"Alb stellt ihr Licht noch unter den Scheffel"
Münsingen. Zwölf angehende Landschaftsplaner werfen derzeit fachkundige und unvoreingenommene
Blicke auf das Biosphärengebiet. Ein Ergebnis: Die Vermarktung der Landschaft bleibt hinter ihrem Potential zurück.
Anfang des Jahres sorgte die Kritik der IHK Reutlingen an der "schlechten Vermarktung der Schwäbischen Alb" für Aufsehen. Der Tourismus könne als Wirtschaftsfaktor noch viel wichtiger werden, unterstrich damals IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp, während der Reutlinger Landrat Thomas Reumann, zugleich Vorsitzender des Alb-Tourismusverbandes, die Kritik seinerseits als "völlig überzogen" zurückwies.
Derzeit erkunden zwölf Teilnehmer des internationalen Masterstudiengangs Landschaftsarchitektur der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen/Geislingen zusammen mit ihrem Professor Dr. Roman Lenz das Biosphärengebiet. Vordergründig geht es dabei um das Thema Regionalentwicklung. "Die Studenten sollen mit dem Projekt demonstrieren, ob sie verstanden haben, wie die Entwicklung einer Landschaft funktioniert". Zugleich geht es darum, festzulegen, wie die vielfältigen Kenntnisse und Erfahrungen eines Landschaftsarchitekten für den Prozess einer an den Kriterien umweltgerecht, ökonomisch nachhaltig und sozial verträglich ausgerichteten Entwicklung genutzt werden können.
Gespräche mit Entscheidungsträgern wie dem Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mythos Schwäbische Alb, Wolfgang Schütz, Landwirten und Hoteliers oder einem regionalen Modehersteller sowie ein Besuch im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren gehörten genauso dazu wie Erkundungen auf dem früheren Truppenübungsplatz. Das Biosphärengebiet bietet ein einzigartiges Studiendesign. "Es gibt kaum eine Region, in der so viel auf einmal passiert", stellt Lenz fest und verweist auf erfolgreiche Programme wie "Plenum", "Regionen Aktiv" oder den bereits vor dem Biosphärengebiet etablierten Geopark Schwäbische Alb. "Die Studenten sollen ihre Kenntnisse aus den Bereichen Naturschutz, Landbewirtschaftung und Tourismus in den Prozess der Raumentwicklung einbringen", formuliert Lenz als Ziel des Praktikums.
Unvoreingenommen werfen die angehenden Landschaftsarchitekten, die aus verschiedenen Staaten stammen, Blicke auf die Region. Mögliche Ansatzpunkte für Verbesserungen haben sie bereits identifiziert, wie eine Gesprächsrunde am Mittwochnachmittag ergab. So sind sich Lenz und die Teilnehmer der Projektwoche einig, dass die "Landschaft sich nicht ausreichend genug vermarktet". Viele Produkte würden unter Wert angeboten. Die Leistungen, die Eigenart, Besonderheiten und die vielfältigen Hintergründe der Region müssten erlebbar werden, schließlich seien diese Komponenten Alleinstellungsmerkmale, mit denen geworben werden könnte. "Die Schwäbische Alb stellt ihr Licht unter den Scheffel", bilanziert Lenz die im Kurs gewonnenen Erkenntnisse.
Ein möglicher Ausweg könnte demnach die Einbeziehung externer Marketingunternehmen sein, lautet ein Vorschlag aus der Runde der Studierenden. Lob gibt es auf der anderen Seite für die in den vergangenen Jahren entstandene Vernetzung verschiedener Akteure. "Die Zusammenarbeit der Erzeuger führt zu einer Wertschöpfungskette", so Lenz. Dennoch gibt es noch ausreichend Potential für den weiteren Ausbau der Netzwerkstrukturen. Als überaus wichtig schätzen die Studenten auch die Kommunikation ein. "Es ist wichtig, die Meinung der Menschen in der Region miteinzubeziehen". Andernfalls bestehe die Gefahr, dass gewünschte Ziele und Vorgaben nicht umgesetzt werden. Dazu gehört nach Ansicht der Studierenden auch eine ausführlichere Information der Menschen über die Entwicklungen auf dem Truppenübungsplatz und im gesamten Biosphärengebiet.
Darüber hinaus befürworten sie eine weitergehende Öffnung des Platzes als dies zum jetzigen Zeitpunkt der Fall ist.
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Autor: RALF OTT | 19.03.2010
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Die angehenden Landschaftsarchitekten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen/Geislingen mit Professor Dr. Roman Lenz (rechts) schlagen mit Blick auf das Biosphärengebiet Verbesserungen bei der Vermarktung vor. Foto: Ralf Ott
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Kommentare (1)
hi
hallo