Fortschritt und Feinschliff

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Feinschliff: Nachwuchssängerin Annie Ternström aus Stockholm und Mezzosopranistin Michaela Schuster (rechts).  Foto: 

Auch fürs Publikum ist der Meisterkurs spannend, findet doch ein Teil des Unterrichts öffentlich statt – man erfährt, wie die jungen Sänger ihren Feinschliff erhalten und kann ihre Fortschritte miterleben. Zudem ist es interessant, Sängerpersönlichkeiten wie dieses Jahr die Mezzosopranistin Michaela Schuster persönlich beim Unterrichten zu erleben. Dieses Mal nehmen sieben junge Frauen und ein junger Mann (Felipe Sanchez aus Chile) an der Meisterklasse „Lied und Oper“ teil.

Im Saal des Karl-Hartenstein-Hauses steht am Freitag um halb elf ein schmales Mädchen vorn beim Flügel: Annie Ternström aus Schweden, erst 18, Abiturientin an einem Musikgymnasium. Als sie anfängt, traut man den Ohren kaum, so überwältigend schön und voll ist ihre Stimme, so wunderbar fließend singt sie die die Arie „Blute nur, du liebes Herz“ aus der Bach’schen Matthäuspassion.

Michaela Schuster lobt sie. Annie besitzt nicht nur eine großartige Stimme, sondern auch eine hohe Musikalität. Was aber bei ihr wie bei den meisten jungen Sängern noch korrigiert werden muss, sind Feinheiten: Angewohnheiten bezüglich Stimmsitz, Mundstellung, Atem, Aussprache, Färbung und so weiter. Die könne, wenn sie nicht durch neue, bessere Gewohnheiten ersetzt werden, die sängerische Laufbahn belasten können. Der Aufmerksamkeit der Dozentin entgeht nichts, konzentriert beobachtet sie ihre „Zöglinge“ und greift bei Bedarf ein – wenn’s sein muss, nach jeder kurzen Phrase. Ihre Hände gestalten die Stimmführung mit oder ziehen an einem unsichtbaren Faden. Worauf es ankommt, ist die Vermittlung einer inneren Vorstellung über das, was beim Singen passiert. Die in deutscher und englischer Sprache erteilten Ratschläge lauten (sinngemäß) „Bleibe entspannt, achte auf deinen Körper!“ oder „Versuche heller zu denken!“ Wie alljährlich müssen die aus aller Herren Länder angereisten Jung-Sänger die korrekte Aussprache der deutschen Lied- oder Arientexte lernen und üben; geduldig und deutlich spricht Michaela Schuster vor und lässt die Worte wiederholen, bis sie stimmen. „Der Schwestern Spiele“ etwa (bei Schumann) sind für Nicht-Muttersprachler gar nicht so einfach!

Nach der Bach-Arie ist das Lied „Seit ich ihn gesehen“ aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“ an der Reihe; hier kann Annie unter anderem ihr wirklich schönes Piano zur Geltung bringen, das sie ausdrücklich weiter pflegen soll.

Als nächste stellt sich Pauline Roux aus Frankreich an den Flügel und singt – Überraschung – Wagner, und zwar die Erzählung der Sieglinde aus der „Walküre“ („Der Männer Sippe saß hier im Saal“). Die klingt schon sehr beeindruckend, doch Michaela Schuster, erfahrene Wagner-Sängerin, korrigiert so manche Stelle und animiert ihre Studentin, das Singen noch leichter zu denken. „Sei neugierig! Lasse den Kiefer los, lächle!“ Aber sie lobt auch. „Die Arie ist anstrengend, sie muss einfach noch wachsen.“

Kontrast und Ausgleich zu Wagner bildet ein französisches Walzerlied: „Les chemins de l’amour“ von Francis Poulenc; hier wird ebenfalls intensiv an der Mundstellung und am Piano gearbeitet, bis der Nächste drankommt. Am Samstag um elf findet das Abschlusskonzert im Bürgerhaus statt – bis dahin soll alles sitzen

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