde in Form von Erfahrungssystemen wie Menschenmassen, engen Verhältnissen oder Schrecksituationen mit, sie sind leinenführig, lassen sich von jedem überall berühren, beherrschen die Körpersprache und haben ein vertrauensvolles Verhältnis zum Hundeführer. Beide haben bei der Projektvorstellung mit ihrer gewinnenden Art die Herzen der Eltern erobert - die von den Kindern gehören ihnen durch vorhergehende Besuche schon längst. Aber trotz aller Vorfreude ist Liane Breitinger eins wichtig: "Das Projekt ist ein Angebot, keine Pflicht. Bestehen Ängste oder Bedenken seitens Kind oder Eltern, verbleibt das Kind während der Hundearbeit in der Obhut der Kolleginnen."
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Autor: HEIKE FEUCHTER | 20.10.2010
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Die Hunde Leonie und Joschy werden im Kindergarten heiß geliebt. Foto: Heike Feuchter
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