Abgestürzt: Ein Berblinger-Spaß

Ulm.  Der Idee, dem Berblinger-Fest 2011 eine spaßige Seite zu verleihen, geht es wie einst dem Schneider von Ulm selbst: Sie stürzt (wohl) ab.

Rolf Grüner ist wieder da. Er war vor einiger Zeit ein stadtbekannter Spezialist für Marketing und PR und als solcher der Erfinder des inzwischen begrabenen Cityfestes rund ums Münster und auf dem Judenhof. Grüner hatte mit seiner Frau die ersten Jahre des Ruhestands in Frankreich verbracht. Jetzt leben die beiden in Neu-Ulms höchstem Haus an der Donau.

Von oben herab verfolgt Grüner das Stadtgeschehen wach. Ihm ist aufgefallen, dass es den Feiern zum 200. Jahrestag des gescheiterten Flugversuchs Albrecht Ludwig Berblingers im kommenden Jahr an einem rechten Volksfest mangelt. Bekanntlich gibt die Stadt zwar 800 000 Euro aus. Diese aber vorwiegend für eine Ausstellung im Stadthaus und einen eher technisch-akademisch anmutenden Wettbewerb um Flug-Innovationen, der dazu noch in Friedrichshafen auf einer Messe laufen wird.

Grüner meint nun, es sollte rund ums Jubiläumsdatum - es war der 31. Mai 1811, als dem Volksmund nach der Teufel den Schneider von Ulm mit seinem Flugversuch scheitern und an der Adlerbastei in die Donau stürzen ließ - auch ein Spektakel stattfinden. Um nicht einen Abklatsch des durchaus spektakulären Flugwettbewerbs zum 175-Jährigen von 1986 zu inszenieren, hat Grüner ein Konzept entworfen, das auf einem Volksspaß gründet: Jeder der möchte, soll selber über die Donau schweben können: an einem Drahtseil unter Berblingers Flügeln vom authentischen Ort, der Adlerbastei, aus schräg übern Fluss ans Neu-Ulmer Ufer. "Ich bin sicher", sagt Grüner, "dass von der Möglichkeit, einmal ein Überflieger zu sein, viele Leute fasziniert wären".

Allein scheint dieser Idee ein ähnliches Schicksal zu blühen wie jenem Traum vom Fliegen des armen Berblingers: Sie droht abzustürzen. Der OB höchstselbst beschied dem findigen PR-Mann Grüner: kein Geld mehr da, nachdem die anderen Berblinger-Ereignisse gemeinderätlich beschlossene Sache seien.

Und von zwei Unternehmern, die Grüner für pfiffig genug hielt und denen er sein Flug-Konzept vorstellte, antwortete einer gar nicht und der andere wachsweich. Die Idee vermochte nicht zu überzeugen - obwohl sie doch eigentlich eine sehr triviale Grundlage hat.


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Autor: HANS-ULI THIERER | 03.09.2010

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