Altersvorsorge macht Schule
Münsingen. Wer sich im Alter auf die gesetzliche Rente verlässt, der wird seinen Lebensstandard wohl drastisch einschränken müssen. Gut, wer dann private Altersvorsorge getroffen hat. Kurse zeigen, wie das gehen kann.
Die gesetzliche Rente ist und bleibt für den größten Teil der Bevölkerung die wichtigste Einnahmequelle im Alter. Doch seit Jahrzehnten schon ist klar, dass sie allein als Alterssicherung nicht mehr ausreichen wird. Rückläufige Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung senken das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente in Zukunft, umso wichtiger ist es, schon in jungen Jahren vorzusorgen. Mit der bundesweiten Bildungskampagne "Altersvorsorge macht Schule" will die Deutsche Rentenversicherung neutral und anbieterunabhängig über Möglichkeiten der privaten und betrieblichen Zusatzversorgung informieren, so auch im Einsteigerkurs Münsingen, bei dem die Teilnehmer von Julia Greiner einen schnellen Überblick über das Thema erhielten.
"Altersvorsorge muss sinnvoll gestaltet und den individuellen Ansprüchen angepasst sein", betonte die Referentin am Dienstagabend im Alten Rathaus. Sie könne nur auf die Notwendigkeit einer Zusatzvorsorge und auf mögliche Wege hinweisen, aber dies alles sei nur ein Kratzen an der Oberfläche, für näher Interessierte biete sich die Gelegenheit, einen Intensivkurs zu besuchen. Einen "Königsweg" der privaten Vorsorge gebe es nicht, jeder müsse für sich nach Abwägung seiner persönlichen Umstände hinsichtlich Sparverhalten oder Risikobereitschaft selbst entscheiden, welche Altersvorsorge für ihn am geeignetsten scheint.
Klar jedoch ist, so machte Greiner deutlich, dass ein früher Start sich immer auszahlt: Wer bereits mit 20 Jahren in die private Altersvorsorge investiert, der profitiert von staatlichen Förderungen und Zinsen am meisten. Zunächst jedoch sollte man sich einen Überblick darüber verschaffen, mit welcher gesetzlichen Rente zu rechnen ist. Hier dient die Renteninformation, die von der Deutschen Rentenversicherung jährlich zugesandt wird, als wichtiger Ausgangspunkt für die Vorsorgeplanung.
Als Lebensstandardversicherung seien rund 80 Prozent des heutigen Nettoeinkommens maßgebend, meinte Greiner. Diese persönliche Versorgungsanalyse zeigt auf, wie groß die Versorgungslücke im Alter ist und legt fest, was zusätzlich erbracht werden muss. "Berücksichtigt werden muss auch, wie im Alter gewohnt wird, ob man aktiv leben möchte und vielleicht Medikamente braucht." Dabei darf der Inflationsausgleich nicht außer Acht gelassen werden, so dass eine Versorgungslücke von heute 200 Euro einem Betrag von 320 Euro im Jahr 2042 entspricht.
Das Bewusstsein um die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge steigt zunehmend, doch häufig lässt es der finanzielle Spielraum kaum zu, etwas für spätere Zeiten abzuzwacken. "Erst wenn klar ist, wie viel aufgewandt werden kann, beginnt die Auswahl der Produkte", zeigte Greiner auf. Transparent sollten die Produkte auf jeden Fall sein und man müsste auch Kosten und Gebühren, Anlagerisiko, Anrechnungs- und Pfändungsschutz, Rentabilität und Einzelfallprüfung im Auge haben.
Zur Auswahl stehen Versicherungs- und Bankprodukte aber auch Immobilien, die sowohl selbst genutzt als auch vermietet oder verrentet werden können. Seit Anfang 2002 fördert der Staat die zusätzliche Altersvorsorge mit der "Riester-Rente". Förderberechtigt sind grundsätzlich alle, die von der Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus betroffen sind, so pflichtversicherte Arbeitnehmer, Mütter und Väter während der ersten drei Erziehungsjahre oder auch Ehepartner von förderberechtigten Personen.
Zu leisten ist ein Mindesteigenbetrag, der sich individuell errechnet. Insbesondere bei Geringverdienern wirkt sich die steuerliche Förderung vor allem durch den Erhalt der Zulage aus. Auch Familien mit Kindern profitieren von dieser Förderung. Eine neue Form der privaten Leibrentenversicherung ist die "Rürup-Rente". Sie steht als dritte Möglichkeit einer staatlich geförderten Altersvorsorge neben der "Riester-Rente" und der betrieblichen Altersvorsorge, auf die jeder Arbeitnehmer grundsätzlich ein Recht hat.
Zu beachten ist hier allerdings, dass auf alle Leistungen die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen sind. Festzuhalten gilt, dass wer eine gute private oder betriebliche Altersvorsorge hat, diese zusammen mit der gesetzlichen Rente dazu beiträgt, dass die Versicherten, die in den kommenden Jahrzehnten in Rente gehen, über einen angemessenen Lebensstandard im Alter verfügen können.
Für den besten Durchblick sorgt ein Intensivkurs, bei dem in zwölf Unterrichtsstunden zu erfahren ist, wie sich staatliche Fördermöglichkeiten optimal nutzen lassen, welche Grundregeln bei Geldanlagen zu beachten sind und wie bei einem Vertragsabschluss das Beste herauszuholen ist.
Info
Weitere Auskünfte und Beratungen über Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, Regionalzentrum Reutlingen, Ringelbachstraße 15,
72760 Reutlingen, Telefon: 0 71 71/20 37-0.
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Autor: MARIA BLOCHING | 20.03.2010
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Julia Greiner gab den Teilnehmern am Kurs von Volkshochschule und Rentenversicherung einen Einblick in sinnvolle Altersvorsorge. Foto: Maria Bloching
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