Verkürzter Schwörmontag: "Ulm blamiert sich"

23 Uhr ist Schluss: Am Schwörmontag wird in der Innenstadt dann der Ausschank eingestellt, die Musik abgedreht. Gastronomen befürchten Umsatzeinbußen und prophezeien das Sterben des Stadtfestes.

|

All jene, die mit dem Schwörmontag Geld verdienen, Wirte und Veranstalter, sind sich einig: "Ein verkürzter Schwörmontag wird das Problem null verändern", so formuliert es Carlheinz Gern, einer der Veranstalter des Schwörmontag-Open-Airs auf dem Münsterplatz, mit Blick auf Lärm und Alkohol.

All jene, die das Sicherheitskonzept auf den Weg gebracht haben, wie der Verein "Leben in der Stadt", Polizei und Roland Häußler von den Bürgerdiensten, sind sich ebenfalls einig: "Die Anwohner haben ein Recht auf Nachtruhe", sagt etwa Häußler von den Bürgerdiensten. Aus seiner Sicht artet der Schwörmontag von Jahr zu Jahr mehr aus. 2012 gab es 19 Körperverletzungen und 100 Jugendliche, die stark alkoholisiert aufgegriffen wurden.

Bürgerdienste und Polizei erarbeiteten ein Konzept. Das sieht vor, dass in der Innenstadt eineinhalb Stunden früher als gewohnt die Musik abgedreht und der Ausschank beendet wird. In der Au, in Wiblingen, in Söflingen darf hingegen weiter bis 0.30 Uhr gefeiert werden.

"Das ist eine Wettbewerbsverzerrung", sagt Christian Becker, einer der Großgastronomen, die am Schwörmontag dafür sorgen, dass auf dem Münsterplatz und an Ständen in der Altstadt das Bier fließt. Er sei von der Entscheidung seitens der Gemeinderäte "wie vor den Kopf gestoßen", vor allem entsetze ihn, dass diese Entscheidung über die Köpfe der Wirte hinweg getroffen worden sei. Zumal sich Becker stets an die Vorgaben der Stadt gehalten habe. "Da lasse ich mir nichts vorwerfen." Vielmehr solle man gerade in Sachen Müll den Handel in die Pflicht nehmen. Denn dort würden sich die Jugendlichen mit Schnaps eindecken und die Flaschen durch die Gegend pfeffern. Ähnlich sieht es Carlheinz Gern: "Die Leute schleppen Wodka und Bier rein!" Ob der Schwörmontag um 23 Uhr oder 0.30 Uhr offiziell aufhöre, sei in Sachen Alkohol egal - die Betrunkenen seien in der Stadt. Wenn der Schwörmontag aber um 23 Uhr ende, "blamiert sich Ulm". Jedes Schützenfest dürfe länger gefeiert werden. Gern wechselt sich als Betreiber des Radios Donau 3 FM mit Radio 7 bei der Bespielung des Münsterplatz-Open-Airs ab. In diesem Jahr ist Radio 7 an der Reihe. Die Musik wurde in den vergangenen Jahren bereits um 24 Uhr abgedreht - werden wegen der einen Stunde wirtschaftliche Einbußen befürchtet? "Nein", sagt dazu Radio-7-Pressesprecher Philipp Hellmich. "Wir planen jetzt das Programm entsprechend. Wir bekommen dadurch keine Krise." Die sieht jedoch Michael Freudenberger, Wirt des "Wilden Mannes" im Fischerviertel, auf sich zukommen. Er spricht von "immensen Einbußen" wegen der künftig fehlenden Einnahmen. "Das ist ein herber Schlag." Er müsse erstmal rechnen, ob sich der Schwörmontag noch lohne. Für ihn steht fest: "Die Stadt steht nicht mehr hinter dem Schwörmontag." Das Stadtfest werde irgendwann sterben.

Gerold Schwegler, zweiter Vorsitzender des Vereins Leben in der Stadt, wertet das Konzept der Bürgerdienste als Erfolg seines Vereins. Für ihn steht allerdings fest: "Das wird milder ablaufen, als es sich anhört." Warum? "Weil die Stadt so viel nicht kontrollieren kann."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ohne Glanz eine Runde weiter

Die TuS Metzingen gewinnt auch das Rückspiel der zweiten Runde im EHF-Pokal in Blomberg, bekleckert sich beim 28:27-Sieg aber nicht mit Ruhm. weiter lesen