Alb-Getreide schneidet besser ab
Münsingen. Die Ernte im Kreis Reutlingen fällt unterschiedlich aus: Im Albvorland leidet die Qualität unter dem nassen Wetter, auf der Alb sieht es deutlich besser aus. Für den Maisertrag ist die nächste Zeit entscheidend.
Gestern hat der Kreisbauernverband Reutlingen-Münsingen die Erntebilanz vorgestellt. "Im Albvorland gibt es ein erhebliches Qualitätsproblem", sagte Bauernverbandsgeschäftsführer Manfred Nothacker, "dagegen hat der spätere Erntezeitpunkt auf der Alb den Landwirten in vielen Fällen zu besserem Getreide verholfen." Schuld ist der verregnete August, der die Ernte des im Unterland bereits reifen Getreides verzögert hat. Durch den Regen steigt der Wasseranteil im Korn über die noch tolerierbaren 15 Prozent hinaus. Zu feuchtes Getreide ist nicht lagerfähig. Ist es während der Wachstumsphase zu kalt oder zu feucht, bildet das Korn obendrein zu viel Amylase, die Triebkraft und damit die Backqualität leidet darunter. Auskunft darüber gibt die so genannte Fallzahl, bei der mit einem standardisierten Verfahren gemessen wird, wie viel Sekunden ein Gewicht in einer zuvor angerührten Menge Teig benötigt, bis es zu Boden gesunken ist.
"Heuer hatten es die Landwirte mit extremen Wetterbedingungen zu tun", betonte Kreisbauernverbandsvorsitzender Gebhard Aierstock und erinnerte an den kalten Mai sowie die Hitzeperiode im Juli, die an trockenen Standorten zu einer frühen Abreife geführt habe. Dann folgte der verregnete August. "Im Unterland war das Getreide reif, konnte aber nicht geerntet werden", so Aierstock. "Zum Teil wurden Fallzahlen von 100 gemessen, unterstes Limit für Backgetreide ist jedoch ein Wert von 220", erläuterte Aierstock. Anders dagegen das Bild auf der Alb: Die Qualität ist recht gut und der Eiweißgehalt entspricht ebenfalls den Anforderungen. Die Ertragsmenge allerdings bezifferte Aierstock als "schwachen Durchschnitt".
Der Getreidepreis wiederum hat sich nach oben entwickelt. "Für guten Qualitätsweizen mit Fallzahlen von 260 lassen sich 18 bis 20 Euro pro Doppelzentner erzielen", so Nothacker. Damit hat sich der Preis gegenüber dem Vorjahr zwar annähernd verdoppelt, doch darunter ist laut Nothacker auch keine wirtschaftliche Betriebsführung möglich. So mussten die Landwirte bei den 2009 vorherrschenden niedrigen Preisen ihm zufolge bei allen Kulturen Verluste hinnehmen. Natürlich erzielt schlechte Qualität, die nur noch als Futtergetreide zu gebrauchen ist, nicht diese Preise, da müssen sich die Landwirte mit zehn bis elf Euro für den Doppelzentner zufrieden geben. "Die Spannbreite ist also groß."
Letztlich bestimme bei der Preisbildung der globale Markt das Niveau. "Der Exportstopp in Russland sowie die um 15,7 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr geringere Ernte in Europa und niedrigere Erträge in den USA sorgen für Unruhe an den internationalen Börsen", hat Aierstock beobachtet. Doch während die weltweiten Getreidevorräte zu Zeiten des Hochpreisniveaus mit rund 25 Euro pro Doppelzentner im Frühjahr 2008 für 60 Tage gereicht haben, lagert gegenwärtig immerhin der Bedarf für 120 Tage in den Speichern.
Nicht zuletzt bietet der Verkauf an Biogasanlagen dem Landwirt eine Alternative, sowohl beim Mais wie auch bei Getreide als Ganzpflanzensilage. Letztere Variante ist in Verbindung mit dem verstärkten Pilzbefall des Getreides auch eine Ursache für die Verknappung und damit Verteuerung des Strohs, das als Einstreu benötigt wird.
"Der Mais selbst ist auf der Alb noch nicht abgeerntet", so Aierstock, "die Pflanzen benötigen noch viel Sonne, damit sich die Kolben füllen." Ein frühzeitiger Frosteinbruch könne zu großen Schäden führen.
"Noch mehr Bewegung nach oben" als die derzeit geltenden rund 30 Cent für den Liter Milch erhofft sich Aierstock, der die Fleischpreise wiederum als "mehr oder weniger zufriedenstellend" einstufte, wobei er die Bezahlung für Mastschweine mit 130 bis 140 Euro und auch Ferkel (37 bis 40 Euro) als zu niedrig bewertete.
Noch keine Bilanz gibt es bei Kartoffeln, unter Strich allerdings sei deren Anbau in der Region stark rückläufig.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: RALF OTT | 03.09.2010
| Artikel twittern |
|
|
Während der Mais noch einige sonnige Tage vertragen kann, bevor er in guter Qualität geerntet wird, hat die nasse Witterung die Qualität des Strohs verschlechtert und den Preis steigen lassen. Fotos: Ralf Ott
MEISTGELESENE ARTIKEL
Schlecker: Insolvenzverwalter als Hoffnungsträger
Ehingen/Ulm Für die etwa 32.000 Beschäftigten bei Schlecker ist er so etwas wie ein Hoffnungsträger: Arndt Geiwitz, vorläufiger Insolvenzverwalter. Er erteilt "Resteaufkäufern" eine Absage und spricht von "Schlecker 2.0".... mehr
Schiffsunglück: Krisenbewältigung à la Costa
Ulm Das tragische Schiffsunglück der "Costa Concordia" zieht Kreise. Die Kreuzfahrt-Gesellschaft wendet sich an Kunden - mit komischen Sätzen.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte heute Abend in der Markt- und Schlossstraße.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
