Ein Ort des Innehaltens

Viele reden vom Charme, vom Reiz des Besonderen, der von diesem Ort ausgeht: Das hat zum Teil damit zu tun, dass Bad Urach eben auch Kulturstadt ist.

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Die meisten Gäste, die immer wieder gern hierher kommen, sind sich einig: Die Stadt, die Landschaft ist mehr als nur eine schöne Touristenidylle. Sie ist vielen Besuchern auch ein Ort der Ruhe, der Zuflucht, des Atemholens, der Entschleunigung.

Ein ähnlicher Geist - nämlich eine gewisse Eigenwilligkeit und ein gesundes Selbstbewusstsein fernab der lauten Großstädte - geht auch von den Einheimischen aus. Egal, ob sie nun seit Generationen hier ansässig sind oder erst in neuerer Zeit das Leben der Stadt mit vielerlei "Migrationshintergründen" bereichern.

So ist Bad Urach, sicher auch gefördert durch die große geistesgeschichtliche Tradition des Orts, eine Stadt, die ein im Vergleich sehr reichhaltiges kulturelles Leben entwickelt hat. Die Bandbreite lässt sich sehen - und sie würde manch größerer Stadt gut anstehen: Von den Herbstlichen Musiktagen, einem überregional ausstrahlenden "Leuchtturm"-Festival, bis hin zum Forum 22 reicht hier die Bandbreite, einem rührigen kommunalen Programmkino, das auch Sommer- und Winter-Filmreihen unter freiem Himmel anbietet. Das Spektrum umfasst aber auch eine viel besuchte, breitgestreute Kleinkunst-, Theater- und Musik-Reihe namens "Kultur-Momente" - und als besonderen Farbtupfer auch die kreative Initiative "Kulturach", die immer wieder Konzerte und vieles andere mehr an ganz besonderen, meist nicht kulturell vorgeprägten Orten präsentiert.

Hinzu kommen Kunst-Ausstellungen im Stadtmuseum Klostermühle, Lesungen in der örtlichen Buchhandlung, Sommer-Literaturabende und vieles mehr. Die Stunde der Kirchenmusik wiederum ist eine Konzertreihe, die seit vielen Jahren regelmäßig Ensembles und Künstler aus der Region, aber auch bekannte Solisten aus dem In- und Ausland in die Amanduskirche holt. Ein Höhepunkt in den jüngsten Jahren war sicher der Auftritt des international reputierten Hilliard Ensembles. Und Bad Urach ist auch eine der drei Gemeinden, die an den Ermstäler Literatur- und Kulturtagen mitwirkt. Wobei die drei Kommunen Urach, Dettingen und Metzingen sich auch über die Ermstalbrücke sozusagen dauerhaft kulturell vernetzt haben. Ebenfalls etabliert hat sich das Kammermusik-Wochenende mit drei Konzerten, die im Frühjahr stattfinden und bei vielen Freunden bereits liebevoll den Spitznamen "die kleinen Musiktage" tragen.

Auch die Rock-Pop-Szene ist aktiv. Regelmäßig steigen in Urach die Rock Days, und es hat auch immer wieder Großkonzerte mit bekannten Szenenamen gegeben: Die "Prinzen" waren da ("Küssen verboten"). Deren Kopf Sebastian Krumbiegel ist übrigens der Bruder der Oratoriensängerin Susanne Krumbiegel, die wie er im Thomanerchor Leipzig angefangen hat, dann aber bei der klassischen Musik geblieben und mehrmals bei den Herbstlichen Musiktagen Bad Urach aufgetreten ist - unter anderem mit Schumanns Faust-Szenen. Apropos Popgrößen: Auch die österreichische Sängerin Christina Stürmer ("Ich hör auf mein Herz") ist in Bad Urach aufgetreten - sie hatte seinerzeit mit "Millionen Lichter" einen Super-Hit. Inzwischen geht nicht nur das Forumk 22, sondern längst auch die Stadt als Klassik-Veranstalter gern mal ins Freie. Es gab Klassik Open Airs mit der Württembergischen Philharmonie und aufstrebenden Nachwuchssängern. Jetzt im Jubiläumsjahr wird sogar alles, was in Urach Musik macht, eine "Stadtsymphonie" aufführen - unter der Leitung des Stuttgarter Komponisten und Dirigenten Adrian Werum (siehe vorige Seite).

Etwas Besonderes, etwas Nachhaltiges abseits der lärmenden Metropolen, abseits vom immergleichen Festival-Mainstream zu bieten - dieses Credo prägt auch das zweifellos bedeutendste Klassik-Festival der ganzen Region: die Herbstlichen Musiktage Bad Urach. Gegründet 1981 von dem Weltklasse-Bariton Hermann Prey (im Bild), dem damaligen Bürgermeister Fridhardt Pascher und dem musikbegeisterten Uracher Herbert Schenkl, profilierte sich der Musikherbst als Festival des Gesangs. Prey, der 1998 starb, ist Ehrenbürger der Stadt. Seitdem gibt es hier auch einen Hermann-Prey-Platz. Bis heute werden von hier aus "seine" Musiktage geplant und organisiert. Foto: SWP/Archiv

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