Abschied ohne Herzschmerz

Ulm.  Eine Ära geht zu Ende. Vinzenz Hombach, Herzspezialist und Ärztlicher Direktor der Uniklinik, wird heute mit einem Symposium verabschiedet. Er geht in den Ruhestand. Sein Werk, die Ulmer Herzmedizin, bleibt.

"Ich konnte meinen Traum erfüllen." Vinzenz Hombach (66), Medizinprofessor und Chef der Kardiologie der Uniklinik Ulm, wirkt zufrieden. Seit 22 Jahre leitet er die Klinik für Innere Medizin II unter dem Dach der Universitätsklinik. Ende März ist Schluss. Verabschiedet wird er bereits heute und morgen mit einem Symposium zu dem Thema, das ihn ein Berufsleben lang beschäftigte: zur Herzmedizin. Und weil er auf diesem Gebiet eine anerkannte Kapazität ist, hält sein Bonner Kollege Berndt Lüderitz den Festvortrag und spricht Georg Ertl, der zukünftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Der Titel des Festvortrags lautet "Zur Entwicklung der Kardiologie während der Schaffensperiode von Vinzenz Hombach". Die Kardiologie der Uniklinik Ulm jedenfalls ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Er hat die Herzmedizin in Ulm aufgebaut. Bevor er kam, gab es für die Behandlung von Herzpatienten nur wenige Betten in verschiedenen Abteilungen. Heute ist die Ulmer Kardiologie bundesweit vorn dabei.

Dass das so ist, liegt auch an seinem Partner, dem Herzchirurgen Andreas Hannekum. Der kam drei Jahre nach Hombach an die Uniklinik, seither bastelten sie gemeinsam am Projekt "Herzzentrum Ulm". Einen Herzchirurgen nach Ulm zu holen, das war einer der ersten großen Schritte Hombachs gewesen. Damals fuhr er gemeinsam mit Oberbürgermeister Hans Lorenser nach Stuttgart und die beiden boxten im Ministerium die Zusage durch. Es war der letzte Tag des Hans Lorenser als Vorsitzender der baden-württembergischen Krankenhausgesellschaft. Die Behandlung von Patienten und Forschungsprojekte wurde parallel aufgebaut.

Einmal erlitt das Herzzentrum Ulm einen herben Rückschlag. Michael Georgieff, Chef der Anästhesie, warf Hannekum vor, er sei am Tod mehrerer Menschen schuld. Hannekum musste sich deshalb vor Gericht verantworten. Von diesen Vorwürfen blieb nichts übrig, aber die Uniklinik verlor in der Folge die Kinderherzchirurgie. Und Hombachs Chefchirurg und die gesamte Uniklinik litten unter den Vorwürfen und den lang andauernden Ermittlungen.

Aber das ist Geschichte. Das Duo Hannekum/Hombach, das das Herzzentrum aufbaute, wird die Ulmer Herzmedizin nun in andere Hände legen: Hombach geht Ende März, Hannekum voraussichtlich Ende September. Hombachs designierter Nachfolger hat den Ruf an die Ulmer Uniklinik zwar offiziell noch nicht angenommen, aber im Klinikum gilt als sicher, dass er der Mann der Zukunft sein wird: Wolfgang Rottbauer, Privatdozent und Herzspezialist am Universitätsklinikum Heidelberg.

Was hat Hombach als Chefkardiologe der Uniklinik Ulm erreicht? Beispielsweise dass sie zwei Kernspintomographen haben, mit deren Hilfe sie die Herzfunktionen und alle Einzelheiten optimal und dreidimensional auf Bildschirmen abbilden können. Ohne Herzkatheter und ohne belastende Röntgenstrahlen. Mit diesen bildgebenden Verfahren als wichtige Helfer der Herzmediziner sind sie bundesweit ganz vorn dabei, sagt Hombach. Oder mit Herzklappenersatz ohne große Operation, nur mit Hilfe eines Herzkatheters, der die Klappe durch große Adern an die richtige Stelle führt und entfaltet. Ihr Kampf gegen den akuten Herzinfarkt: Es geht um Minuten, um Leben und Tod, aber auch darum, bei kleineren Infarkten den Schaden am Herzmuskel so gering wie möglich zu halten. Sie bauen bei Menschen, deren Leben durch Herzkammerflimmern bedroht werden könnte, Miniatur-Defibrillatoren ein, die automatisch einen starken Stromstoß abgeben, wenn die normale Herztätigkeit aussetzt. Die Herzmedizin schreitet in Riesenschritten voran. Hombach hat dazu dicke Kapitel geschrieben.

Ein wenig von seinem Wissen will er gern noch weitergeben, wenn es geht, auch nach dem März, sagt Hombach. "Denn die Medizin lebt nicht nur vom aktuellem Wissen, sondern auch von der Erfahrung."


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Autor: WILLI BÖHMER | 20.03.2010

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